Warum vorzeitig aus der Kastration aussteigen? Premium

Einige Lebensmittelhändler wollen schon ab 2017 kein Fleisch mehr von unbetäubt kastrierten Schweinen verkaufen. Was bezwecken sie damit? top agrar sprach mit Vertretern der Rewe Group und von Kaufland.

Gesetzlich ist die betäubungslose Kas-tration ab 2019 verboten. Warum greift die Rewe-Group dem Gesetzgeber ohne Not zwei Jahre vor?

Breloh: Wir erheben diesen Anspruch, ab dem Januar 2017 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Schweinen abzunehmen, nur für unsere Fleisch-Eigenmarken. Wir wollen damit ein Zeichen setzen. Denn wichtige Vermarktungspartner wie das Metzgerhandwerk und die Systemgastronomie sind beim Thema Kastrationsalternativen zum Teil noch sehr zurückhaltend.

Man kann das Problem aber nicht aussitzen. Die gesetzliche Frist wird über 2019 hinaus nicht verlängert. Wenn die gesamte Branche jetzt nicht aktiver wird, kann es 2019 zu einem gewaltigen Strukturbruch kommen, weil viele Mäster kastrierte Ferkel aus dem Ausland importieren. Die deutschen Sauenhalter bleiben dann womöglich auf ihren Ferkeln sitzen.

Welchen Termin strebt Kaufland an?

Dausch: Wir streben den frühestmöglichen Termin an. Dadurch wollen wir Orientierung und Planungssicherheit an die Vorstufen geben und mit dazu beitragen, den gesetzlich vorgegebenen Termin 2019 sicher zu erreichen.

Warum veranstalten Sie einen Wettlauf um den schnellsten Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration? Ist das ein so großer Wettbewerbsvorteil im Kampf um den Kunden?

Dausch: Das Ziel muss sein, die gesetzlichen Termine sicher und ohne Qualitäts- bzw. Imageeinbußen zu bewältigen. Es geht um keinen Wettbewerbsvorteil. Es geht erstens um aktives Tierwohl, wenn auf eine schmerzhafte Kastration verzichtet werden kann. Und zweitens erwartet der Verbraucher, dass alle notwendigen Schritte unternommen werden, um Tierwohl so früh wie möglich anzuwenden und umzusetzen.

Welche Alternativen zur Vermeidung des Ebergeruchs werden Sie akzeptieren?

Breloh: Es gibt drei Verfahren, die gesetzeskonform sind. Das erste ist die Ebermast. Das zweite die Impfung mit Improvac gegen Ebergeruch. Und das dritte Verfahren ist die chirurgische Kastration bei entsprechender Betäubung der Tiere. Alle drei Verfahren werden wir gleichrangig nebeneinander akzeptieren. Wir wollen die Möglichkeiten nicht weiter einschränken. Jeder Landwirt soll zusammen mit seinem Vermarktungspartner die für sich passende Lösung finden.

Ist die Impfung gegen Ebergeruch auch für Kaufland eine gleichwertige Alternative?

Dausch: Wir setzen aktuell auf die zwei Varianten Ebermast und Betäubung. Erkenntnisse aus Verbrauchersicht zur Immunokastration stehen noch aus. Der QS-Wissenschaftsfonds führt gerade eine Umfrage zur Verbraucherakzeptanz durch. Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir die Sachlage neu bewerten.

Werden Sie das Fleisch von männlichen Schweinen künftig kennzeichnen, je nachdem, ob es aus der Ebermast, von Improvac-geimpften oder betäubt kastrierten Tieren stammt?

Breloh: Nein. Wir haben ja auch heute keine unterschiedliche Kennzeichnung für weibliche Mastschweine und Börge. Und wir werden auch in ...

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