Entspannte Berater

„Jungs, wir bringen heute die jungen Rinder raus. Wir fahren mit zwei Treckern und zwei Anhängern. Dann haben wir mit einem Schwung 14 Tiere draußen und sind schnell fertig.“ Der Eheliebste ist voller Tatendrang, will er anschließend noch Mais legen. Die Azubis bereiten alles vor, hängen die Gespanne zusammen, kontrollieren noch einmal die Zäune, stellen ein neues Elektrogerät auf und los geht es. So rasch die Tiere aufgeladen sind, so störrisch sind sie beim Abladen. Das satte Grün scheint sie erst mal nicht anzusprechen. Mit viel Überredungskunst gelingt es der Hoftruppe die Vierbeiner zum Betreten der Grünfläche zu bewegen. Uff, das wäre geschafft.  Froh, dass der Weideauftrieb so gut geklappt hat, schließen die Jungs die Anhängerklappen.

Die Rinder stehen als Rudel ganz eng zusammen, unschlüssig, was sie auf diesem grellgrünen Untergrund sollen. „Das gibt sich gleich, die müssen sich erst orientieren“, mutmaßt der Chef und Eheliebste.
Nach einem Moment der Schockstarre stob das eben noch wie magnetisch wirkende Rudel auseinander und mutiert zum wilden Rinder-Wespenschwarm. Jedes rast und bockt in eine andere Richtung. Drei emigrieren durch den Stacheldraht mit Elektrolitze! Zwei davon finden den Weg schnell wieder zurück zu den schwarzbunten Kumpels. Ein Flüchtling verschwindet durch die dichten Büsche Richtung Bundesstrasse. Die sich unter den Zweibeinern ausbreitende Verdrossenheit weicht einem raschen Aktivismus. Schnell wird sich aufgeteilt und von zu Hause noch Hilfe angefordert.  „Mist, gleich kommt auch ein Berater um meinen Raps zu begutachten.“ Etwa zweiStunden später ist die wilde Jagdbeendet, das erschöpfte Tier ist zurück auf der heimischen Weide.


Endlich eilt der Eheliebste nach Hause zum Pflanzenschutzberater.  „Hoffentlich ist der nicht ärgerlich, dass er warten musste“, murmelt er. Im Gegenteil Auf dem Hof erwartet ihn ein gutgelauntmusizierender Berater mit einem unserer Kinder. Er sitzt mit dem Akkordeon auf der Hofbank und spielt lustige Lieder und das Kind singt dazu. „Die junge Dame war die einzige hier auf dem Hof und wir haben uns erst unterhalten. Ich habe sie gefragt, ob sie die Hofnachfolgerin ist und sie hat gesagt, nein, sie könne  nur singen. Zufällig hatte ich mein Akkordeon im Auto, da ich es aus der Reparatur geholt habe. Ich holte es heraus und seitdem machen wir Musik, singen und haben keine Langeweile.“