Unfairer Wettbewerb

Zuckerwirtschaft pocht auf EU-einheitliche Wettbewerbsbedingungen

Die Zuckerwirtschaft ruft die Politik erneut auf, auf dem Weltzuckermarkt wieder für gleiche bedingungen zu sorgen. In einigen EU-Ländern bekommen Rübenanbauer weiterhin hohe gekoppelte Prämien. Und für Neonikotinoide im Rübenanbau gäbe es dort Ausnahmen. Dadurch seien die klar im Vorteil.

Ihre Kritik an den ungleichen Wettbewerbsbedingungen für die Zuckerwirtschaft und Rübenanbauer in der Europäischen Union hat die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) bekräftigt. Im Interview mit AGRA-EUROPE verweist der WVZ-Hauptgeschäftsführer Günter Tissen auf die in einigen EU-Ländern weiterhin üblichen gekoppelten Zahlungen, die den dortigen Anbauern deutliche Vorteile verschafften.

Zusätzlich werde der Deckungsbeitrag der deutschen Erzeuger durch das hierzulande geltende Neonikotinoidverbot im Schnitt um rund 300 Euro/ha geschmälert, während die Beizung mit dem Wirkstoff andernorts auf Grundlage von Sondergenehmigungen weiter zulässig sei.

Tissen sieht die Politik in der Pflicht, für faire Rahmenbedingungen zu sorgen, da ansonsten der Rübenanbau in der Bundesrepublik gefährdet sei. Weitere Standortaufgaben wie zuletzt bei Südzucker will er angesichts der ohnehin angespannten Marktlage auch in Deutschland nicht ausschließen. Dies könne dazu führen, dass am Ende die falschen, nämlich die klima- und ressourcenschonenden Werke geschlossen werden müssten, warnt der WVZ-Hauptgeschäftsführer.

Ihm zufolge stehen die Landwirte nach wie vor hinter dem Anbau von Zuckerrüben. Dies zeigten nicht zuletzt die Proteste von rund 9 000 Anbauern und Fabrikarbeitern, die in den vergangenen Wochen ein „Fair Play für die heimische Zuckerrübe“ forderten, betont Tissen. Nach seinem Verständnis kann der Politik auch wegen der wirtschaftlichen Folgen für den ländlichen Raum nicht daran gelegen sein, dass die Zuckerrübe aus der deutschen Fruchtfolge verschwindet.

Beschwerde bei der WTO gegen indische Zuckermarktpolitik

Auch in Deutschland hatten Vertreter der Rübenbauer und die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) mehrfach die unfairen indischen Subventionen der Zuckerproduktion und der -exporte beklagt. (Bildquelle: Archiv)

Unterdessen haben Brasilien und Australien bei der Welthandelsorganisation (WTO) Beschwerde gegen Indien wegen dessen Stützungsmaßnahmen für den Zuckersektor eingereicht und entsprechende Konsultationen eingefordert. Wie die WTO mitteilte, kritisieren die Länder, dass in Indien in den zurückliegenden Jahren die Stützungsmaßnahmen für die Zuckerwirtschaft kräftig ausgebaut worden seien. Beispielsweise habe Neu-Delhi den Mindestpreis für Zucker im Wirtschaftsjahr 2018/19 fast verdoppelt, wodurch die Produktion angekurbelt worden sei. Hinzu kämen Exportsubventionen für Zucker.

Die indische Subventionspolitik destabilisiere den Weltmarkt für Zucker und drücke die Preise nach unten. Die Maßnahmen seien mit den Verpflichtungen Indiens im Rahmen des WTO-Agrarabkommens unvereinbar, betonte man sowohl in Brasília als auch in Canberra. Die brasilianische Staatsregierung bezifferte sogar den Schaden, der der Zuckerwirtschaft in dem südamerikanischen Land durch die indische Stützungspolitik schätzungsweise entsteht. Demnach könnte das zusätzliche indische Angebot auf dem Weltzuckermarkt den dort gezahlten Preis um bis zu 25 % senken. Für brasilianische Zuckerexporteure ergäbe sich dadurch im Vermarktungsjahr 2018/19 ein Schaden von etwa 1,3 Mrd $ (1,1 Mrd Euro).

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) geht in seiner jüngsten Prognose davon aus, dass Indien seinen Zuckerexport 2018/19 auf 4,0 Mio t steigern und damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln wird. Die Zuckerausfuhren Brasiliens schätzt das USDA für das Berichtsjahr auf 19,6 Mio t, die von Australien auf 3,9 Mio t. Die jetzt beantragten Konsultationen bieten den Ländern die Möglichkeit, eine Lösung für die Streitigkeiten zu finden. Wenn dies innerhalb von 60 Tagen nach Einleitung der Gespräche nicht gelingt, können die Beschwerdeführer eine Entscheidung durch ein WTO-Gremium beantragen.

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