[21.05.2012]
Nubischer Bock
Mitten im Baumwoll-Zuckerrohr- und Maisland Louisiana liegt die kleine Ziegenfarm von Marguerite und West Constantine. Sie sind weit und breit die einzigen Ziegenmilch- und produkteproduzenten. Sie besitzen 8 acres Land gleich hinter ihrem Haus, das sind ca. 3 ha Fläche auf denen ihre ca. 50 Ziegen weiden.
West und Marguerite haben sich für nubische Ziegen entschieden, das ist eine recht große, schwere Ziegenrasse aus Mittel- und Nordafrika. Charakteristisch für die Rasse sind ihre großen herunterhängenden Ohren und die "römische Nase". In Ihrem Aussehen erinnern sie mich eher an Schafe als an Ziegen. Die nubischen Ziegen vertragen sehr hohe Temperaturen und sind bekannt für den hohen Fettgehalt ihrer Milch. Im Schnitt geben sie aber weniger Milch als andere Milchziegenrassen. Die Milch schmeckt sehr süß und kaum nach "Ziege", was neben dem schwülheißen Klima Louisianas ein wichtiger Grund für West und Marguerites Entscheidung war, diese Rasse zu halten.
Marguerite und West sind beide bereits in Rente und haben angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage beschlossen, das Geld, das sie für ihre Altersvorsorge gespart hatten, in ihre kleine Ziegenfarm zu investieren. Wenn sie zu alt für die Arbeit sind, wollen sie die Farm mitsamt Konzept verkaufen.
Hofladen
Sie haben ca. 50 000 $ in Gebäude und Technik investiert. Dazu gehören neben den Ziegenställen zum Beispiel eine Pasteurisieranlage und eine Käsekammer wo Marguerite Frischkäse, Feta und Brie herstellt. Marguerite war früher Grafikdesignerin und ist sehr fleißig dabei, ihre Produkte zu vermarkten. Sie hat sich ein eigenes Logo ausgedacht, bietet Touren mit Verkostungen an und hat ihren eigenen kleinen Hofladen, wo man neben den Ziegenmilchprodukten auch T-shirts mit witzigen Ziegensprüchen, Postkarten, Geschenkskörbchen mit Ziegenmilchseife und Alufaschwämmen, die sie auch selbst anbaut, kaufen kann.
Schon am Louisiana Welcome Center auf dem Highway der uns nach Louisiana bringt, springt uns ein riesiges Poster der WesMar Farm ins Auge. Marguerite meint, eine gute Vermarktung sei das ein und alles und der Erfolg scheint ihr recht zu geben. Die Nachfrage nach Ziegenmilchprodukten steigt gerade erst langsam in Louisiana und die beiden Ziegenfarmer verdienen ziemlich gut- unter anderem auch deshalb, weil sie weit und breit die einzigen Ziegenmilchproduzenten sind.
Marguerite hat sich das Käsen selbst beigebracht und kreiert immer wieder neue Sorten wie zum Beispiel Frischkäse mit Pekanüssen oder Ziegenmilchschokopralinen.
Die Farm ist zwar keine BioFarm aber dafür USDA- (US Department for Agriculturre) geprüft. Zusätzlich zu diesem Qualitätssiegel hat die Farm noch eine Zertifizierung als Zoo. Das ist notwendig, damit Marguerite ihre Führungen machen kann, bei denen sie natürlich ganz nebenbei noch eine Menge ihrer Produkte an den Mann bringt und Werbung für ihren Betrieb macht. Sie meint, wem es hier gefällt und schmeckt, der kommt auch wieder und kauft ihre Produkte.
Ziegen
Marguerite ist sehr für ökologisches Wirtschaften, versucht natürlich zu wirtschaften, während ihr Mann Wes leider gar kein Gefühl oder Interesse daran hat - so wie meiner Schätzung nach die meisten Einwohner Louisianas. Meistens geht ja der grüne Gedanke auch mit einer liberalen politischen Einstellung einher und der Süden der USA ist eindeutig Republikanerland. Hier wird noch gern auf alles was sich bewegt geschossen - aus reiner Lust am Schießen. West schlachtet seine Hühnchen nicht, sondern schießt sie auf dem Hof. Die Leute gehen zu "Rattlesnake Roundups" oder "Crocodile Hunts", wo man Klapperschlangen oder Krokodile als Beweis der Manneskraft fängt. Demjenigen, der das größte Exemplar fängt, gebührt alle Ehre und Anerkennung. Im Gegensatz zum Blaubeerfarmer Rick, der auf die Jagd geht, um seinen Speiseplan zu bereichern, geht man hier aus reinem Spaß auf wilde Tiere los.
Louisiana ist ein Bundesstaat den ich nicht gerade als grün bezeichnen würde, und daher ist Margeruite in ihrem Tun und Denken schon ziemlich fortschrittlich für hiesige Verhältnisse. Das Bewusstsein erwacht hier erst langsam, genauso wie die Nachfrage nach Ziegenmilchprodukten langsam steigt, weil sich die Menschen erst allmählich mehr Gedanken um eine gesunde Ernährung und um die Umwelt machen.
Ein Betriebspraktikum bietet die einmalige Chance, einen weiten Blick über den Tellerrand zu werfen und die Erfahrungen für sich und den eigenen Hof zu nutzen. Stöbern Sie doch einfach mal durch die vielen Tagebücher unserer jungen Schreiber...
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