Clearfield-Raps: Das sollten Sie wissen

Wer sich für das Clearfield-System in Raps interessiert, ­sollte sich über die Folgen beim Einsatz im Klaren sein. Die wichtigsten Fakten hat top agrar für Sie zusammengestellt.

Zur kommenden Rapsaussaat steht deutschen Landwirten erstmals das völlig neue Unkrautbekämpfungs-System „Clearfield“ zur Verfügung. Der Name steht weltweit für eine Kombination aus einem Herbizid und einer gegen dieses Herbizid resistenten Kulturpflanze. Die Züchter kreuzen diese Resistenz nicht auf gentechnischem, sondern auf konventionellem Weg ein.

Das in Deutschland kürzlich zugelassene Herbizid Clearfield-Vantiga enthält neben Metazachlor und Quinmerac zusätzlich den Wirkstoff Imazamox. Dieser gehört zu den ALS-Hemmern, deren Einsatz eine normale Rapssorte nicht verträgt. Daher erfordert die Anwendung des Herbizids den gleichzeitigen Anbau einer Clearfield-toleranten Rapssorte. Zurzeit sind für das System zwei Winterrapshybriden über die EU-Sortenliste bei uns verfügbar.

Allerdings warnen viele Fachleute vor den Nachteilen dieses Systems (siehe auch top agrar 6/2012, Seite 55). Hier die wichtigsten Fragen, die sich der Praxis derzeit stellen.

In Europa setzen Landwirte das System bereits in Sonnenblumen (Spanien, Osteuropa, Frankreich, Österreich) und im Reis (Italien) ein. Das in Sonnenblumen zugelassene Herbizid Pulsar 40 enthält – genau wie das Herbizid Clearfield-Vantiga – den Wirkstoff Imazamox, mit dem sich Problemunkräuter, wie z. B. Spitzklette, Stechapfel und Ambrosie, bekämpfen lassen. Auf stark belasteten Flächen ist die Nachauflauf-Anwendung mit diesem Herbizid oft die einzige Waffe gegen diese Unkrautexoten.

„In Deutschland rechnen wir damit, dass zunächst Betriebe, die Probleme mit schwer bekämpfbaren Unkrautarten in ihren Rapsbeständen haben, das System anwenden werden“, erklärt Dr. Alfons Schönhammer, Herbizidentwickler bei der BASF, die das neue System anbietet. „Denn der Wirkstoff Imazamox erfasst hartnäckige Unkräuter wie Rauke-Arten, Hirtentäschel, Hellerkraut, Hederich, Ackersenf und auch Ausfallgetreide kulturverträglich und sicher.“

Bislang wurden diese Unkräuter in Raps in erster Linie mit Clomazone-haltigen Herbiziden bekämpft. Produkte wie Centium, Cirrus, Brasan, Nimbus oder Colzor Trio sind neuerdings wegen Aufhellungen an Nachbarpflanzen mit verschärften Auflagen belegt, die den Einsatz in kleinstrukturierten Gebieten deutlich erschweren. Mit Clearfield wären Vorauflauf-Anwendungen mit Clomazone auf Problemstandorten nicht mehr unbedingt nötig. Nachauflauf-Spritzungen sollen sich mit dem Clearfield-Herbizid gezielter und verträglicher als mit Clomazone-Produkten durchführen lassen.

Weiterer Vorteil von Clearfield ist laut Schönhammer, dass Imazamox als einziger Wirkstoff auch neue Problemunkräuter wie das Echte Barbarakraut, das Orientalische Zackenschötchen und die Pfeilkresse bekämpft. „Künftig werden weitere Problemunkräuter folgen, gegen die Clearfield eine Lösung oder ein weiterer Baustein sein könnte“, so der Fachmann. „Schaut man sich die Entwicklung von Problemunkräutern in den letzten Jahrzehnten an, zeigt sich, dass neue Arten schnell und sehr massiv auftreten können. Beispiele sind das seit 1980 zunehmende Klettenlabkraut, die seit 1990 verbreitete Besen- und Wegrauke und seit dem Jahr 2000 der Storchschnabel.“

Zur kommenden Rapsaussaat sind über die EU-Sortenliste die Winterrapshybrid-Sorten PT 200 CL und die Halbzwerghybride PX 100 CL von der Firma Pioneer bei uns verfügbar. Zu erkennen sind die Saatgutsäcke am aufgedruckten Markenzeichen „Clearfield“ und an der Endung „CL“ im Sortennamen. Die Saatgutmenge für den deutschen Markt soll nach Züchterangaben für rund 8 000 ha reichen.

Großes Manko dieser beiden CL-Sorten ist deren Leistung. So liegt der Ertrag dieser Sorten im Vergleich zu Rapssorten wie Visby oder Dimension um rund 3 bis 10 % niedriger. Zudem erreichen sie meist nur mittlere Ölgehalte.

Neu, aber derzeit noch nicht zugelassen, ist die Sorte DGC 169 CL von Dekalb. „Diese Neuzüchtung erreicht bereits Erträge, die mit durchschnittlichen Sorten mithalten können. Zudem ist sie gegenüber Phoma gut resistent und weist eine hohe Schotenplatzfestigkeit auf, was die Ausfallrapsmenge senkt“, so Hans Platen, Produktmanager bei der Firma Monsanto, die die Zulassung dieser Sorte beantragt hat. „In 2 bis 3 Jahren wollen wir CL-Rapssorten anbieten, die auf dem Niveau aktueller Spitzensorten liegen.“

In den Startlöchern bei der Entwicklung von CL-Sorten stehen derzeit auch andere Züchter, wie z. B. Rapool Ring und...