Dürre

Trockenheit setzt Milchviehhalter weiter unter Druck

Die Niederschläge der vergangenen Tage bieten keinen Anlass zu Entwarnung. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft in Ostdeutschland. Die knappen Futterreserven könnten zu einem beschleunigten Strukturwandel der Milcherzeugung führen.

Vor allem Milcherzeuger in Ostdeutschland sind alarmiert. Die Bodenfeuchten in den oberen Schicht lägen nach wie vor bei lediglich 10 % im Vergleich zum langjährigen Stand. Das gebe Anlass zur Sorge, weil das nach der Dürre 2018 sehnlichst erwartete Gras nicht im erforderlichen Maße wachse, erklärte der Vorsitzende des Interessenverbandes Milcherzeuger (IVM), Christian Schmidt, gegenüber dem Presse- und Informationsdienst Agra-Europe. Schmidt warnte vor einem beschleunigten Strukturwandel in der Milcherzeugung, sollte sich die Situation nicht durchgreifend ändern.

Ein ähnliches Bild zeichnete das Landvolk Niedersachsen. Fehlende Niederschläge, eine intensive Sonneneinstrahlung und starker Wind hätten auf den Feldern im Land bereits in einem sehr frühen Vegetationsstadium zu einer ausgeprägten Trockenheit geführt. Insbesondere in den nordöstlichen Landesteilen hätten die im Frühjahr üblichen Regenmengen gefehlt, berichtete das Landvolk. „Nach dem Dürresommer des vergangenen Jahres hätten wir uns eindeutig einen anderen Start in die diesjährige Vegetationsperiode gewünscht“, erklärte Landvolkvizepräsident Dr. Holger Hennies. Auch in Polen wächst trotz des zuletzt etwas wechselhafteren Wetters die Furcht vor einer erneuten Trockenheit und deutlichen Ertragseinbußen.

Markt spiegelt Knappheit bislang nicht wider

Nach Angaben des IVM-Vorsitzenden Schmidt sind in vielen ostdeutschen Milchviehbetrieben die Futterreserven inzwischen äußerst knapp, die Grassilage des Vorjahres reiche teilweise nur noch vier bis sechs Wochen. Erste Betriebe fütterten bereits Frischgras, wohlwissend, dass diese Mengen künftig als Vorrat fehlten. Der Vorsitzende veranschlagt die Ertragserwartungen beim ersten Grasschnitt in diesem Jahr auf lediglich 50 % bis 75 % gegenüber normalen Jahren. Futterzukäufe würden schwierig, da kaum ein Betrieb noch Reserven habe. Erste Betriebe stellten bereits Überlegungen zu Bestandsreduzierungen und Futterumstellungen zu Lasten der Leistung an.

Laut Schmidt spiegelt sich die angespannte Situation auf den Betrieben bislang nicht im Markt wider. Trotz derzeit knapper Rohstoffversorgung sei der Butterpreis zuletzt gesunken. Sollte 2019 erneut wie befürchtet ein Dürrejahr werden und sich die Lage auf den Märkten nicht grundlegend verändern, werde es angesichts ohnehin steigender Produktionskosten infolge von immer mehr Auflagen zu einem beschleunigten Strukturwandel in der Milcherzeugung kommen, warnt der IVM-Vorsitzende. Konzepte von regionaler Erzeugung für die Kunden des Lebensmitteleinzelhandels „in gewachsenen und akzeptierten Strukturen“ würden sich dann sehr schnell „in Luft auflösen“. Die Interessengemeinschaft vertritt rund 40 große Milchviehbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Ost- und Nordsachsen.

Reduzierte Beregnung wirtschaftlich lohnend

Die kürzlich erfolgten Niederschläge hätten zwar den größten akuten „Durst“ der Pflanzen gestillt, räumte derweil Landvolkvizepräsident Hennies ein. Aus land- und forstwirtschaftlicher sowie gärtnerischer Sicht wäre jedoch ein ergiebigerer Landregen notwendig. Im Nordosten Niedersachsens hätten zahlreiche Landwirte die Möglichkeit der Feldberegnung. Da aber nur begrenzte Wassermengen zur Verfügung stünden, müsse der Einsatz sorgfältig überlegt werden.

