Vor hundert Jahren war Deutschland noch Agrarstaat

Welche enormen Produktivitätssteigerungen die Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren erreicht hat, zeigt der aktuelle Situationsbericht des DBV.

Wagen (Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de)

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lag der Anteil der in der Land- und Forstwirtschaft Erwerbstätigen bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und mit der Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil fast kontinuierlich. Dieser betrug Anfang der 50er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts etwa 2 Prozent. 2017 lag der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil sogar nur noch bei 1,4 Prozent.

In den letzten 100 Jahren wurden enorme Produktivitätssteigerungen erzielt

Immer mehr Menschen werden von einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ernährt. Der Hektarertrag für Weizen zum Beispiel lag vor gut 100 Jahren bei 18,5 Dezitonnen. Heute (Durchschnitt 2010 bis 2015) liegt der Hektarertrag mit 77,1 Dezitonnen mehr als viermal so hoch.

Ein Landwirt ernährt heute 135 Personen

Ein Landwirt erzeugte 1900 Nahrungsmittel in einem Umfang, um etwa 4 Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt 10 und 2016 135 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln). Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhunderts liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad bei starken jährlichen Schwankungen weiter deutlich unter 100 Prozent. Angesichts der Arbeitsteilung in einer globalisierten Wirtschaft und der vom Verbraucher gewünschten Vielfalt ist der Selbstversorgungsgrad allerdings kaum noch von gesellschaftspolitischer Relevanz.

Fortschritt als Ursache für enorme Produktivitätssteigerung

Die enorme Erzeugungssteigerung hat ihre Ursache in der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Produktionsweisen. Moderne Maschinen und Ställe, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Mineraldüngern sowie Zuchtfortschritte bei Pflanzen und Tieren haben dazu geführt, dass die Landwirte heute wesentlich stabilere und höhere Erträge erzielen als früher.

Immer weniger Landwirte erzeugen immer mehr

1900 gab es im damaligen Reichsgebiet noch über 5,6 Millionen Betriebe mit gut 26 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und 20,7 Millionen Großvieheinheiten an Nutztieren. Damals waren ca. 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche zur Fütterung der Zugtiere (Pferde) notwendig. In dem heutigen Deutschland sind es 269.800 Betriebe (2017), die rund 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bearbeiten und pflegen und 13,1 Millionen Großvieheinheiten halten. 1950 waren es entsprechend noch 15,2 Millionen Großvieheinheiten. Die aus den heute 13,1 Millionen Großvieheinheiten resultierende Gesamterzeugung liegt gegenüber dem weitaus flächengrößeren Deutschland in den Grenzen von 1900 um ein mehrfaches höher.

Leistungen enorm gestiegen

Brot und Brötchen gehören zu den Grundnahrungsmitteln in Deutschland, etwa 81 Kilogramm werden pro Kopf und Jahr verzehrt. Damit ist Deutschland in der Europäischen Union Spitzenreiter. Dank der erheblichen Ertragssteigerungen durch Züchtung und Anbautechnik „wachsen“ heute auf einem Hektar Weizen mit rund 80 Doppelzentnern Ertrag etwa 9.400 Weizenbrote à 1 Kilogramm. Das Mehl von 850 Gramm Weizen reicht zum Backen von einem Kilogramm Brot. In einem solchen Brot ist das Mehl von 17.000 Körnern verarbeitet worden. 16.000 Körner wachsen je Quadratmeter. Zur Ernte dieser Körnermenge hat der Landwirt im Herbst knapp 400 Körner ausgesät. Mehr als das 40-fache kann er somit im Sommer nach genügend Regen und Sonne und ackerbaulicher Pflege ernten.

Wandel auf dem Lande (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Dafür geben wir unser Geld aus (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019 / FAZ)

Wirtschaftskennziffern (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Deutsche Arbeitswelt im Wandel (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Hektarerträge (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Langfristentwicklung der Viehbestände (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Was deutsche Kühe täglich leisten (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Nahrungsmittelausgaben im Jahrhundertvergleich (Bildquelle: DBV-Situationsbericht 2018/2019)

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Martin Bessler

Ein Landwirt ernährt heute 135 Personen aber

Ein Landwirt ernährt heute 135 Personen, aber 135 Personen sind nicht in der Lage nur einen Landwirt zu ernähren!!!

von Martin Bessler

Ein Landwirt ernährt 135 Personen, aber 135 Personen sind nicht in der Lage einen Landwirt zu ernähren!!!

von Wilhelm Grimm

Frohe Weihnachten, Herr Holtmeier !

