Das Ziel der N-Startgabe (Bestandesdüngung) ist: Premium

Die Trockenheit des vergangenen Jahres wirkt sich auch auf die N-Düngung des Getreides in diesem Frühjahr aus. Hohe Vorräte an mineralischem Stickstoff (Nmin) im Boden und eine voraussichtlich früh einsetzende, hohe N-Freisetzung raten zu einer eher verhaltenen N-Düngestrategie.

Zudem sind selbst die später aufgelaufenen Bestände – von wenigen Ausnahmen abgesehen – bereits durchweg gut bestockt und weisen häufig stark überhöhte Nitrat-Gehalte auf. Die Folge: Viele Getreidebestände, vor allem Gerste, sind mittlerweile mit Mehltau befallen.

Vegetativ überzogene Bestände sind nicht in der Lage, Spitzenerträge zu bringen und fallen später häufig auch in der Qualität ab. Dieses Risiko besteht in diesem Frühjahr bei einem Großteil der Wintergetreidebestände.

Hohe Nmin-Vorräte

: Die Nmin-Untersuchungen aus November und Dezember lieferten Werte, die teils jenseits von Gut und Böse lagen. Im Vergleich zum Vorjahr liegen sie teilweise um mehr als 100 kg N/ha höher (gemessen in der Bodenschicht von 0 bis 90 cm). Selbst auf Sandböden sind Nmin-Werte von weit über 80 kg N/ha keine Seltenheit.

Bei hohen Niederschlagsmengen kann der Nmin-Stickstoff allerdings noch verlagert werden, sodass die Pflanzen ihn nicht nutzen können. Das ist z.B. der Fall, wenn auf Sandböden bis März noch rund 100 mm Regen und auf Lehmböden über 200 mm fallen. Aus diesen Gründen raten wir dringend zu eigenen Nmin-Untersuchungen. Differenzieren Sie bei der Probenahme nach

  • den Bodenverhältnissen,
  • den Vorfrüchten und
  • eventuellen Unterschieden abhängig von der organischen Düngung.

Nur dann können Sie mit der Düngestrategie darauf reagieren. Mischproben sind dagegen wenig hilfreich. Weil die Nmin-Untersuchung nur eine Momentaufnahme darstellt, empfiehlt es sich, die Probenahme im Februar noch während der Vegetationsruhe durchzuführen. Andernfalls können Mikroorganismen, die bei wärmeren Temperaturen aktiv werden, kurzfristig Stickstoff freisetzen oder festlegen und so das Ergebnis verzerren.

Hohe N-Freisetzung zu erwarten:

Wegen der Sommergare hat sich im Boden eine exzellente Bodenstruktur eingestellt, die aufgrund geringer Niederschläge im Herbst auch so erhalten blieb. Weil die Böden intensiv durchlüften, ist zusätzlich mit einer hohen N-Freisetzung aus der organischen Substanz zu rechnen. Diese kann bei einem raschen Anstieg der Temperaturen im Frühjahr bereits im März und April zum Tragen kommen.

Strohrotte benötigt Stickstoff:

Die meisten Böden waren im Herbst so trocken, dass die Strohrotte bislang kaum in Gang kam. Daher befindet sich der dafür nötige Stickstoff noch im Bodenvorrat. Schon deshalb liegen die Nmin-Werte häufig um 40 bis 60 kg N/ha höher als sonst. Das gilt vor allem, wenn das Stroh nach Getreidevorfrucht (z.B. Weizen) untergepfügt wurde.

Anders ist das in Mulch-Saaten, wenn Niederschläge den Boden bis 20 cm durchfeuchteten. Dann setzte der Abbau des flach eingearbeiteten Strohs bereits ein. In diesen Fällen sind die Nmin-Werte um 20 bis 30 kg N/ha niedriger.

Falls Sie das Stroh der Vorfrucht im Frühjahr so herausgraben, wie Sie es eingearbeitet haben, müssen Sie damit rechnen, dass die Strohrotte im Frühjahr Stickstoff festlegt. Wegen der hohen N-Gehalte im Stroh von 0,8 bis 1,0% N infolge der schlagartigen Abreife ist der N-Bedarf dafür um etwa 20 bis 50 kg N je ha niedriger als üblich. Zum Vergleich: Nach langsamer Abreife und intensiver N-Auslagerung aus Ernterückständen sind 0,5% N im Stroh enthalten.

Gleiches gilt für Körnermais-Stroh. Trotz der oft extrem hohen Nmin-Vorräte in der Krume, wird zum Strohabbau eine Startgabe von wenigstens 40 kg N/ha zu Weizen nach Körnermais notwendig sein. Diese Gabe ist auch erforderlich, wenn sich rein rechnerisch kein N-Bedarf bzw. ein Bedarf von weniger als 20 kg N/ha ergibt.

Die Schossergabe richtig setzen

Wichtig ist es, den Termin für die zweite Gabe bestmöglich zu treffen. Denn damit „steuern“ Sie die Bestände. Ziele dieser Ertragsdüngung sind:

  • den N-Pool im Boden aufzufüllen,
  • die übermäßige Reduktion von Trieben in dünnen Beständen zu verhindern,
  • die Ährchen- und Blütenreduktion durch die Düngung in die Große Periode (Ähre im Halm beginnt sich zu strecken) zu verringern,
  • für die Kornbildung einen N-Vorrat im Fahnenblatt und obersten Halmabschnitt anzulegen und
  • den...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Traktor von gestern. Technologie von morgen.

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Anne Katrin Rohlmann

Redakteurin Ackerbau/Grünland

Schreiben Sie Anne Katrin Rohlmann eine Nachricht

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

Schreiben Sie Matthias Bröker eine Nachricht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Effizienz durch Schwefel

vor von Anne Katrin Rohlmann Hansgeorg Schönberger , Matthias Bröker ,

Düngeverordnung belastet LKP

vor von Silvia Lehnert

Getreide: Wie viel Stickstoff noch nachdüngen?

vor von Anne Katrin Rohlmann Hansgeorg Schönberger ,

Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen