Übeltäter Kläranlage? Plus

Kläranlagen leiten durch ihre Abläufe teils erhebliche Nährstofffrachten in die Oberflächengewässer. Wie hoch diese tatsächlich sind und wie das Verhältnis zu bewerten ist, zeigt unser Faktencheck.

Erhebliche Nährstofffrachten, die Kläranlagen in Oberflächengewässer leiten, Fäkalien und Toilettenreste, die ungeklärt in Flüsse gelangen sowie Meldungen über undichte Kanalisationen – das sind die Themen, die die Landwirte nicht nur in den sozialen Netzwerken umtreibt. Sie stellen sich die Frage, in welchem Umfang diese Einträge an der Nitrat- und Phosphor-Misere teilhaben, die zurzeit scheinbar ausschließlich der Landwirtschaft zugeschrieben wird. Um diese Frage zu beantworten und einen umfassenden Überblick über die Sachlage zu geben, haben wir neben intensiver Recherche einen Fragenkatalog an das BMEL, das BMU/UBA (zuständige Behörde) und den BUND verschickt (weitere Details finden Sie auch unter www.topagrar.com/klaeranlagen2019).

Fakt ist: Mit rund 9,3 Mrd. m³ Abwässern, die Kläranlagen jährlich in Deutschland einleiten, gelangten 2016 laut Statistischem Bundesamt 70653 t Stickstoff (N) und 6413 t Phosphor (P) in Oberflächengewässer wie Flüsse und Meere. Bezogen auf Stickstoff käme der Eintrag ca. 17 Mio. m³ Kuhgülle gleich. Damit ließen sich 485000 ha Silomais düngen.

Abwasser und seine Wege

Abwasser als Schmutzwasser aus privaten Haushalten und Industrie sowie Regenwasser von versiegelten Flächen gelangt entweder in getrennten Kanälen oder zusammen in sogenannten Mischwasserkanälen zu den Kläranlagen. In Deutschland sind ca. 42% der verbauten Kanalisationen Mischkanäle. Innerhalb der Bundesländer variiert dieser Wert aber stark. So beträgt der Anteil in Baden-Württemberg 80%, in Nordrhein-Westfalen 47% und in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein nur gut 6%.

In den Kläranlagen erfolgt die Reinigung der Abwässer in drei, manchmal auch in vier Stufen (mechanische, biologische und chemische Verfahren). Das gereinigte Wasser (Ablauf) gelangt danach in den Vorfluter, sprich die Oberflächengewässer. Je nach Größe der Kläranlage werden unterschiedliche Anforderungen an die maximalen Nährstoffkonzentrationen des ausgeleiteten Wassers gestellt.

Dabei richtet sich die Größeneinteilung nach sogenannten Einwohnerwerten (EW). Diese ergeben sich aus der Einwohnerzahl und der angesetzten Abwasseremission. Die Abwasserverordnung (AbwV) schreibt in Anhang 1 jedoch erst ab den beiden größten Klassen 4 und 5 mit EW größer 10000 Anforderungen für die maximale Konzentration von N und P im eingeleiteten Wasser vor. Hier gilt:

  • Klasse 4: 18 mg/l Nges. und 2 mg/l Pges.,
  • Klasse 5: 13 mg/l Nges. und 1 mg/l Pges.

Der Anteil an Kleinkläranlagen ohne Anforderungen an die Einleitkonzentration variiert je nach Bundesland stark. Doch selbst in Mecklenburg-Vorpommern, wo es strukturell noch viele Kleinkläranlagen gibt (91,3% bis zu 10000 EW), reinigen diese nur einen sehr kleinen Anteil Abwasser...

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Diskussionen zum Artikel

von Josef Doll

Sind Fäkalien von Tieren oder Menschen quasi Gülle ??

Oder kann mir einer da einen Unterschied machen ?? Werden da bei den Umweltoranisationsunweltgutachten gemacht ( DNA Proben müßte es da doch geben, kann man ja noch an 250 Mio alten Frosilien machen ) ob da das ganze von Tieren oder Menschen stammt ?? Wenn nicht wie kann da überhaupt ... mehr anzeigen

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