Die Sorten des Südens Premium

Zweizeiler liefern auch bei Hitze oft noch gute Kornqualitäten und stehen im Süden auf Platz 1. Daran ändern die Hybriden nichts. Welche Gerstensorten bei Ihnen passen, weiß Ulrike Nickl, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising.

Mit rund 227000 ha nahm der Anbau von Wintergerste in Bayern gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Hinter Mais und Winterweizen zählt sie aber nach wie vor zu den wichtigsten Ackerkulturen in Süddeutschland.

Seit jeher dominieren im Süden die zweizeiligen Sorten. Ihr Anbauanteil lag in Bayern in den letzten Jahren bei 80 bis 85%. Die mehrzeiligen neueren Hybridgersten standen auf rund 3% der bayerischen Wintergerstenflächen.

Starke Zweizeiler:

Dass die Zweizeiler im Süden das Rennen machen, hat folgende Gründe: Die häufiger als im Norden auftretenden Hitzeperioden führen zu abrupter Abreife. Unter diesem Stress erzielen zweizeilige Sorten mit einer genetisch bedingten guten Kornqualität noch am ehesten akzeptable Hektolitergewichte (hl-Gewichte), eine gute Kornausbildung und hohe Tausendkorngewichte (TKG). In der Regel bilden sie die größten Körner aus. Diese Vorteile schätzen vor allem Marktfruchtbetriebe.

Für die Dominanz der Zweizeiler im Süden spricht auch ihre geringe Lagerneigung bei guter Halm- und Ährenstabilität. Obwohl die Mehrzeiler in punc-to Standfestigkeit und Strohstabilität in den letzten Jahren züchterisch verbessert wurden, erreichen sie immer noch nicht das Niveau der Zweizeiler. Die meist etwas niedrigeren Erträge der zweizeiligen Sorten nehmen die Anbauer in Kauf.

Bei der Suche nach den passenden Sorten für Ihren Standort, bieten die neutralen Landessortenversuche (LSV) eine wichtige Hilfe. In Bayern ist dafür die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und in Baden-Württemberg das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg verantwortlich.

Die Spitzenreiter im Ertrag:

Der Ertrag ist wichtig, sollte aber nicht das alleinige Kriterium bei der Sortenwahl sein. Was die Sorten in den drei süddeutschen Anbaugebieten mehrjährig leisten, entnehmen Sie der Übersicht1. Die Auswertung umfasst die Ergebnisse der letzten fünf Jahre aus LSV und vorangegangener Wertprüfung.

Dargestellt sind die relativen Erträge der Sorten. Dabei bedeutet z.B. ein Relativertrag von 101% in der intensiv geführten Behandlungsstufe 2 bei der Sorte California, dass der Ertrag um 1% über dem Versuchsmittel der Stufe 2 liegt. Diese Vorgehensweise erleichtert den Sortenvergleich, weil man damit auf einen Blick erkennt, welche Sorten überdurchschnittlich ertragreich sind (alle mit Relativerträgen von über 100%).

Da die Versuche für zwei- und mehrzeilige Sorten in Bayern meist getrennt angelegt werden, lassen sich die Sortimente nicht direkt vergleichen. An Standorten, an denen beide stehen, übertrumpfen die Mehrzeiler die Zweizeiler im Ertrag um etwa 5%.

Die wichtigsten LSV-Ergebnisse (2012 bis 2016): Die meisten zweizeiligen Sorten unterscheiden sich im Ertrag nicht wesentlich. Lediglich die Braugerste KWS Liga fällt in allen Anbaugebieten deutlicher ab. Bei den Mehrzeilern bringt SU Ellen insbesondere in Stufe 1 (ohne Fungizide und Wachstumsregler) mehrjährig gute Leistungen. Damit macht sie der derzeit bedeutendsten Sorte KWS Meridian Konkurrenz. Die Hybriden Wootan, Trooper und Bazooka können sich in den Anbaugebieten ertraglich nicht abheben. Sie bewegen sich auf Niveau des mehrzeiligen Mittels.

Achten Sie bei der Sortenwahl aber nicht nur auf die optimal behandelte Stufe 2, sondern auch auf das Ergebnis der Stufe 1. Sorten, die...

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