Alles locker im Grünland?

Schwere Maschinen und Trittschäden können Grünlandböden schadverdichten. Dann leiden nicht nur die Erträge, sondern auch die Weidesysteme. Wer erste Anzeichen erkennt, sollte möglichst zügig Abhilfe schaffen.

Aus dem Ackerbau sind schadhaft verdichtete Böden bekannt, im Grünland findet das Thema bisher eher wenig Beachtung. Doch je intensiver man die Flächen als Wiese oder Weide bewirtschaftet, desto höher ist die Gefahr von Bodenschadverdichtungen. Bedroht sind vor allem die frischen und feuchten Standorte mit hohen Bodenwassergehalten. Unter Druck und Scherung können sich Bodenteilchen auch unter Grünland verschieben – es entsteht ein nachhaltiger Gefügeschaden.

Generell gelten Böden als schadhaft verdichtet, wenn ein Befahren oder Belasten das Porensystem soweit reduziert, dass die natürlichen Produktionsfunktionen des Bodens nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gewährleistet sind. Die Folgen davon sind nachhaltige Bodenveränderungen und Degradationen. Weil Luft im Boden nur noch eingeschränkt zirkulieren und der Boden kaum noch Wasser aufnehmen kann, sinken Ertragsfähigkeit und -sicherheit. Die Ertragsverluste hängendann stark vom Witterungsverlauf ab,können aber um so größer sein, je länger die Niederschläge ausbleiben. Betroffen sind häufig die grundwassernahen Gleye und Moorböden. Gefährdet sind auch stauwassergeprägte Pseudogleye, wenn man sie im Frühjahr und Herbst bei ungünstiger Witterung befährt oder beweiden lässt.

Wie viel Grünland ist schadverdichtet?

Um zu ermitteln, wie stark Dauergrünland in Nordrhein-Westfalen verdichtet ist, haben Forschende der FH Südwestfalen knapp 100 Flächen von 30 Betrieben untersucht. Anhand verschiedener Messkriterien ordneten sie die Böden ein (Übersicht 1). Den flächigen Eindringwiderstand bestimmten sie mittels computergestütztem Penetrometer. Der Boden ist schadverdichtet, wenn der Eindringwiderstand über dem Grenzwert von 2,5 Megapascal (MPa) liegt – bei einer Bodenfeuchte von 80% nFK. Zudem erfassten sie über einen Bestimmungsschlüssel anhand von elf Parametern den aktuellen Bodenzustand in einem Punkteraster.

Im Labor untersuchten die Forschenden an ungestörten Bodenproben die gesättigte Wasserleitfähigkeit und die Porengrößenverteilung in verschiedenen Tiefen. Verdichtungen liegen vor, wenn die gesättigte Wasserleitfähigkeit weniger als 10 cm pro Tag und die Luftkapazität weniger als 5 Volumenprozent (Vol.-%) beträgt.

Um auf Bewirtschaftungsfehler rückschließen zu können, flossen zudem Betriebsdaten, Maschinengewichte und Informationen zu den Betriebssystemen in die Untersuchung ein. Die ersten Ergebnisse zeigen Folgendes:

  • Rund 40% der untersuchten intensiv genutzten Grünlandböden weisen schadhafte Bodenverdichtungen auf. Auf diesen Standorten ließen sich Strukturschäden nachweisen. Lückige Bestände, typische Zeigerpflanzen für Verdichtungen und unzureichende Wurzelausprägungen waren ebenfalls zu finden.
  • Weitere 25% der untersuchten Standorte weisen bereits leicht erhöhte Bodendichtelagerungen auf.
  • Lediglich rund ein Drittel der Schläge sowie extensiv genutzte Flächen zeigen keinerlei Hinweise auf Verdichtungserscheinungen und sind somit umfänglich als nachhaltige Grünlandstandorte zu bezeichnen.

Auf Zeigerpflanzen und stehendes Wasser achten

Neben gut sichtbaren Symptomen für verdichtete Böden, wie z.B. deutliche Trittschäden, gibt es noch weitere:

  • Trocknen (Teil-)Flächen ungewöhnlich schnell aus, kann die Kapillarität im Boden gestört sein. Das war vor allem in den letzten drei Jahren problematisch.
  • Falls besonders bei langanhaltenden oder hohen Niederschlägen das Wasser nur mangelhaft versickert, kann es zu Erosionen kommen.
  • Steht Wasser temporär auf den Flächen, deutet das auf ein verringertes Porenvolumen in verdichteten Böden hin.
  • In gravierenden Fällen verdrängen angepasste Arten leistungsfähige Gräser und Kräuter. Es entstehen Trittpflanzengesellschaften mit geringem Nutzungspotenzial und niedrigen Futterwerten. Klassische Zeigerpflanzen für Bodenverdichtungen sind z.B. Jährige Rispe, Flechtstraußgras, Breitwegerich, Vogelknöterich, strahlenlose Kamille oder Hirtentäschelkraut.

Sind die Böden zudem durch langfristige Bewirtschaftungsfehler einer sogenannten Pseudovergleyung (Stauwasser) ausgesetzt, können erhöhte Nährstoffauswaschungen und Treibhausgasemissionen in Form von Methan und Lachgas die Folge sein. Langfristig wirkt sich eine Bodenverdichtung auch durch höhere Betriebsmittelaufwendungen bei gleichzeitig sinkenden Erträgen aus.

Noch bis vor wenigen Jahren brach eine ausgeprägte Frostgare die Verdichtungen wieder auf und beseitigte die Schäden. Doch im Zuge...

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