Wie ihre genannten 27 Mille errechnet sind, weiß ich nicht, ist auch nicht entscheidend. Wichtig ist aber, dass ihr 1 Euro/ha Gedanke nicht funktioniert. Unsere Betriebe sind auch zu unterschiedlich. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass der Bauernverband von unten bis oben am besten organisiert ist; das muss genutzt werden, wenn nicht alles handwerkliches Stückwerk bleiben soll. Aber ein schlagkräftiges Netzwerk für eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit hat der DBV anscheinend immer noch nicht. Es muss möglich sein, z.B. die ständigen mit Fake-News unterlegten Schmutzkampagnen des ABA zeitnah zu kontern und selbst Gegenangriffe zu steuern. Im Augenblick geht es zwischen Schulze und Klöckner um die ganz entscheidende Richtungsentscheidung: Vorwärts oder Rückwärts. In der Bewertung unseres Grund-und Oberflächenwassers mit der dann folgenden Düngeverordnung hat der DBV versagt. In der anstehenden Richtungsentscheidung darf das nicht passieren.

von Thorsten Holtmeier

Werbung Werbung Werbung

Von jedem ha Lf 1€ Für Werbung und es wäre ganz einfach das und vieles andere in die Öffentlichkeit zu bringen, bekomme ich leider nicht hin, mit der Initiative heimische Landwirtschaft z.b. Oder ähnlichem wäre das kein Problem. Leider sind von 269000 Betrieben nur 1400 dort Mitglied wenn alle mitmachen haben wir einen Werbeetat von ca27 mio € damit könnte man richtig was bewegen. Schöne Weihnachten euch allen.

von Ralf Geßner

Wenn das so weitergeht,

... dann werden Dörfer und Städte eingezäunt sein. Landwirtschaft wird im Ausland betrieben. Der Handel führt sämliche Lebensmittel von da ein, wo sie am billigsten zu kaufen sind. Und unsere Landschaft wird den Wölfen, Bären und vieleicht bis dahin auch den Löwen überlassen!

von Andreas Thiel

Kein Wolf

Vor 100 Jahren

von Rudolf Rößle

Es fehlt

die überbauten Agrarflächen im Vergleich. Da kommt dann der Schock.

von Wilhelm Grimm

EINSAME KLASSE

sind die jährlichen Situationsberichte des DBV. Daraus kann und muss man mehr machen. Nicht nur der DBV sondern auch jeder von uns !

von Gerhard Steffek

Guter Beweis -

was für einen Schwach- und Blödsinn von Hendricks und Co. (Schulze) da zum Besten gegeben werden wenn diese "Intelligenzbestien" meinen die Rinderzahl müßte reduziert werden, um den Klimawandel zu stoppen. Warum sagt diesen Klugscheißern denn niemand, daß dies schon längst der Fall ist? Oder wissen sie es und bleiben trotzdem bei dieser Behauptung? Was das ist versteht sich dann doch von selbst. Allen eine schöne Weihnacht.

von Andreas Puckert

Wie geht es weiter?

... und in 100 Jahren leben wir wieder im Mittelalter wenn die Politik so weiter macht. Keine in Deutschland produzierten Lebensmittel dafür aber zu Spielhallen für umgebaute Schweineställe für die Kinder und Monokulturen in Form von Blumenwiesen.

von Wilhelm Grimm

Beeindruckende Leistung der deutschen Landwirtschaft, aber

eine total negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, die täglich durch irreführende und ehrabschneidende Behauptungen unserer gut und gesund ernährten Feinde aus dem Lager des Umweltbundesamtes, der Partei der Grünen und Anderer unsere Bemühungen um gute und gesunde Nahrungsmittel in den Dreck ziehen. Warum sind wir nicht in der Lage, dem Bürger unsere Leistungen als Wohltat zu vermitteln? Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Wir können was, sind aber zu blöde, das auch zu verkaufen. Unsere oben genannten Feinde verkaufen ihr Schrottwissen dagegen weltmeisterlich. Wir müssen uns besser verkaufen !!!

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