[25.11.2010]
Nun bin ich nach einer fast vierzig stündiger Reise auf der anderen Seite der Welt angekommen! Es war zwar sehr lang, aber auch sehr interessant. Es ging von Frankfurt aus nach Singapur und dann über Adelaide nach Ceduna. Ceduna hat 1100 Einwohner und ist die nächst größere Stadt mit eigenem Flughafen in der Nähe von meiner Gastfamilie.
Die Reise war für mich so interessant, weil ich, wenn auch nur kurz, neue Städte, Menschen und Kulturen kennengelernt habe. In Singapur hatte ich z.B. einen sieben-stündigen Aufenthalt und habe mich dort spontan für eine Stadtrundfahrt entschlossen um auch einen Eindruck von hier zu bekommen. Bevor ich die Stadtrundfahrt machte, musste ich natürlich Geld wechseln und dann ging es mit dem Taxi quer durch Singapur! Besonders beeindruckend fand ich die neue Skyline von Singapur. Nach der Rundfahrt ging es wieder zurück zum Flughafen und dann bin ich von dort aus nach Adelaide geflogen. Nun war ich zwar in Australien angekommen, aber immer noch nicht am Ziel. Meine Gastfamilie hatte für mich einen Inlandsflug von Adelaide nach Ceduna gebucht. Dieser Flug, mit einer, meiner Meinung nach, nicht so vertrauenswürdigen Propellermaschine, war nicht so angenehm wie die anderen Flüge und ich war froh, als ich gelandet war!

Der Farmer hat mich abgeholt, ihn zu finden war kein Problem, weil nur etwa zehn Menschen auf dem Flughafen waren! Von dort aus fuhren wir gemeinsam ca. 50 km in die Weite von Südaustralien zur Farm. Davon waren 33 km gerader Straßenverlauf, wo uns drei Riesentrucks (Road-Train) entgegen gekommen sind. Mir wurde direkt gesagt, dass diese Trucks immer Vorfahrt haben, da sie mit 90 t Zuladung nicht so schnell bremsen können. Die letzten ca. 17 km bis zur Farm sind Sandwege, die man mit einem normalen Auto, wie wir sie kennen, nicht befahren kann.
Auf der Farm angekommen, lernte ich meine Gastfamilie kennen, also die Farmerin und die beiden Kinder (drei und sechs Jahre alt), sowie die drei Angestellten. Diese wohnen ca. 3 km entfernt in kleinen Arbeiterhäusern. Nach dem ersten Kennenlernen war ich ziemlich müde und bin gegen 20 Uhr sofort eingeschlafen. Das war vielleicht auch mein Glück, weil ich keinerlei Probleme mit dem Jetlag hatte. Der Zeitunterschied beträgt 9,5 h im Vergleich zur mitteleuropäischen Zeitzone.
Mein erster Arbeitstag war sehr interessant und ging wirklich schnell vorüber. Zuerst haben wir die Schafe mit 2 Quads kontrolliert auf einer 370 ha großen Wiese, wo zuvor Heu geerntet wurde, um zu schauen, ob die Schafe Fliegenlarven-Befall haben. Einige mussten von uns behandelt werden. Als das erledigt war, sind wir angefangen die Maschinen für die Ernte vorzubereiten. An diesem Tag war der Überladewagen an der Reihe und sollte gewartet werden, sowie Ketten und Zahnräder vom Antrieb erneuert werden. Abends haben der Farmer und ich eine Betriebsrundfahrt gemacht. Wir hatten viel Spaß, ich habe viel Neues erfahren und wir beide haben auch über einige Dinge diskutiert. Ein Beispiel ist, dass hier nur 350 mm Regen fallen und es kein Grundwasser gibt, somit kann nur Leitungswasser verbraucht werden. Dadurch fallen durchschnittlich Kosten von 2200 € im Monat an.
Alle Felder sind hier von Schafzaun umzogen. Nach der Ernte sollen die Schafe alles nachfressen wie auflaufendes Ausfallgetreide, Unkraut und Gräser!
Zudem hofft der Farmer, dass er bis zu 3 t je Hektar Weizen ernten kann. Das ist ja nicht viel, aber ich lass mich mal überraschen.
Von Ordnung und Sauberkeit halten die Farmer nicht so viel oder nehmen es nicht so genau, z.B. sind die Fenster schon lange nicht mehr gereinigt worden, aber auch an den Feldern stehen viele alte, defekte Maschinen. Es sieht für mich so aus, dass sie nach dem letzten Einsatz einfach abgehängt worden sind und sie stehen bis jetzt noch dort. Es ist halt alles ganz anders hier wie in Deutschland.

Um einen Einblick in die australische Getreide-Lagerlogistik zu bekommen, hatte der Farmer für mich ein dreitägiges Praktikum in einer der größten Getreide-Umschlag-Gesellschaften in Südaustralien organisiert. Zurzeit ist die Ernte im Westen von Australien im vollen Gang und es kommen täglich (in 24 h) 37.000 t Getreide an. Ich konnte dort 32 Silos für jeweils 8.000 t, zwei Hallen (250mx50m), drei Freilandlager von je1,5 ha (dort wird 11 m hoch gelagert) sowie zwei Schiffverladebrücken bestaunen.
Einen Tag verbrachte ich bei der Warenannahme, wo Weizen, Gerste und Hafer angeliefert wurden. Das Schwerste, was gewogen wurde, waren 122 t.
Den zweiten Tag durfte ich im Labor verbringen. Mein Part war dort die Bestimmung von Feuchtigkeit und Protein. Der Proteingehalt lag zwischen 9,5 und 12 Prozent, die Feuchtigkeit bei 12,5 Prozent. Die Körner waren sehr klein, da hier nur ca. 1,4 t pro Hektar geerntet werden. Den dritten Tag verbrachte ich in der Gestaltung der Organisation für die Farmer, d.h. unter welchen Bedingungen die Farmer und ihre Fuhrunternehmen die Erlaubnis bekommen ihr Getreide zu liefern. Dabei wird genau festgelegt, welche Menge von welcher Sorte sie zu welcher Uhrzeit bringen dürfen.
Nach Feierabend bin ich manchmal noch über das Gelände gefahren. Es ist einfach riesig! Auf dem Weg zu meiner Gastfamilie habe ich öfter zwischendurch angehalten und mir die wunderschöne, endlose Landschaft angeschaut. Man kann sich hier auf einen Berg stellen und sieht so weit man schauen kann nur Weizen und es ist alles nur ein Feld. Unvorstellbar!
Alle vier bis fünf Wochen fährt die Gastfamilie zum Großeinkauf in die nächste größere Stadt. Das ist Adelaide, ca. 780 km entfernt.
Letzte Woche war es mal wieder soweit. Da ich nur 20 kg Gepäck aus Deutschland mitnehmen durfte, bin ich mit dorthin gefahren um noch einige Dinge zu kaufen. Für die Kinder war die Fahrt sehr lang und langweilig und somit auch für uns anstrengend. Wir verbrachten drei Tage in Adelaide. Ich war aber nachher froh wieder auf der einsamen Farm angekommen zu sein. In Adelaide habe ich die Zeit genutzt um mir die noch die sehr junge Stadt anzuschauen. Unter anderem konnte ich mir einen Weihnachtsumzug anschauen, der mich eher an Karneval erinnerte als an Weihnachten. Auf den Wagen, die von Schleppern gezogen wurden, standen pinke Weihnachtsmänner. Sehr kitschig!

In den nächsten Tagen werden wir mit der Ernte beginnen. Die Maschinen sind fast alle für ihren Einsatz fertig, es fehlt nur noch ein Turbolader für einen Schlepper, der vor einen Überladewagen soll. Am Dienstag können wir auch einen neuen Mähdrescher abholen.
Zu der Farm gehören 6.134 ha, die arrondiert um die Farm liegen. Hinzu kommen noch 15.335 ha vom Bruder des Farmers. Die beiden Betriebe liegen nebeneinander und werden von dieser Farm verwaltet. Zu der größeren Farm gehören ca. 6.000 ha Grünland, die nicht bewirtschaftet werden können, weil es zu steinig ist (PKW-große Steine liegen dort). Zusammen besitzen die Betriebe 6.700 Schafe und 200 Rinder.
Nun bin ich sehr gespannt auf die Ernte!
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