Das Stickstoff-Limit aus Gülle muss auf den Prüfstand!

Die 170/230er N-Grenze der Düngeverordnung hindert intensive Milchviehbetriebe sich zu entwickeln. Die Obergrenzen sind fachlich infrage zu stellen, wie neue Untersuchungen belegen.

In den Intensiv-Milchvieh-Futterbauregionen im norddeutschen Tiefland und im Voralpengebiet begrenzt die Düngeverordnung (DüV) mit ihrem Limit von maximal 170 bzw. 230 kg N/ha aus Wirtschaftsdünger die Kuhzahl je Betrieb. Sie verbaut ihnen damit die Wachstumsmöglichkeiten.

Kurz zur Erinnerung: Die „170 kg Regelung“ der seit 2007 geltenden DüV, die die EU-Nitratrichtlinie in nationa-les Recht umsetzt, gilt grundsätzlich für Acker- und Grünland. Auf Antrag dürfen Betriebe auf Intensivgrünland (mindestens 3 Schnitte) und bei flächengenauer Dokumentation der Güllemengen bis zu 230 kg Gesamt-N/ha aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft (kurz als „Gülle“ bezeichnet) ausbringen. Die aktuelle DüV regelt bislang nicht den Einsatz von Biogas-Gärresten.

Niederländer dürfen 250 kg N/ha düngen

Diese Höchstmengenbegrenzung ist kurioserweise in den EU-Ländern sehr unterschiedlich geregelt. So beträgt die Höchstmenge z. B. für die Niederlande auf Antrag 250 kg N/ha für die gesamte LN eines Betriebes, wenn dieser mindestens 70 % LN als Dauergrünland nutzt. Niederländische Agrarwissenschaftler haben nachgewiesen, dass sich diese Güllemengen nicht negativ auf die Grundwasserqualität auswirken. Mehr als 70 % der Grünlandbetriebe in den Niederlanden nutzen diese erhöhten Güllemengen.

Anders die Situation in Deutschland: Weniger als 1 % der antragsberechtigten Landwirte nutzen die Ausnahmegenehmigung, obwohl sie in der Regel über Aufzeichnungen im Sinne einer Schlagbilanz verfügen. Das ist bemerkenswert, weil die Auflagen bezüglich der Dokumentationspflicht in beiden Ländern sehr ähnlich sind.

Bis 300 kg N/ha aus Rindergülle gefahrlos möglich

Wie sich hohe Gülledüngung und Gärreste auf die N-Verluste mit dem Sickerwasser unter Grünland tatsächlich auswirken, sollte ein Vergleich neuer Ergebnisse der Universität Kiel mit Ergebnissen aus den Niederlanden klären. Dazu haben wir verschiedene Datensätze von Deutschem Weidelgras dominierten Beständen auf leichten, potenziell austragsgefährdeten Standorten (sandige Böden in Schleswig-Holstein und den Niederlanden) und auf schweren Böden (Bayern) untersucht und bewertet. Die Güllegaben wurden jeweils mit Schwerpunkt im zeitigen Frühjahr mit bodennaher Technik (z. B. Schleppschlauch) ausgebracht. Die Ergebnisse:

Kombinationen aus Gülle-N (ca. 60 kg Gesamt-N) und Mineraldünger bis 360 kg N/ha verursachten auf Sandboden bei intensiver Schnittnutzung (4 Schnitte) keine Überschreitung des Trinkwassergrenzwertes von 50 mg Nitrat/l. Das konnten wir bereits im N-Projekt Karkendamm (Geeststandort; humoser Sandboden, Ackerzahl ca. 25) an der Uni Kiel in 5-jährigen Messungen zeigen. Voraussetzung war aber dabei, dass die Gesamt-N-Zufuhr 300 kg N/ha nicht deutlich überschritt. Dagegen stieg die N-Auswaschung mit steigendem Weideanteil aufgrund der zunehmenden punktuellen Belastungen deutlich an (siehe Übersicht 1).

Ein weiterer Versuch beschreibt über fünf Jahre die Auswirkungen vergleichsweise hoher N-Gaben (ca. 390 kg/ha) auf die Nitrat-Konzentration im Sickerwasser auf einem schweren Standort in Bayern. Hier traten trotz positiver N-Salden weniger als 10 mg Nitrat/l als mittlere Nitratkonzentration über die Versuchsdauer auf (Diepolder et al., 2009).

Die Daten des nationalen Nitrat-Monitoring Messprogramms aus den Niederlanden, die als Basis für die Ausnahme-genehmigung von 250 kg Gesamt-N aus Gülle...