Bayern

"Erneuerbare Energien statt neuer Stromtrassen" Premium

Bayerns neuer Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) über eine Energiewende ohne Stromtrassen und die Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsministerin Kaniber (CSU).

Herr Aiwanger, Ihre Partei steht den Bauern sehr nah. Warum haben Sie das Agrarressort der CSU überlassen?

Aiwanger: Es war nicht in Stein gemeißelt, dass wir dieses Ressort bekommen und die CSU hätte es nur ungern hergegeben. Natürlich hätte mir auch das Landwirtschaftsressort sehr viel Freude gemacht. Aber über das Wirtschafts- und das Umweltministerium, die wir als Freie Wähler u. a. führen, haben wir mehr Berührungspunkte mit der Landwirtschaft, als vielen bewusst ist.

So kann ich als Wirtschaftsminister viel für die Bauern bewegen, z. B. für die Vermarktung, die Energie, Urlaub auf dem Bauernhof oder die Präzisions-Landwirtschaft. Wenn ich ehrlich bin, kann ich in meinem Amt den Bauern vielleicht genauso nützen wie im Landwirtschaftsministerium.

"In meinem Amt kann ich den Bauern genauso nützen wie im Landwirtschaftsministerium."

Kommen Sie sich da mit Agrarministerin Kaniber nicht ins Gehege?

Aiwanger: Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Frau Kaniber. Wir werden uns abstimmen und gemeinsam etwas bewegen. Ich bin ja auch stellvertretender Ministerpräsident und Parteivorsitzender. Daher sitzt die Landwirtschaftspolitik bei uns nicht auf der Reservebank, sondern sie spielt in der politischen Strategie eine starke Rolle.

Ein wichtiges Feld, dass Sie beackern wollen, ist die Energieerzeugung. Sie fordern eine „Energiewende 2.0“ und wollen die Rahmenbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien deutlich verbessern. Was genau haben Sie vor?

Aiwanger: Ich will die Energiewende zu einem zentralen Thema als Wirtschaftsminister machen. In Bayern hat in letzter Zeit kein Politiker über die Energiepolitik geredet. Das war nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima im Jahr 2011 noch völlig anders. Dann sind jedoch viele Aktivitäten im Sande verlaufen.

Jetzt müssen wir die Energiewende wieder zum Laufen bringen. Denn gerade hier in Bayern ist sie rückläufig: Wir hatten schon deutlich mehr Neuinstallationen bei der Photovoltaik, neue Windräder gibt es kaum noch. Dazu kommt, dass die Stimmung gegenüber erneuerbaren Energien vergiftet ist. Man tut so, als wäre ein Windrad oder eine Biogasanlage schlimmer als ein Atomkraftwerk.

Haben Sie konkrete Vorschläge für die Wiederbelebung?

Aiwanger: Ich setze dabei auf das Zielviereck: sicher, bezahlbar, nachhaltig und mit möglichst viel Wertschöpfung vor Ort. Zunächst wollen wir eine Landesagentur für Energie gründen. Die soll die Aktivitäten koordinieren und auf Umsetzbarkeit abklopfen.

Beim Ausbau sollten wir uns zunächst auf die Maßnahmen konzentrieren, die schneller Erfolge versprechen. So ist im Süden die Photovoltaik mehr akzeptiert als die Windenergie. Daher wäre es falsch, sich an Dingen festzubeißen, die wünschenswert wären, aber keiner will. Wir haben in Bayern 44 % erneuerbare Energien im Stromsektor. Das soll jedes Jahr deutlich steigen.

Und wir müssen verhindern, dass bestehende Energiesysteme vom Markt verschwinden. Dazu gehört, dass wir eine attraktive Anschlussfinanzieru

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Werner Augustin

Bravo Herr Aiwanger

Ich stimme Herrn Aiwanger zu. Wir brauchen mehr Politiker von seinem Kaliber.

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