Ernte 2019

Badische Getreideernte über Durchschnitt

Die Hauptgenossenschaft ZG Raiffeisen aus Karsruhe meldet gute Witterung und Erntemengen. Nur der Mais könnte noch unter der Trockenheit leiden.

Nach der großen Trockenheit im Vorjahr hat sich das Erntejahr 2019 in Baden bisher mit überwiegend freundlichem Witterungsverlauf präsentiert. Das Getreide profitiere überwiegend von einem kühlen und feuchten Frühjahr, während dem Mais vor allem die zweite Hitzewelle noch einmal zugesetzt habe, meldet die ZG Raiffeisen eG aus Karlsruhe. Die Unternehmensgruppe zieht eine positive Halbjahresbilanz, die jedoch noch von möglichen Trockenheitsschäden beim Mais abhängt.

Insgesamt erwartet die ZG Raiffeisen in diesem Jahr in Baden eine Getreideernte, die sowohl über dem Vorjahresergebnis als auch über dem Bundesdurchschnitt liegen wird. Beim Getreide sind die Qualitäten bisher gut, beim Mais ist die Prognose derzeit noch unterdurchschnittlich. So lautete das Fazit von Dr. Ewald Glaser, dem Vorstandsvorsitzenden der ZG Raiffeisen eG, und Vermarktungschef Franz Utz auf ihrer traditionellen Getreide-Pressekonferenz.

Frühe Abreife, Ertrag dennoch gut

In Baden ist die Getreideernte 2019 in den frühen Lagen des Rheintals größtenteils abgeschlossen und brachte dort bisher sehr gute Ergebnisse, in späten Gebieten ist sie noch in vollem Gange. Nach einem zu trockenen Winter war der Vegetationsverlauf im Frühjahr und Sommer nahezu optimal. Laufende Niederschläge konnten das Regendefizit des Winters ausgleichen und führten zu optimalen Feldbeständen im gesamten Arbeitsgebiet der ZG Raiffeisen. Trotz verfrühter Abreife infolge der hohen Temperaturen nach dem 22. Juni 2019 gab es in den frühen Lagen keine nennenswerten Ertragseinbußen. In den mittleren und höheren Lagen war dagegen eine Schwächung des Ertragspotenzials bei Getreidepflanzen zu verzeichnen.

Aktuell werde für Baden-Württemberg in diesem Jahr eine Getreideernte von insgesamt 3,6 Mio. Tonnen erwartet, was einen Anstieg um knapp 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde. Vor allem der Weizen habe von dem kühlen und feuchten Frühjahr profitiert. Auch bei Wintergerste und Sojabohnen seien die Ergebnisse vielversprechend. Der Mais habe sich bis zum Beginn der letzten Hitzewelle hervorragend präsentiert, jedoch anschließend in der Blütephase, in die rund 60 Prozent des Wasserbedarfs der Maispflanze fallen, so gut wie keine Niederschläge bekommen. Infolgedessen geht die ZG Raiffeisen von einer unterdurchschnittlichen Körnermaisernte aus. Das Ergebnis wird vor allem von den Niederschlagsmengen in den kommenden Wochen abhängen.

Weniger Raps – heimisches Eiweiß fehlt

Unter der großen Trockenheit von 2018 hat neben dem Mais vor allem der Raps gelitten, hier ist die Anbaufläche um über 15 Prozent zurückgegangen. Bei allen anderen Kulturen außer Mais sind die Anbauflächen dagegen gestiegen. Viele Erzeuger haben ihre Rapsbestände angesichts der Trockenheit sowie aufgrund von Knospenwelke und Schädlingsbefall im Frühjahr 2019 umgebrochen. Infolge fehlender Bekämpfungsmöglichkeiten von Schädlingen und Krankheiten im Raps ist mit einem weiteren Rückgang des Rapsanbaus in Baden-Württemberg zu rechnen. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf die heimische Pflanzenölproduktion, sondern auch auf die heimische Versorgung mit gentechnikfreiem Eiweiß in der Futtermittelproduktion, für die sich Raps als gentechnisch unbehandelter Sojaschrotersatz inzwischen etabliert hat, so die ZG Raiffeisen.

