Bericht

Deutliche Antibiotika-Reduzierung bei Schweinen, noch Potenzial bei Geflügel und Kälbern Premium

Die deutschen Schweinehalter haben zwischen 2014 und 2017 rund 43 % weniger Antibiotika eingesetzt. Laut einem Bericht des BMEL wurden die Erwartungen damit aber nicht erfüllt.

Der Einsatz von Antibiotika bei Mastferkeln und Mastschweinen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, bei anderen Masttieren jedoch kaum. Das geht aus einem bislang internen Evaluierungsbericht hervor, der NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) vorliegt.

Laut dem Bericht ist der Antibiotika-Einsatz bei Mastferkeln und -schweinen innerhalb von drei Jahren um mehr als 40 Prozent beziehungsweise um insgesamt etwa 90 Tonnen (Mastferkel: 2. Halbjahr 2014: 87,5 t + 2. Halbjahr 2017: 47,2 t / Mastschweine: 2. Hj. 2014: 115,0 t + 2. Hj. 2017: 65,2 t) zurückgegangen.

Dagegen blieben die Verbrauchsmengen bei Hühnern, Puten und Rindern "nahezu unverändert", stellt der Bericht fest (Masthühner: 2. Hj. 2014: 29,7 t + 2. Hj. 2017: 29,5 t / Mastputen: 2. Hj. 2014: 38,1 t + 2. Hj. 2017: 36,7 t / Mastkälber: 2. Hj. 2014: 26,0 t + 2. Hj. 2017: 25,0 t / Mastrinder: 2. Hj. 2014: 1,7 t + 2. Hj. 2017: 0,4 t).

In der Tagesschau wurde diese Erfolgsmeldung allerdings als Versagen von Politik und Landwirtschaft dargestellt. So kritisierten Grünen-Agrarsprecher Friedrich Ostendorff und Bundesärztekammerpräsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, dass die Bauern immer noch viel zu viel Reserverantibiotika einsetzen. Die Rolle der Humanmedizin oder deren fehlendes Erfassungssystem fanden keine Erwähnung.

Erwartungen des Gesetzes nicht erfüllt

Seit der Gesetzesänderung müssen Landwirte, die eine Mindestzahl an Mastkälbern, Mastrindern, Mastschweinen, Masthühnern oder Mastputen halten, alle sechs Monate ihre Antibiotika-Einsätze melden. Wer deutlich über dem Durchschnitt liegt, kann von den Behörden dazu verpflichtet werden, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, etwa die Haltung zu verbessern.

Bei ...

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Das alte Lied - es ist nie genug!!!! Ein Punkt, der doch schon vor der Verabschiedung der Antibiotikaminimierungsaktion klar war. Da kann sich ein jeder anstrengen so viel er will. Der Kleriker Freidank erkannte schon im 13. Jhd.: "Ein falscher Mann denkt immer schlecht von andern, tun sie noch so recht". So auch hier! Wie sollten sie auch, sie würden ja ansonsten selber als Lügenbolde dastehen. Hier bewahrheitet sich dann auch wieder sehr schnell das eine Lüge drei andere gebiert. Tatsächlich könnte man doch auch anders, positiv, argumentieren und sich vielleicht die Frage stellen, ob nicht schon in der Vergangenheit der Umgang mit Antibiotika entsprechend maßvoll und verantwortlich vonstatten ging, da ja jetzt offensichtlich wird das in gewissen Bereichen keine, oder nur unwesentliche, Reduktion der Aufwandmenge möglich war. Aber wie schon gesagt: "Ein falscher Mensch.....

von Norbert Scheppach

Problem bekannt

Der Schaden, den die prophilaktische Verabreichung von Antibiotika und der unbedachte Einsatz besonders in Hinblick auf die Humanmedizin verursacht, ist hinlänglich bekannt. Der Einsatz von Antibiotika muss also drastisch reduziert werden, also quasi auf 0. Lediglich durch explizite medizinische Indikation ist eine Verabreichung zu rechtfertigen. Das ist die Herausforderung. Gegenseitiges Bashing hilft da nicht. Ebensowenig helfen Rechtfertigungen. Die Landwirtschaft insgesamt muss hier schnellstens eine tragfähige Antwort finden. Evident scheint, dass größere Tieransammlungen ein höheres Gesundheitsrisiko bergen (allein schon aus statistischen Gründen und wegen des potentiell größeren Schadens). Ebenso ist mangelndes Hygiene-Management immer noch ein Thema. Das trifft letztlich alle Tierhalter, egal wie sie arbeiten. Abwiegelungen oder gegenseitige Schuldzuweisungen führen letztlich dazu, dass erst die Verbraucher und dann vielleicht irgendwann die Politik sich abwenden oder einfach ihre Regeln definieren. Die Reichsnährstands-Schutzzone für die Landwirtschaft existiert nicht mehr!

von Gerd Woertel

Ärgerlich

Das Fleisch das aus Südamerika wird vermutlich kaum untersucht, wir wollen ja Autos verkaufen , hinter vorgehaltener Hand hört man das dort noch Sachen verabreicht werden die hier schon vierzig Jahre verboten sind . Aber das interessiert unsere und die Eu Behörden ja nicht. Traurig

von Matthias Frieß

ohne Worte...

https://www.n-tv.de/wissen/Millionen-bekommen-gefaehrliche-Antibiotika-article21054806.html

von Bernd Müller

Die Gesundheit

Der Tiere hat nichts mit der Bestandesgröße zu tun. Das ist ja nun schon mehrfach bewiesen. Im Gegenteil: in der ökologischen Haltung sind die Verluste um ein Vielfaches höher! Wiedermacht reiner Ökopopulismus!

von Anton Obermeier

Große Betriebe

Unser örtlicher Biobauer hält Zuchtsauen und mästet die Ferkel selbst. Nach seien Angaben verkauft er wöchentlich ca. 5 Mastschweine. Man kann also kaum von einem großen Betrieb sprechen. Als ich einmal zu Gast bei ihm war klingelte es an der Tür und er bat mich zu öffnen. Vor der Tür stand der Tierarzt und drückte mir einen 10 kg- Sack Fütterungsantibiotikum in die Hand. Als ich dem Biobauern den Abgabebeleg überreichte lies er ihn verschämt in seiner Hosentasche verschwinden. So viel zum Thema nur große Betriebe würden Antibiotika brauchen. Dass sich die Biobranche immer rühmt eben keine Antibiotika zu brauchen setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf.

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