Kommentar

Sauenhaltung: Ein Ende mit Schrecken?

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will die Haltung in Deckzentrum und Abferkelstall neu regeln. Der Verordnungsentwurf bietet den Sauenhaltern zwar Rechtssicherheit, aber keine Perspektive.

Ein Kommentar von Gerburgis Brosthaus vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Bauanträge, die auf Eis liegen, übereifrige Kreisveterinäre, die Sauenhaltern einen Strick aus der Kastenstandbreite im Deckzentrum drehen. Seit dem Kastenstand-Urteil des Oberverwaltungsgerichts Sachsen-Anhalt vor über drei Jahren gibt es keine verlässlichen Rahmenbedingungen für die Sauenhaltung. Deshalb sind Ferkelerzeuger erleichtert, wenn Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit ihrem Entwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung endlich für Rechtssicherheit sorgt.

Hohe Kosten, aber weniger Gewinn

Doch was nutzt Rechtssicherheit ohne Perspektive? Experten rechnen damit, dass die Ferkel­erzeuger 30 bis 40 % ihres Bestands verlieren, wenn sie ihre Ställe nach den neuen Regeln umbauen. Das bedeutet: Sie müssen viel Geld in die Hand nehmen, um am Ende weniger Ferkel zu erzeugen und deutlich weniger Gewinn zu erzielen. Welcher Unternehmer ist denn so dumm?

Zudem passt die geforderte Standlänge von 2,20 m in kein Achsmaß heutiger Sauenställe. Es reicht nicht, oberirdisch umzubauen. Auch der Güllekeller muss angepackt werden. Will der Landwirt die verlorenen Plätze neu bauen, ist die notwendige Baugenehmigung keineswegs sicher.

Große Buchten, höhere Ferkelverluste

Und dann die Vorgaben zum Abferkelbereich: Was hat die Ministerin geritten, ohne Not eine freie Bewegungsfläche von 5 m² festzuschreiben? Tierschutz kann es nicht gewesen sein. Große Buchten führen zu höheren Ferkelverlusten. Das zeigen Versuche, die das Bundesministerium selbst gefördert hat.

Insgesamt wird durch die 5 m² Bewegungsfläche ein Buchtenmaß von 8 m²/Sau erforderlich. Eine Bucht dieser Größe gab es auf der EuroTier nicht. Österreich, wo Bewegungsbuchten ab dem Jahr 2033 Pflicht werden, fordert gerade mal 5,5 m².

Völlig im Regen stehen die Sauenhalter, die in den letzten Jahren ohne gesetzlichen Zwang Bewegungsbuchten eingebaut haben. Diese sind im Schnitt etwa 6,5 m² groß mit maximal 3,5 m² Bewegungsfläche. Brandneu, aber nach Klöckners Maßstäben ein Sanierungsfall. Diese Buchten sind aus dem offiziellen AFP-Programm gefördert worden. Da lag die Messlatte bei 6 m² Buchtenfläche.

Explodierende Kosten

Vollends utopisch wird es bei den Kosten. Während die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) 3,5 Mrd. € Baukosten veranschlagt, rechnet das Ministerium die Summe auf 713 Mio. € klein. Dabei ist anscheinend einkalkuliert, dass 1 Mio. Sauen innerhalb der Übergangsfrist aufgegeben werden – mehr als die Hälfte des heutigen Bestands von 1,8 Mio. Sauen.

Den finanziellen Kraftakt können ohnehin nur Großbetriebe leisten, nicht aber der viel beschworene Familienbetrieb. Angesichts der ungelösten Fragen bei Kastration und Kupierverzicht werden viele sich für den Ausstieg entscheiden. Julia Klöckner hat mit 15 Jahren Übergangsfrist das Enddatum gesetzt – das Jahr 2031.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Thiel

Merkwürdig...

