Die suburbs von Washington DC - eine künstliche Welt

[12.03.2012]


Weihnachten und Neujahr verbringen wir mit unseren Freunden Nat, Phong und ihrer Tochter Guinnie in Chantilly, einem Vorort von Washington. Hier bekommen wir einen Einblick in den Alltag einer normalen amerikanischen Familie und nutzen die Zeit, um uns einen Van zu kaufen und unsere Ausrüstung für die kommenden Monate auf Reisen zusammen zu stellen.
 
Die suburbs von Washington DC sind eine künstliche kleine Welt, ein Niemandsland zwischen der großen Stadt Washington und dem Land.
 


 
Die Gegend besteht aus Wohnhäusern und Einkaufszentren und das Leben dreht sich ums Geld verdienen und ums Geld ausgeben. So künstlich wie die Wohnsiedlungen, ist auch das Essen der Familien. Das Motto von unseren Freunden scheint beim Essen zum Beispiel zu sein: Es darf auf keinen Fall selbst gekocht, frisch, gesund oder natürlich sein. Die Kinder hier haben keinen Bezug zur Natur, meistens sitzen sie vor dem Fernseher. Ich bin mir sicher, diese Kinder denken wirklich, dass die Milch aus dem Supermarkt kommt und haben teilweise noch nie einen Bauernhof oder gar eine Kuh gesehen (außer im Fernsehen).
 
Umweltbewußtsein gibt es zumindest in diesem Haushalt überhaupt nicht. Jens und ich werden belächelt, wenn wir erzählen, dass wir daheim so viele Lebensmittel wie möglich in Bioqualität kaufen und werden schon beinahe als verrückte Fanatiker abgestempelt, wenn wir vom Energiesparen sprechen. Wenn man in Deutschland ein neues Haus baut, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass der Neubau zu einem großen Anteil mit erneuerbaren Energien versorgt werden muss. Außerdem werden die Häuser isoliert, um keine Energie zu verschwenden. Von Energiesparen oder gar Energiesparhäusern kann hier gar nicht die Rede sein.
 
Sogar neue Häuser werden immer noch wie bessere Heustadel bei uns gebaut, es pfeift durch alle Ritzen und die Heizung ist lediglich ein Loch im Boden, durch das die warme Luft geblasen wird.

Wir können es kaum fassen. Wir sind stolz auf unser fortschrittliches Europa und gleichzeitig frustriert über die Ignoranz und das Unwissen der Menschen hier. Ich hoffe, wir werden auf unserer Reise, die uns unter anderem auch auf verschiedene Biofarmen im ganzen Land führen wird, noch viel Gegenteiliges erleben.
 
Nach drei Wochen Organisation beginnen wir schließlich unsere Reise und fahren los in Richtung Süden- nach Florida, wo wir unter anderem zwei Wochen auf einer Bio-Blaubeerfarm arbeiten werden.
 
 
 

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