Russische Molkereien „panschen“ Milchprodukte

Russische Molkereien ersetzen Milchfett offenbar häufig durch kostengünstige Pflanzenfette. Besonders stark betroffen sind Käseerzeugnisse: Rund 78% der Käse sollen „falsche Fetten“ zugesetzt sein.

Etwa 11% der gehandelten Milchprodukte Russlands sollen „falsche Fette“ enthalten. (Bildquelle: Archiv)

Russische Molkereien ersetzen Milchfett offenbar häufig durch kostengünstige Pflanzenfette. Besonders stark betroffen sind Käseerzeugnisse: Rund 78% der Käse sollen „falsche Fetten“ zugesetzt sein.
 
Das ist zwar grundsätzlich nicht verboten; doch muss die Ware dann entsprechend deklariert sein. Der Leiter des Aufsichtsdienstes für Tier- und Pflanzengesundheit Russlands (Rosselkhoznadzor), Sergej Dankwert, sprach in dem Zusammenhang von „Panscherei“. Landesweite Kontrollen im Jahr 2015 hätten ergeben, dass insgesamt 11% der gehandelten Waren „falsche Fett“ enthalte. Bei einzelnen Produktgruppen seien es bis zu 50 %, bei Käse sogar 78 %. Je höher dabei gemäß Milchmarktordnung der vorgeschriebene Fettanteil in den Molkereizeugnissen sei, desto höher sei der Anteil von Pflanzenfett gewesen, berichtete der Behördenchef.
 
Bei dem Ersatzfett habe es sich in den meisten Fällen um Palmöl gehandelt. Nicht verwunderlich sei deshalb, dass Russlands Palmölimporte 2015 gegenüber dem Vorjahr um 25,5 % auf 889 000 t gestiegen seien. Dankwert schlug deshalb vor, die Kontrolle der Milchbranche zu verstärken und die Prüfung der Milchqualität durch die regionalen und lokalen Veterinärdienste vornehmen zu lassen.
 
Der Verband der Milcherzeuger Russlands (Sojuzmoloko) nannte die Vorwürfe Dankwerts in einer Stellungnahme überzogen. Er räumte jedoch ein, dass laut eigenen Untersuchungen der Anteil von Milchprodukten mit nicht deklarierten Pflanzenfetten gegenwärtig zwischen 8 % bis 10 % liege.
 
Auch renommierte ausländische Hersteller wie Danone, die in Russland produzieren, sehen sich mit behördlichen Vorwürfen wegen des unerlaubten Einsatzes von pflanzlichen Fetten konfrontiert. Zuletzt versicherte Ende Februar der russische Danone-Geschäftsführer Bernard Ducros, dass bei seinem Unternehmen kein Palmöl eingesetzt werde und die eigenen Produkte natürlich sowie die Inhaltsstoffe gemäß den Gesetzen deklariert seien.
 

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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