AMK

Ferkelkastration: Agrarminister drängen auf Suche nach Alternativen

Die deutschen Agrarminister erinnern den Bund an seine Berichtspflicht zu den Fortschritten bei der Ferkelkastration. Bis Herbst müsse schriftlich vorliegen, wie die Gespräche mit Unternehmen, Schlachtbranche und Lebensmitteleinzelhandel laufen und welche Umsetzungsfortschritte erreicht wurden. Zudem müsse es Fortschritte bei Forschung und Ebermast geben.

Die Agrarminister der Länder haben bei ihrem Treffen vergangene Woche in Landau betont, dass die neue Übergangsfrist für das Kastrieren von Ferkeln ohne Betäubung genutzt werden muss, um unverzüglich die vorhandenen Alternativen in der Branche zu etablieren. Sie erinnern den Bund in diesem Zusammenhang an den Beschluss der letzten Amtschefkonferenz aus dem Januar, dass es bis zur nächsten AMK im Herbst einen Bericht über den Stand der Gespräche mit Unternehmen, der Schlachtbranche und des Lebensmitteleinzelhandels im Hinblick auf die Unterstützung der vorhandenen Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration geben muss.

Weiterhin bitten die Minister den Bund, die schnellstmögliche Umsetzung der tierschutzgerechten Alternativen in die Praxis flächendeckend zu unterstützen und regelmäßig schriftlich über die Umsetzungsfortschritte und Initiativen zu berichten. Der Bund müsse sich zudem gegenüber der Branche für die Ebermast und Ebermast mit Immunokastration als Alternative zur Ferkelkastration einsetzen. Bis zum Herbst müssten dazu konkrete Maßnahmen benannt werden, heißt es im Abschlussoprotokoll der AMK.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Paul Siewecke

Wäre ich Bundestagsabgeordneter....

ich hätte den AfD-Antrag auch ablehnen MÜSSEN! Alleine die Festlegung auf Lidocain als Anästhetikum bedeutet fachlich schon das Aus für den Antrag: In Gesetzen werden keine Präparate namentlich genannt, um einer Monopolstellung eines Pharmaunternehmens vorzubeugen. So aber kann der klar denkende Mensch diesen Antrag nur ablehnen, so sehr man die Lokalanästhesie auch befürwortet... Für jeden, der nachlesen möchte: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw48-de-tierschutzgesetz-580094

von Stefan Rothlehner

Jaja Herr Protschka ...

... und im Wahlprogramm der AfD für Bayern 2018 stand drin sie wollen das Schwanzkupieren beim Ferkel abschaffen (sowie alle nicht kurative Eingriffe, das wäre ja dann doch das Kastrieren auch oder lege ich das falsch aus?)!! Beim Kastrieren den Heiligen Samariter spielen und beim Kupieren kuscheln sie mit den Grünen. Sowas nennt man Unglaubwürdigkeit!

von Protschka AfD Fraktion

Lokalanästhesie bester Weg für Mensch & Tier

Die AfD hatte aus diesen Gründen Anfang November einen Antrag (19/5533) zur Ermöglichung der Lokalanästhesie bei Ferkelkastrationen in den Bundestag gebracht. Die Bundesregierung wurde darin aufgefordert, unverzüglich auf eine arzneimittelrechtliche Genehmigung das Lokalanästhetikums Lidocain für die Indikation der Kastration beim Schwein hinzuwirken, da die deutschen Schweinehalter Planungssicherheit bräuchten und andernfalls ein Strukturbruch in der Branche drohe, wenn die geplante Fristverlängerung für die Erlaubnis der Kastration ohne Betäubung um zwei Jahre durch die Regierungskoalition nicht für einen Aufschub sorge. Darüber hinaus sollte die Regierung die Genehmigung erteilen, dass Landwirte bei Nachweis entsprechender Sachkunde die Kastration mittels Lokalanästhesie selber durchführen dürfen. Der Antrag wurde von CDU/CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Grüne und Linke abgelehnt. Das sagt doch einfach alles.