Das Landvolk verwies in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen des Fachverbandes Feldberegnung, wonach jeder Landwirt bei knappen Ressourcen betriebsindividuell abwägen müsse, wo die Beregnung vorrangig zum Einsatz kommen solle. Dies sei oft bei Speisekartoffeln oder Saatgetreide der Fall; in Winterweizen- oder Zuckerrübenbeständen sei dagegen nach Versuchsergebnissen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine reduzierte Beregnung in vielen Jahren wirtschaftlich die richtige Entscheidung gewesen. Bei Getreide habe sich gezeigt, dass eine späte Beregnung häufig bessere Ergebnisse als eine frühere bringe. Aufgrund des begrenzten Mengenkontingents sei aber vielfach nur eine „Notberegnung“ möglich, mit der lediglich ein Totalausfall der Ernte verhindert werde könne.

So sieht die Einigung zur Düngeverordnung aus

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Diskussionen zum Artikel

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von Matthias Zahn

Es sie denn: der BDM schafft die Eu unter einem Hut zu bekommen und den Außenschutz zu verstärken... Viel Erfolg dabei!

Danke Herr Müller. Wir arbeiten dran.....

von Matthias Zahn

Im übrigen Herr Müller,

ist es nicht der BDM der von einer dauerhaften deutlichen Mengenreduzierung spricht sondern Sie! Der BDM fordert allenfalls eine kurzfristige Maßnahme zur Marktstabilisierung. Der auch sie eine gewisse Wirkung zuschreiben würden. Rechtzeitig reagiert würde vielleicht schon eine Beibehaltung der Menge für einen gewissen Zeitraum (ohne Reduktion) ausreichen. Also hören Sie bitte auf dem BDM Dinge in den Mund zu legen die dieser nicht fordert, nur weil ihre Vorstellungskraft über den regionalen Milchmarkt nicht hinaus reicht. Oder wollen sie jetzt ernsthaft behaupten, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage für alle gilt, nur nicht für die Milchbranche......

von Christian Kraus

Herr Müller scheint schon fast besessen vom BDM zu sein und predigt unentwegt die allseits bekannten DBV-Parolen. Fakt ist der DBV bestimmt die Politik seit Jahrzehnten maßgeblich mit, der BDM wird seit seinem Bestehen torpediert. Fakt ist die Lage der Milchbauern ist beschissen. Wenn man eins und eins zusammenzählt dann kann man nur zu dem Ergebnis kommen die DBV-Milchpolitik ist gescheitert.

von Matthias Zahn

Herr Müller,

auf welche Region bezieht sich denn dieser Satz. Mir ist nicht bekannt, dass wir europaweit eine knappe Rohstoffversorgung hätten. Oder haben sie da andere Informationen.......

von Bernd Müller

Herr Zahn

"Trotz derzeit knapper Rohstoffversorgung sei der Butterpreis zuletzt gesunken" , so steht es in dem Artikel. Wie schon so oft von mir kommentiert: eine Reduzierung der Menge kann maximal kurzfristig die Preise stabilisieren. Langfristig werden die Marktpartner sich das Produkt woanders herholen. Es sei denn, wir grenzen den Markt ein. Nur dann macht eine Reduzierung Sinn. Der einleitende Satz spiegelt diese Gesetzmäßigkeit nur wieder und ich fühle mich dadurch ein klein wenig bestätigt, aber der BDM wird ja nicht müde das Gegenteil zu behaupten und sie meinen diese aushebeln zu können. Es sie denn: der BDM schafft die Eu unter einem Hut zu bekommen und den Außenschutz zu verstärken... Viel Erfolg dabei!

