Anbindehaltung: Bauernverband und Molkereien suchen gemeinsam nach Lösungen

Der Bayerische Bauernverband und milch.bayern, der Dachverband der bayerischen Molkereien, haben diese Woche überraschend eine gemeinsame Pressemitteilung zur Weiterentwicklung der Milchviehhaltung in Bayern veröffentlicht. Vorausgegangen war ein heftiger Streit um das Thema Anbindehaltung.

Die süddeutschen Molkereiverbände hatten kurz vor Weihnachten erklärt, einen Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung bis 2030 hin zu einer Laufstall- bzw. Kombinationshaltung anzustreben. Der Bayerische Bauernverband kritisierte jedoch diese Fristsetzung und warnte vor einem Strukturbruch, weil noch 50 % der bayerischen Milchviehhalter ihre Kühe in Anbindung halten, davon wiederum 80 % ganzjährig.

Die beiden Verbände weisen in Ihrer Erklärung darauf hin, dass aktuell vor allem kleinere und mittlere Familienbetriebe Milch in Anbindehaltung erzeugen. Diese bewirtschafteten oft Grenzstandorte und kleinteilige Grünlandflächen, die einen hohen ökologischen Wert haben. Damit leisteten sie einen aktiven Beitrag zum Klima- und Bodenschutz, aber auch zum Erhalt der Artenvielfalt.

Weil das Thema Tierwohl in den Fokus von Gesellschaft und Marktakteuren gerückt sei und die ganzjährige Anbindehaltung auf den Prüfstand stellen, hätten sich der Bayerische Bauernverband und milch.bayern daher dazu entschlossen, diese Herausforderung gemeinsam anzugehen.

Wörtlich heißt es in der Erklärung, in der kein Termin für einen Ausstieg genannt ist, weiter:

„Beide Verbände sehen die Aufgabe, den Weg der Weiterentwicklung in der Milchviehhaltung in Bayern zu begleiten und voranzubringen sowie neue Denkansätze anzustoßen. Hierbei gilt es, zur Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz das Tierwohl in der Milchviehhaltung weiter auszubauen. Gleichzeitig kommt es darauf an, den Milchstandort Bayern zu erhalten und einen Strukturbruch gerade bei den kleineren bäuerlichen Familienbetrieben zu verhindern.

Das Ziel von Bayerischem Bauernverband und milch.bayern ist es, gemeinsam ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, um Milcherzeuger auf ihrem Weg von der ganzjährigen Anbindehaltung in zukunftsfähige Modelle zu begleiten und unterstützen. Zukunftsfähig ist dabei neben der Laufstallhaltung auch die so genannte Kombinationshaltung, die aber noch genauer zu beschreiben ist. Um hier eine praxisorientierte aber auch nachhaltige Lösung im Sinne aller Beteiligten zu finden, werden in den nächsten Wochen weitere Gespräche stattfinden.“

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Erich Draxinger

Verbot der Anbindehaltung

Wie soll eine Umstellung noch möglich sein ?

von Erich Draxinger

Verbot der Anbindehaltung

von Gerd Uken

Die Geister die ich rief werd ich nicht mehr los

Was meinen die Molkereien und der BBV denn ? Hier schmeißen ja schon Betriebe hin wenn der Landkreis keine SJG an alter Hofstelle genehmigen und die Betriebsleiter zum aussiedeln bewegen wollen. Das Geld muss ja auch verdient werden. Das Ganze heizt den Strukturwandel nur zusätzlich an. Der BBV täte gut daran sich weiterhin hinter die kleinstrukturierten Betriebe zu stellen denn die sind für Artenvielfalt und Tourismus unerlässlich. Bei uns verschwinden ja auch immer mehr Kühe von der Weide!

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