Biogas als zweites ­Standbein? Premium

Milchviehhalter suchen nach zusätzlichen Einkommensquellen. Dabei entscheiden sich viele für den Bau einer Biogasanlage.

Immense Höhenflüge und tiefe Talsohlen: Auch Milcherzeuger müssen künftig mit heftigen Preisschwankungen rechnen. Um auch bei extrem niedrigen Milchpreisen zahlungsfähig zu bleiben, stellen immer mehr Landwirte ihren Betrieb auf ein zweites Standbein.

Besonders beliebt bei den alternativen Einkommensquellen ist die Biogasproduktion. Das geänderte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bietet neben der festen Vergütung mit dem zusätzlichen „Gülle-Bonus“ eine lukrative Geldquelle – staatlich garantiert über 20 Jahre (vgl. Kasten unten). Für die gängigen Anlagengrößen von 150 bis 190 kW bedeutet das zusätzliche Betriebseinkommen von bis zu 50 000 € pro Jahr! Daher finden bundesweit immer mehr Milcherzeuger Interesse an der Stromerzeugung.

Das gilt besonders für Schleswig-Holstein, wo die Grundpreise für Milch schon seit Monaten bei teilweise nur noch 18 Cent/kg Milch umherdümpeln. „Die meisten der dieses Jahr geplanten 50 Anlagen entstehen in den Milchregionen. Die Landwirte suchen händeringend nach zusätzlichem Einkommen“, erläutert Dirk Wietzke von der Landwirtschaftskammer.

In Ostdeutschland ist die Situation ähnlich. „Wir schätzen, dass etwa die Hälfte der mindestens 100 Anlagen, die dieses Jahr ans Netz gehen, von Milcherzeugern betrieben werden“, sagt Albrecht Schünemann von der Deutschen Kreditbank (DKB) mit Sitz in Berlin.

Aber auch in Süd- und Westdeutschland steigt das Interesse der Milchbauern. In Baden-Württemberg werden dieses Jahr bereits 30 % der 70 neuen Biogas-anlagen von Milcherzeugern gebaut. „Nächstes Jahr werden es voraussichtlich sogar 45 % der bisher geplanten Anlagen sein“, prognostiziert Dr. Manfred Dederer vom Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg.

In Nordrhein-Westfalen machen in diesem Jahr die Milchviehhalter etwa ein Drittel der ca. 45 Anlagenbauer aus. „Zwar liegt der Schwerpunkt weiterhin in den typischen Veredlungsregionen. Doch immer mehr Anfragen kommen auch aus den Grünlandregionen, also dort, wo die Milch sitzt“, erklärt Dr. Arne Dahlhoff, Biogasberater bei der Landwirtschaftskammer.

Biogas und Milch ergänzen sich

Die Anlagengröße ist meist von der Tierzahl auf den Betrieben abhängig. Denn um den „Gülle-Bonus“ zu nutzen, müssen Gülle beziehungsweise Festmist jeden Tag mindestens 30 % der Substratmenge ausmachen. „Deshalb ist ein klarer Trend zu güllebasierten Anlagen mit einer Leistung zwischen 100 und 250 kW erkennbar“, sagt Manuel Maciejczyk vom Fachverband Biogas. Beispielsweise fallen auf einem Betrieb mit 60 Kühen plus Nachzucht etwa 2 500 m3 Gülle pro Jahr an. Diese Menge würde für eine 150 kW-Anlage ausreichen, um den zusätzlichen Bonus zu kassieren.

Dass sich die Milchbauern für die Biogaserzeugung als zweites Standbein entscheiden, ...

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