Die Arbeit auf dem Betrieb in Missouri beginnt
[09.01.2012]
Rinder
Die Tage in Marceline können beginnen und ich denke, mich werden einige Sachen erwarten, von denen ich vorher noch nicht so viel wusste. Die Tage beginnen um 7 Uhr in der Regel mit einem leckeren Frühstück. Ei, Meat (häufig Hackfleisch oder Würstchen), Toast und Marmelade oder Cornflakes. Aufschnitt wie in Deutschland gibt es eher nicht, aber das war auch kein Problem.
Nach dem Frühstück ging es erst einmal los, zehn Kälber mit einer Soja-Mais-Mischung zu füttern. Diese wurden schon eher abgesetzt und nun direkt an der Farm gehalten. Dies wird dann auch meine morgendliche Arbeit sein, danach wurden die Sauen und Mastschweine gefüttert. Auch sie erhalten eine hofeigene Mischung aus Soja-Körnermais-Mast bzw. Sauenergänzer und Mineralfutter. Die Mastschweine werden die gesamten Mastabschnitte ad libitum gefüttert. Hierzu später aber noch mehr.
Danach haben Jim und ich die Quads getankt und los ging es zu den Mutterkühen. Dies ist auch das Hauptfahrzeug. Mit den Quads haben wir dann die Kühe gecheckt. Jim hält noch 160 Mutterkühe + Nachzucht. Die Wiesen liegen arrondiert um der Farm. Er erzählte mir, dass das größte Problem zurzeit die Schattenproblematik ist. Da seine Farm die älteste in der Region ist, sind schon einige Bäume durch die Rinder abgestorben bzw. wurden gefällt.

Die Anguskühe suchen bei den heißen Temperaturen, wie auch an diesem Tag von ca. 35°C, nach dem morgendlichen weiden, sobald die Sonnen stärker strahlt, die Schattenplätze auf. Das größte Problem ist, dass sie dort dann urinieren und koten und die dortige Nährstoffüberkonzentration die Bäume schädigt. So müssen sie immer wieder neue Anpflanzungen machen. Was gar nicht so einfach ist, da die Bäume nur mit Oberflächenwasser auskommen müssen, denn der Grundwasserspiegel liegt weit unter der Erde und das Hochpumpen würde zu viel Geld kosten. Daher sind auch auf allen Weiden „Ponds“ Teiche angelegt. Diese stellen die Wasserversorgung für die Kühe sicher. Die Farm bezieht ihr Trinkwasser aus Marceline per Pipeline. Die Landschaft hier ist sehr hügelig, vergleichbar mit einigen Mittelgebirgsregionen, nicht so flach wie bei uns im Münsterland.
Da die Kühe von starkem Fliegenbefall betroffen waren, wurden sie mit einer “Pour on“-Mischung aus einer Spritzpistole behandelt, deren Tank auf einem der Quads hinten befestigt ist.
Die Abkalbungen finden in zwei Gruppen statt. Zum einen in den Monaten Februar bis März und die Herbstabkalbung in der Zeit, in der ich auf der Farm bin, von September bis Ende Oktober. Die Kühe werden in der Regel recht alt, weit über 6 Laktationen und die Kälberverluste schätzt Jim auf ca. 5%. Das Absetzten erfolgt, wenn die Kälber ca. ein halbes Jahr alt sind.
Nachdem Jim mir seine Kühe gezeigt hatte, ging es zu den Feldern. Dort konnte ich zum ersten Mal ein Feld begehen, auf dem Soja angebaut wurde. Die Ernte steht gegen Anfang bis Mitte Oktober an. Die Aussaat erfolgt, wie auch beim Mais gegen Mitte April bis Anfang Mai je nach Witterung.
Da der Sommer sehr, sehr trocken war im Mittleren Westen, gehen viele Farmer von einer 20% schlechteren Sojaernte in diese Saison aus.

Im Frühjahr war die Heubergung sehr schwierig, da immer wieder Regen einsetzte. Daher hat Jim einige seiner Ballen in Schläuche einsilieren lassen. Die Maschine besitzt sein Neffe Daniel, der ebenfalls Mutterkühe hält. Bei ihm werde ich in den nächsten Wochen auch hin und wieder arbeiten können. Seine Farm liegt ca. 3km entfernt. Dort hält er zurzeit ca. 400 Mutterkühe + Nachzucht und 16 Zuchtbullen. Die Herde ist zwischen ihm, seinem Schwager und der Schwester aufgeteilt, die aber keine Landwirtschaft betreiben, sondern in Kansas City arbeiten.
Ein großes Problem stellen in dieser Region Wildschäden durch „White Tale Deer“, etwas kleinere Hirsche als unsere heimischen Rothirsche und Waschbären dar. Sie zerstören teilweise größere Schläge und manchmal sieht es so aus, als wenn eine Wildschweinrotte ihr Unwesen getrieben hätte.
In den ersten Septemberwochen beginnt häufig die Körnermaisernte. So auch in der Region um Marceline. Ich und Jim besuchten einen guten Freund. Er ist in der dortigen Region ein größerer Ackerbauer, der in dieser Saison ca. 1100 ha Mais drischt. Aufgrund der Trockenheit liegt der durchschnittliche Ertrag bei ca. 120 Buschel/ Acre, was ca.75 dt/ha entspricht. In guten Jahren können auch schon einmal 200 Buschel (125dt/ha) erreicht werden, aber im Mittel der letzen Jahre lagen die Erträge häufig bei 140 Buschel (87 dt/ha). Viele Farmer liefern ihren Mais an die hiesige Ethanolfabrik in Macon, Missouri. So auch Jim der jährlich ca. 5000 Buschel (125 Tonnen) abliefert. Einen Großteil der Ernte benötigt er aber zur Fütterung seiner Rinder, vor allem der Absezer.
Aufgrund der Trockenheit mussten viele Farmer schon frühzeitig mit der Zufütterung von Heu beginnen, was untypisch ist, da dies eigentlich erst gegen Mitte bis Ende Oktober einsetzt. Einige verzichten zudem auf das Zufüttern der Kälber in den Weiden mit einem Körnermais-Soja-Mix.
Zwar sind die Aufzuchtkosten dann höher aber dieses gleicht sich durch die deutlich besseren Verkaufspreise auf den Viehmärken wieder aus so Jim und Daniel. Zu einem solchen werde ich in der nächsten Woche fahren können, dazu dann später mehr. So war die erste Woche schon sehr interessant. Meine tägliche Arbeit wird es sein, die Kälber und Absezer zu checken und zu füttern und die Mastschweine zu versorgen und nach neugeborenen Kälbern in der Abkalbeweide zu suchen. Weitere Arbeiten ergeben sich dann im Laufe des Tages.
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