von Jens Haman

@ Paul Siewecke,

ihr Kommentar ist in meinen Augen ein absoluter Volltreffer. Der "Schiedsrichter Politik" wird dem NGO-gesteuerten Mainstream hinterherlaufen, weil da einfach mehr Wählerstimmen zu ergattern sind. Es wird laufen wie immer. So einen netten Begriff wie "unsportlich" bekomme ich nicht hin, darum behalte ich meine Kommentargedanken zur Politik für mich.

von Paul Siewecke

@ Norbert Post, im Prinzip ja, aber...

sicher, mit maximal 80 Kg zu vermarkten brächte den Vorteil, dass die meisten Eber noch nicht geschlechtsreif sind und damit (meistens!) fast nicht stinken... Es gibt allerdings auch etwas langsamer wachsende Ausnahmen, die bereits bei weniger Gewicht soweit sind. Auch können einige der Jungeber schon früher pubertieren, was dann zu schweren Rangkämpfen führt (sehr oft!) und unnötiges Tierleid und auch hohe wirtschaftliche Schäden für den Mäster verursacht. Auch hat man nicht zuletzt wegen der Wirtschaftlichkeit die ganze Produktions- und Schlachtkette auf ein Endgewicht von 110-120 Kg ausgerichtet: die Schweine haben noch ausreichend Tageszunahmen an Muskelfleisch und verfetten noch nicht zu stark. Einen Schlachttermin etwa 40 Kilo früher wäre Verschwendung und damit als unethisch abzulehnen. Auch die Schlachtunternehmen werden sich überlegen, eine auf die bisherige Größe ausgelegte Schlachttechnik umzurüsten oder einfach nur Sauen zu schlachten... Herr Bauer hat es im Kommentar gut auf den Punkt gebracht, Mäster und die meisten Tierärzte sind für die Lokalanästhesie: der Mäster ist auf der sicheren Seite (keine Stinker oder "Impfversager" und dem Tierarzt ist es egal ob Anesthetikum oder Improvac verkauft wird, Marge hat er an beidem... Leider scheint es in der Politik etliche Improvac-Lobbyisten zu geben, die funktionierende Wege der Kastration blockieren (das "Problem" aussitzen) und zugelassene aber risikobehaftete Wege (Ebermast, Vollnarkose mit Isofluran) als Alternative ("3 Möglichkeiten sind schließlich mehr als genug, wozu den 4.Weg?") hinstellen. Man spielt eindeutig auf Zeit und Zeitspiel ist einfach unsportlich, um es mal nett auszudrücken....

von Adolf Bauer

Das Problem ist

dass sich niemand mit den normalen Ferkelerzeugern befasst. Wohlwissend, dass die Ebermast, aus bekannten Gründen, keine flächendeckende Zukunft hat, meinen einige Großerzeuger, den Markt durch Lippenbekenntnisse zu Nichtkastration und evtl. Improvac unter sich aufteilen zu können. Eine bauernverbandumfrage in Bayern unter 889 Zuchtsauenhaltern u n d 777 praktizierenden Tierärzten ergibt ein ganz anderes Bild: 97 % der Landwirte und 95 % der Tierärzte stimmten für eine örtliche Betäubung, d.h. 4. Weg. Ist es so schwer zu verstehen, dass in allen Fleischverkaufsformen, ausser der industriellen Verarbeitung , Ebergeruch zu immensen Einbrüchen führt ? Und selbst die Fleischindustrie verdreht die Augen , wenn über Ebermast gesprochen wird. Wo ist der Politiker, der Fakten vertritt und keinen Pseudotierschützern hinterherläuft ?

von Norbert Post

Wo ist das Problem

Ich würde die am liebsten gar nicht mehr kastrieren Lasst uns die Schweine als 82 kg Schweine las " junges Schwein" clever vermarkten. Geruchsfrei sind sie dann noch, das Fleisch ist eine Delikatesse. Nebeneffekt: Das Angebot an Schweinefleisch fällt, der Preis steigt. Es ist ganz einfach neue Wege zu gehen. Die ganzen Wege 1, 2, 3 , 4,5 oder 6. Weg ist doch alles Blösdinn. Es weiß doch keine mehr was damit letzendlich gemeint ist. Isofluran ist ein Nervengift wo sich nicht einmal die Tierärzte herantrauen, aber wir... ist klar

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