Dagegen hat sich die Anbaufläche für Sojabohnen 2019 im Arbeitsgebiet weiter positiv entwickelt, die Feldbestände präsentieren sich hervorragend. In Baden-Württemberg wurden in diesem Jahr auf einer Fläche von 7.680 ha Sojabohnen angebaut, was einer Ausdehnung von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insbesondere in den Körnermais-Anbaugebieten hat sich die Sojabohne etabliert. Die weitere Preisentwicklung wird sehr stark von dem weiteren Verlauf des Handelsstreites zwischen USA und China abhängen sowie davon, ob die stark verminderte Nachfrage von Schweineproduzenten in China weiter nachlässt. Die von der ZG Raiffeisen erfassten Sojabohnen können im unternehmenseigenen Mischfutterwerk in Kehl verarbeitet werden und stärken damit auch die Marktposition des Unternehmens auf dem regionalen Futtermittelsektor.

Genossenschaft wächst – aber nicht im Pflanzenbau

Die Geschäftsentwicklung der ZG Raiffeisen-Gruppe im ersten Halbjahr 2019 bezeichnete der Vorstand als zufriedenstellend. Der konsolidierte Gesamtumsatz stieg um 10 Prozent auf 593 Mio. Euro. Die positive Umsatzentwicklung schlage sich auch in einem gegenüber dem Vorjahr besseren operativen Halbjahresergebnis nieder. Sorgen bereite dennoch nach wie vor die Trockenheit, die insbesondere bei Mais zu Ertragsrückgängen führen kann.

Im Endverbrauchergeschäft haben erneut alle Geschäftsbereiche ihren Umsatz steigern können. Besonders deutlich war der Anstieg mit 25 Prozent Umsatzplus im Energiegeschäft. Für das zweite Halbjahr wird allerdings eine rückläufige Nachfrage erwartet, weil insbesondere beim Heizöl viele Käufe vorgezogen worden seien. Nachhaltig erscheint aus der Sicht des Vorstands dagegen der Zuwachs von 4,3 Prozent im Baustoffgeschäft. Bei den ZG Raiffeisen Märkten waren es 4,5 Prozent mehr.

Im Agrargeschäft verzeichnete der Geschäftsbereich Vermarktung angesichts des Preisanstieges infolge der großen Trockenheit von 2018 und dank der größeren Raps-Umsätze einen Zuwachs von 12 Prozent. Im Geschäftsbereich Tiernahrung waren es mengen- und preisbedingt 7 Prozent. Das Technikgeschäft legte um 11 Prozent zu. Der Vorstand führt dies vor allem auf die Exklusivmarkenpolitik des Unternehmens sowie auf die Eröffnung neuer Niederlassungen zurück.

Dagegen konnte der Umsatz im Geschäftsbereich Pflanzliche Produktion lediglich um 1 Prozent gesteigert werden. Bei Düngemitteln gab es eine ausschließlich preisbedingte Steigerung um 8 Prozent, aber der Umsatz mit Saatgut war aufgrund der im Jahr 2018 verkleinerten Saatmaisvermehrungsfläche um 9 Prozent rückläufig. Infolge des größeren Krankheitsdrucks im ersten Halbjahr 2019 stieg der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln gegenüber dem sehr schwachen Vorjahr um 6 Prozent an, erreicht jedoch nicht mehr den Umsatz des Jahres 2017.

Die ZG Raiffeisen-Gruppe mit Hauptsitz in Karlsruhe ist als Handels- und Dienstleistungsunternehmen im Südwesten Deutschlands sowie im Elsass und in Rumänien tätig. Die rund 1.900 Mitarbeiter der Genossenschaft betreiben 43 Technik-Werkstätten, 63 ZG Raiffeisen Märkte, 28 Raiffeisen Baucenter sowie 66 Agrar-Niederlassungen. Der Jahresumsatz der ZG Raiffeisen-Gruppe lag im vergangenen Jahr bei rund 1,1 Mrd. Euro.

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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