ISN-Schlachthofranking 2018

Rückläufige Mengen, geringe Margen

Der Markt für Schweinefleisch in Deutschland schrumpft. Das belegt das neueste ISN-Schlachthofranking deutlich. Wachstum in Form von mehr Schweineschlachtungen gelang im abgelaufenen Jahr kaum einem Unternehmen.

Marktführer Tönnies konnte die Schlachtzahlen des vergangenen Jahres trotz des gesunkenen Angebots auf dem deutschen Markt halten und seinen Marktanteil dadurch auf fast 30 % ausbauen, hat die ISN recherchiert. Aber auch in Rheda spüre man die Grenzen des Wachstums. Während der Standort in Schleswig-Holstein nach dem Ausbau zulegen konnte, würden die übrigen Standorte stagnieren.

Investiert werde bei Tönnies aktuell nicht in Schlachthaken, stattdessen würden die Verarbeitungskapazitäten modernisiert. In den für die Wursthersteller wirtschaftlich katastrophal gelaufenen Jahren 2016 und 2017 habe Tönnies einige Unternehmen zugekauft. Diese stünden jetzt auf dem Prüfstand und würden entweder modernisiert oder geschlossen.

Vion lässt Federn

Auf Platz zwei des ISN-Schlachthofrankings steht das niederländische Unternehmen Vion. Die Schlachtungen seien hier immerhin um rund eine halbe Million Schweine auf noch 8 Mio. Stück zurückgegangen. Dabei werde deutlich, wie schwierig das Jahr für Vion gelaufen sei. Der Preisdruck auf den wichtigsten Märkten in Asien und Europa sei enorm gewesen. Das habe die Niederländer dazu bewogen, zurückhaltender im Einkauf zu agieren und immer wieder mit Hauspreisen aufzufallen.

Im Rahmen des Good-farming-balance-Programms versuche Vion, deutsche Schweinehalter mit speziellen Abrechnungsmasken vertraglich an das Unternehmen zu binden. So versuche das Unternehmen, eine nachfrageorientierte Lieferkette aufzubauen.

Westfleisch mit Plänen

Bei der Westfleisch zeige man sich trotz der niedrigen Preise mit den Ergebnissen des abgelaufenen Jahres 2018 im Großen und Ganzen zufrieden. Dabei würden die Schlachtzahlen im Vergleich zu 2017 auch hier ein dickes Minus ausweisen. Nach Westfleisch-Angaben sei dieses aber das Resultat gesunkener Lohnschlachtungen, die eigenen Betriebe würden dagegen sogar 1,6 % mehr schlachten.

In Münster hege man große Pläne für die Zukunft, so die ISN. Die Westfleisch-Standorte sollen grundlegend modernisiert und insbesondere das Werk in Oer-Erkenschwick erweitert werden.

Sandwichposition auf Platz 4 bis 10

Die Unternehmen auf Platz 4 bis 10 des Schlachthofrankings konnten ihre Marktanteile nach ISN-Angaben überwiegend halten oder sogar noch ausbauen. Einzig bei der Willms-Gruppe sei nach den Wachstumsraten der Vorjahre ein etwas höherer Rückgang der Schlachtzahlen zu verzeichnen gewesen.

Die Stimmung im Mittelstand schwanke zwischen Zuversicht und Zukunftsangst. Die meisten Unternehmen hätten ihre Kosten im Griff und konnten in den vergangenen Jahren positive Renditen erwirtschaften. Beispielhaft könne man hier Simon-Fleisch und das Unternehmen Manten nennen.

Rückläufige Schweinebestände, ein extrem angespannter Arbeitsmarkt mit steigenden Löhnen, die Konkurrenz aus dem Ausland und nicht zuletzt die Marktmacht des deutschen Lebensmitteleinzelhandels würden dem Mittelstand jedoch mehr und mehr zu schaffen machen.

ASP bestimmt den Markt

„Aktuell gibt es nur ein Thema in der Branche: China!“, kommentiert ISN-Marktexperte Matthias Quaing die aktuelle Stimmungslage. „Die Afrikanische Schweinepest scheint dort außer Kontrolle. Der Asienexport ist Preistreiber Nummer eins und lässt die globalen Fleischpreise sprunghaft steigen. Unternehmen ohne gültige China-Lizenz könnten ins Hintertreffen geraten“, erwartet Quaing einen verschärften Konkurrenzkampf.

Die plötzlich steigenden Rohstoffpreise bringen insbesondere viele mittelständisch geprägte Fleischverarbeiter und Wursthersteller in existentielle Schwierigkeiten, vermutet Quaing. Die Rechnung gehe am Ende nur auf, wenn der Lebensmitteleinzelhandel die steigenden Preise möglichst umgehend an den Verbraucher weitergebe. „Ansonsten wird der Strukturwandel in der Fleischwirtschaft 2019 noch einmal spürbar angeheizt!“, vermutet ISN-Marktexperte Quaing.

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Artikel geschrieben von

Henning Lehnert

Redakteur Schweinehaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Adolf Bauer

Steigende Rohstoffpreise

Mein Mitleid mit den mittelständischen Verarbeiten hält sich in sehr engen Grenzen. Wir sollen dreiviertel der Zeit zu niedrigsten Preisen produzieren und nur wenn diese Verarbeiter Angst bekommen, Schweine könnten knapp werden, bekommen wir ein Zuckerl, damit nicht alle aufgeben und ein paar Verrückte vielleicht sogar noch investieren. Im Umkehrschluss hat die Fleischindustrie dreiviertel der Zeit niedrigste Rohstoffpreise und macht sich die Taschen voll.

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