von Matthias Zahn

Herr Müller,

dann kann ich ihnen nicht ganz folgen...... Ich fasse meine Einschätzung mal zusammen. Wir haben lokal gesehen reduzierte Milchanlieferungen, während EU weit die Menge relativ stabil ist. Nebenbei ist unklar wieviel der Pulvermenge aus der Intervention immer noch im Lager liegt auch wenn sie den Besitzer gewechselt hat. Es sind also bis vor zwei Wochen keine nennenswerten Mengenrückgänge zu verzeichnen. Weder Weltweit noch EU weit. Ergo, warum sollte der Milchpreis steigen? Ich bin selbst überrascht, dass wir Milchbauern diese Dürre aus 2018 Mengenmäßig so gut kompensieren konnten. Was sie nun dazu bewogen hat, diesen Artikel einer Regionalen Entwicklung mit dem EU weiten BDM Krisenmanagement Programm zu verbinden erschließt sich mir nicht. Sie scheinen ja geradezu bessesen vom BDM zu sein.........

von Bernd Müller

Herr Zahn

Habe auch nicht geschrieben, dass etwas vom BDM drinnen steht...

von Matthias Zahn

Hab ich gemacht Herr Müller,

steht nix vom BDM drin.....

von Bernd Müller

Herr Zahn

Lesen Sie sich den Artikel doch mal richtig durch...

von Gerd Uken

Jetzt noch die positive Meldung

Laut Emma Higgins wird der Milchpreis in Neuseeland auf durchschnittlich 37 Cent steigen. Die erhöhte Nachfrage aus China, die fehlende Steigerung der Milchmenge in den USA u. der Trockenheit führen dazu..... NZ steigerte die Produktion um 4,4% in der laufenden Saison. 95% ihrer Milch muss exportiert werden. Das kann doch nur bedeuten das bei uns der Milchpreis ganz von alleine auch auf 39 Cent steigen müsste wenn auch erst Ende des Jahres oder Anfang 2020

von Gerhard Steffek

@Willi Toft -

"wir möchten doch gerne auch mal partizipieren". Das Problem liegt bei LIDL und Co. Wie es schon die Werbung von LIDL verspricht: "Wir halten die Preise billig".

von Willy Toft

Dürre ist Unternehmerrisiko, und der ungerechte Milchmarkt auch!

Aus Europa heraus werden wir nie den Weltmarkt wirklich beeinflussen, nur wir möchten doch gerne auch mal partizipieren, wenn die Preise auf dem Weltmarkt höher sind, wie bei uns! Durch geringere Ernten und erhöhten Futter Aufwendungen, sollten wir gerne 5 cent/l mehr erlösen, nur unser, auf Billigpreisen fokussierter Markt gibt es nicht her. Alle Lebensgrundlagen in DE werden ständig teurer, nur am Essen und Trinken wird gespart, damit der Konsum für die anderen Wirtschaftszweige bleibt. Wer will das Ernsthaft für die Landwirtschaft verbessern?

von Gerd Uken

Im Osten ist es wohl noch gravierender

Als bei uns...... Warum nehmen unsere Molkereien jetzt zum Mai die Milchpreise zurück- der Markt gibt es doch her oder hat man jetzt den heimischen Markt überflutet? http://www.iv-milch.de/

von Matthias Zahn

Derzeit noch keine Milchknappheit

In den letzten Monaten lagen die Milchanlieferungen in etwa auf der Höhe des Vorjahres. Eine kleine Unterschreitung der Vorjahresmenge setzt erst seit kurzem ein. Die Milchpulverbestände sind zwar verkauft, aber sind sie auch schon verbraucht? Wer nun schon wieder gegen den BDM schießt betreibt nur denunzierenden Populismus. Schade für diesen unsachlichen Beitrag Herr Müller....

von Alois Riedl

„Markt spiegelt Knappheit nicht wieder“

Kein Problem. Der DBV sagt: "Melken um des Melkens willen. Der Preis ist doch sch...egal!"

von Bernd Müller

„Markt spiegelt Knappheit nicht wieder“

Kein Problem. Der BDM sagt: „ Menge weiter reduzieren, dann steigt der Preis schon“

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