Die Weizenernte: Immer im Kreis auf tausenden Hektar

Mit der Weizenernte sind wir jetzt schon sehr weit gekommen. Wir haben nur noch 1.000 ha zu dreschen. Im Moment können wir aber nicht weiterarbeiten, da der später gesäte Weizen noch teilweise grün ist. 
Das Dreschen wird hier mit zwei großen und einem kleinen Drescher erledigt.  Die beiden großen Drescher haben 12 Meter Schneidwerke und der kleine 9 Meter. Ich habe immer den kleinen, da die anderen beiden von unserem Festangestellten und einem Bruder von meinem Chef gefahren werden. Den Kleinen fahre ich zusammen mit der Frau von Jordan. Ich fahre ihn unter der Woche und sie an den Wochenenden. An den Wochenenden fahre ich dann LKW zum Weizentransport.


Der Transport wird hier nur mir LKW´s gemacht. Diese parken am Feldrand. Um das Dreschen zu vereinfachen und auch zu beschleunigen, haben wir einen Überladewagen. Dieser fasst mit 27 t etwas mehr als eine LKW-Ladung. Das Abtanken wird dann natürlich während der Fahrt erledigt.


Die Schneidetechnik ist im Vergleich zu Deutschland wesentlich anders. Da wir das gesamte Stroh häckseln, fahren wir immer nur im Kreis. Wenn wir dann an den Ecken ankommen sind, schneiden wir sie einfach und lassen kleine Dreiecke stehen, die wir dann je nach Bedarf zwischendurch abschneiden. An einem durchschnittlichen Tag schaffen wir, je nach Schlaggröße und auch Ertrag, 120 ha.


Die Erträge sind ok aber nicht gut. Der schlechteste Weizen, den wir gedroschen haben, hatte einen Ertrag von 55 kg /ha. Die Drescher  sind dann wie bei einem Rennen gefahren. Dieser Weizen war von Grashüpfern befallen und es lagen von 10 Ähren ca. 7 auf dem Boden und waren angefressen. Ich habe so etwas noch nie gesehen und hoffe auch,  dass es das letzte Mal war. 
Der beste Weizen brachte ca. 600 Kg/ha. Dieser war schon ganz ok, aber nicht gut. Mein Chef sagt, es hat zu viel geregnet und der ganze Stickstoff wurde ausgewaschen. Der viele Regen war aber wiederum gut für den Körnermais, dieser sieht super aus. Die Kolben sind voll bis oben hin, manche Schläge haben sogar 2 volle Kolben an den Pflanzen. Der Weizen wird mit Protein und Gewicht pro Pfund verkauft. Dieses Jahr hat er recht hohe Proteingehalte. Das sogenannte Testgewicht ist auch gut.


Wir fahren den Weizen entweder hier zum örtlichen Landhändler oder in den Nachbarort, der 25 km entfernt liegt. Der Landhändler hier im Ort nimmt nur Weizen unter 14 % Feuchtigkeit an, der im Nachbarort nimmt unter 15 % an. Alles was darüber liegt, wird nicht angenommen! Ich persönlich fahre am liebsten zum Nachbarort. Das Abladen geht dort schneller voran als hier im Ort. 
Vor dem Abladen fährt man unter den Probestab. Dieser fährt dann hinunter und nimmt eine repräsentative Probe von dem ganzen LKW. Danach geht es auf die Waage. Am Ende der Waage ist ein Leuchtschild. Es zeigt an, wie schwer die Ladung ist. Nach einer Weile, wenn der Weizen getestet ist, zeigt es an, zu welchem Entladeloch man fahren muss, da der Weizen immer nach Proteingehalt gelagert wird.

Ich habe mich erkundigt, wie viel Weizen dort gelagert werden kann. Ich musste erst einmal begreifen, dass dort 30.000 t lagern können und dies an 1-2 Tagen eingelagert wird. Ein Mitarbeiter erzählte mir, dass letztes Jahr an einem Tag 250 Lkw entladen wurden. Der Landhandel dort und auch hier im Ort hat eine Zuganbindung. Von dort aus wird der Weizen auf der Schiene weitertransportiert.