Immer wenn es den Anschein macht, das irgendwas (hier Schweineproduktion)mal laaangsam besser laufen könnte, wird schon wieder versucht,das kleinste Fünkchen Hoffnung im Keim zu ersticken

von Norbert Post

Lamentieren

Wir müssen endlich mal aufhören zu lamentieren. Es geht einem ja auf den Keks ständig dies Gejammere zu hören. Wir müssen uns weiterentwickeln und das fängt zuerst im Kopf an. Wir müssen aufhören abzuliefern und uns wieder Selbstbewusstsein und Stolz zurückholen. Wir Bauern waren immer eine stolze Gruppe nur man hat es uns genommen. Das haben welchen getan, die selbst nichts auch gar nichts mitbringen und noch nie in den Spiegel geguckt haben. Es wird Zeit dass wir unsere Landwirtschaft wieder in die Hand nehmen und zwar selbst, man hat doch gesehen in was uns die vermeintlichen Berater und genossenschaftlichen Freunde gebracht haben. Wir müssen uns davon befreien und die Chancen ergreifen und nicht jammern und lamentieren, liebe Frau Brosthaus. Man kann es nicht mehr hören!

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Haben die Schweinehalter überhaupt eine Perspektive in Deutschland?

Durch diese Änderung der Verordnung hätten die allermeisten Sauenhalter genügend Zeit sich auf einen geordneten Ausstieg vorzubereiten. Wir dürfen die Augen nicht vor den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschließen. In Deutschland sind die Kosten jetzt schon hoch und das wird nicht besser. Auch wenn wir den Überbringer schlechter Nachrichten, wie früher, köpfen, wird die Nachricht nicht gut.

von Christoph Schulte Tüns

Schweinehaltung in Deutschland

In 15 Jahren wird das letzte deutsche Ferkel symbolisch dem Bundespräsidenten Anton Hofreiter in einer herzzerreißenden Zeremonie übergeben, so wie bei der Kohle ! Dann kommt noch eine nette Rede vom fleißigen Bauer und wenn die Kamera aus ist lachen sich alle kaputt und genießen ihren Biobraten aus Aserbaidschan!

von Willy Toft

So kann man auch die Ferkelerzeugung in DE beenden!

Die Auflagen erhöhen, die Betriebe zu Investitionen zwingen, um nachher weniger Ferkel zu erzeugen. Wer will sich das antun? Dazu noch die Unwägbarkeiten bei dem Genehmigungsverfahren, und der Marktpreis steigt auch nicht deshalb in die Höhe! Herrliche Aussichten für die Ferkelerzeuger, dann kommen die Ferkel wohl in Zukunft aus den anderen EU- Ländern.......

von Ahrend Höper

CDU agrar Politik gegen Sauenhalter!

Alfons Deter hat heute Gerburgis Brosthaus Artikel aus dem vom Wochenblatt hier veröffentlicht.Auch bei diesem Fall wird eindeutig klar, dass den deutschen konventionellen Sauenhaltern durch sinnlose politische Vorgaben unter dem Deckmantel Tierschutz die Lust und die Möglichkeiten der Ferkelproduktion genommen werden soll. Auch hier passen meine Ausführungen von vor 3 Tagen: Vielleicht ist es ihnen entgangen, dass der Mainstream der deutschen amtierenden Politiker gegen heimische Agrarwirtschaft eingestellt ist, mit einer Ausnahme:"ÖKO Bauern". Konventionelle Landwirte sollen mit aller politischer Macht zurückgedrängt werden. Da ist jedes Mittel recht von Mobbing der Landwirtskinder in der Schule, beleidigende, hergesuchte, unqualifizierte Beschimpfungen der Landwirte von BUND und NABU als Schuldige für den Verlust der Artenvielfalt, abstruse "Düngeverordnung" sowie Verbote für wirksame Pflanzenschutzmittel im Ackerbau und Medikamente in der Nutztierhaltung. Nicht zu vergessen, dass es gesetzlich erlaubt ist nachts in Ställe einzubrechen usw. Es ist ein klar erkennbares, abgekartetes Spiel der amtierenden Politiker mit den NGO´s die einheimische, konventionelle Landwirtschaft massiv unter Druck zu setzen.

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