Düngeverordnung

Düngegipfel: Bauernverband kritisiert einseitige und pauschale Pläne

Diesen Donnerstag findet im Bundeslandwirtschaftsministerium ein Düngegipfel statt. Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, fordert praxistaugliche Regeln.

Der Fokus auf die Themen Nitrat und Ammoniak dürfe nicht dazu führen, dass Ertragssicherung, der Klimaschutz, Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes oder die Befahrbarkeit von Feldern und Wiesen aus dem Blick geraten. „Es kann und darf nicht sein, dass der Gesetzgeber sich bei neuen Regeln nur auf einen Aspekt stürzt und der Landwirt mit zum Teil absurden Regeln und dem Gefühl alleine gelassen wird, durch seine ganz normale Arbeit bereits mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Schlicht, weil es in der Praxis nicht mehr gelingt, widersprüchliche Regelungen aufzulösen“, mahnt Köhler. Das künftige Düngerecht müsse sich daher 1:1 an den EU-Vorgaben orientieren und dürfe Bauernhöfe nicht vor unlösbare Probleme stellen.

Nach aktuellen Plänen sollen in nitratsensiblen Gebieten von der Nordsee bis zur Zugspitze pauschale und einheitliche Verbote gelten. Das geplante Verbot der Sommerdüngung konterkariert Erosionsschutzmaßnahmen, mindert Erträge und würde den Rapsanbau aus nitratsensiblen Gebieten verdrängen. Dabei ist die Wirkung solcher pauschalen Maßnahmen für den Gewässerschutz wegen ganz unterschiedlicher naturräumlicher und agrarstruktureller Bedingungen fraglich. Gespräche der deutschen Bauernverbände mit der EU-Kommission zeigen, dass z. B. auch die diskutierte Mangelernährung der Pflanzen mit zwanzig Prozent unter dem errechneten Bedarf keineswegs von Brüssel gefordert wird. „Bund und Länder müssen deshalb andere zielführendere Regelungen finden“, sagt Köhler. „Dabei sollten auch die positiven Erfahrungen im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen und Kooperationen mit den Wasserversorgern einbezogen werden. Effizient und gewässerschonend wirtschaftende Betriebe müssen von den Verschärfungen ausgenommen bleiben.“

Bei der Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete zeigt sich zudem, dass das bisherige System der Wasserrahmenrichtlinie nicht als Grundlage geeignet ist. Die Wasserrahmenrichtlinie erfasst alle Verursacher von Gewässereinträgen. Zur Umsetzung der Düngeverordnung müssen die Messstellen auf den Einfluss der Landwirtschaft hin überprüft werden. In der Düngeverordnung muss deshalb die Grundlage für eine differenzierte Abgrenzung der nitratsensiblen Gebiete geschaffen werden. Zudem muss eine innerbetriebliche Verwertung von Wirtschaftsdünger möglich sein und Bürokratie auf das Notwendigste begrenzt werden. Die über EU-Vorgaben hinausgehende Stoffstrombilanz muss gestrichen werden oder auf begründete Fälle begrenzt bleiben.

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Die gute fachliche Praxis bleibt bei der vorgefassten Meinung auf der Strecke!

Nur wenn alle "Einleiter" mit erfasst und analysiert sind, kann man realistische Pläne schmieden! Solange alles Pauschaliert wird bleibt die Landwirtschaft auf der Strecke! Die Berufsverbände müssen sich endlich massiv mit bei der Umsetzung mit einbringen!

von Hermann Kamm

ein Rat für den Bauernverband!

Die Zeit zum kritisieren ist vorbei! Jetzt muss gehandelt werden, aber massiv!!!!!

von Gerhard Steffek

Wird hier zum wiederholten Male -

die Landwirtschaft bewußt an die Wand geklatscht? So nach dem Motto einen Dummen braucht man halt immer. Glyphosat, Bienensterben, Phosphorüberdüngung der Gewässer, Stickoxide, CO2, hab ich was vergessen? Diese Nitratgeschichte ist hier wieder nur der nächste Punkt des ganzen Lügengebildes das aufgebaut wurde. Wenn ich nämlich bedenke das von Deutschland ja in erster Linie nur die hochbelasteten Meßstellen, aus eben einem Belastungsmeßstellennetz, gemeldet wurden und nicht quer durchs Gelände ein repräsentativer Durchschnitt, dann weiß man doch schon woran man ist. Sieht man sich zudem den Artikel von TA über die Untersuchung der Meßstellen in Amberg genau an, dann wird es erst recht "hint höher als wie vorne". Dann ist das alles nur noch eine verlogene Geschichte.

von Gerd Uken

Die Wasserrahmenrichtlinie erfasst

ALLE Verursacher.....,, Da bin ich mir nicht sicher bislang werden immer nur wir Landwirte als Verursacher in der Öffentlichkeit erwähnt.

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