Empfehlungen für den Herbizideinsatz im Getreide

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Bekämpfungslücken vor allem bei den Gräsern unliebsame Folgen haben können. Zeitpunkt und Wirkstoffwahl müssen daher sitzen.

Sobald das Frühjahr beginnt, steht die erste Bestandskontrolle im Getreide an. Eine entscheidende Frage lautet dabei: Ist eine Herbizidmaßnahme notwendig? Insbesondere gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm ist eine rechtzeitige Maßnahme essenziell, um den gewünschten Bekämpfungserfolg zu erreichen. Je früher der Einsatz, desto kleiner sind die Ungräser und Unkräuter und desto höher die Wirkungsgrade.

Der Herbst 2021 bot in Norddeutschland gute Bedingungen für den Einsatz der Bodenherbizide. Nur später Rübenweizen und bei Getreide nach Körnermais ist oftmals keine Behandlung mehr erfolgt. Insgesamt ließen sich hohe Behandlungsquoten erreichen. Das ist wichtig, da Wirkstoffe wegfallen oder eingeschränkt werden und somit das Resistenzrisiko steigt. Der vergangene Sommer hat gezeigt, dass besonders gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm eine genaue Bestandskontrolle geboten ist, um rechtzeitig und gezielt reagieren zu können. Aus vielen Getreidebeständen schauten zur Ernte 2021 die Ähren des Ackerfuchsschwanzes heraus, oft waren die Bekämpfungserfolge unbefriedigend gewesen oder eine Nachbehandlung war ausgeblieben. Somit ergab sich ein enormes Samenpotenzial, was auf der Fläche verblieb.

Neben dem optimalen Einsatzzeitpunkt der Herbizidmaßnahme ist auch auf die passende Witterung zu achten. Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit hat vor allem bei den Sulfonylharnstoffen eine erhebliche Minderwirkung zur Folge. Andere Produkte, wie z.B. Axial oder Traxos, sollten Sie möglichst solo applizieren und nicht mit weiteren Produkten in einer Tankmischung ausbringen, da es sonst zu Antagonismen kommen kann. Ziel jeder Ungrasbekämpfung sollte es sein, hohe Wirkungsgrade zu erreichen, um das Samenpotenzial auf der Fläche zu minimieren.

neue Wirkstoffe nicht in Sicht

Neue Herbizide zur Frühjahrssaison 2022 standen bei Redaktionsschluss nicht zur Verfügung. Es ist aber möglich, dass zu Vegetationsbeginn noch Neuerungen zugelassen und auch vermarktet werden. Um neue Wirkstoffe wird es sich dabei allerdings nicht handeln, sondern nur um neue Wirkstoffkombinationen. Eine wirkliche Entspannung ist daher beim Resistenzmanagement nicht in Sicht.

Bei allen Produkten sind die Zulassung und, im Hinblick auf die Fruchtfolgeplanung, insbesondere die Nachbaubeschränkung zu beachten!

Keine Chance für Windhalmreste

Windhalm läuft überwiegend im Herbst auf. Daher liegt hier der Schwerpunkt der Bekämpfung mit den flufenacethaltigen Produkten wie z.B. Cadou oder Fence bzw. die Kombinationsprodukte Herold oder Malibu.

Bei der Kontrolle der Bestände im Frühjahr spielt neben der Größe des Windhalms auch die Schlaghistorie eine Rolle, um einen einseitigen Wirkstoffeinsatz und somit Resistenzen zu vermeiden. Oftmals gute Einsatzbedingungen der Herbstherbizide ersparen nicht die Kontrolle im Frühjahr.

Ist Windhalm vorhanden, kann als reines blattaktives Gräserherbizid Axial mit 0,9 l/ha zum Einsatz kommen. Bei starkem Windhalmdruck sollten Sie Axial aufgrund von möglichen Antagonismen solo einsetzen, um die volle Wirksamkeit auszunutzen. Eine eventuell notwendige Maßnahme gegen dikotyle Unkräuter sollte dann später erfolgen. Die Ungrasbekämpfung hat in jedem Fall Vorrang.

Bei einem schwachen Besatz mit Windhalm ist auch eine gleichzeitige Bekämpfung...