Für wen lohnt das Zusatzwasser? Premium

Zunehmende Frühjahrstrockenheiten bis hin zu Dürre – wegen des Klimawandels steigt das Anbaurisiko. Immer mehr Landwirte überlegen daher, ihre Kulturen zu beregnen. Doch für wen rentiert sich das?

Vielen Landwirten sitzt die extreme Dürre 2018 noch in den Knochen. Die Trockenheit mit rekordverdächtigen Verdunstungsraten hielt fast über die gesamte Vegetationszeit an und ließ die Erträge dahinschmelzen. Daher rückt vor allem folgende Frage immer weiter in den Vordergrund: Mit welchen Maßnahmen lässt sich das wirtschaftliche Risiko von trockenheitsbedingten Ertrags- und Qualitätseinbußen am besten senken?

Eine Lösung, über die viele Betriebsleiter zurzeit nachdenken, ist die Anschaffung einer Beregnungsanlage. Momentan werden bundesweit rund 600000 ha landwirtschaftlicher Fläche beregnet. Mehr als die Hälfte davon liegt in Niedersachsen. Insbesondere auf besseren Standorten ist die Tendenz steigend.

Weil die notwendigen Investitionen in eine Beregnungsanlage allerdings hoch sind, sollte man vor der Installation einige Fragen klären. Neben dem rechtlichen Thema (siehe top agrar 5/2019, ab Seite 58) geht es dabei z.B. um die Wasserbereitstellung und Arbeitswirtschaft. Eine für den Landwirt entscheidende Fragestellung ist aber: Welche Vorteile bringt die Beregnung bei den verschiedenen Kulturen in puncto Ertragsabsicherung und Qualitätsverbesserung der Ernteprodukte?

Wie hoch sind die Mehrerträge durch Beregnung?

Um den Einfluss der Beregnung auf die Erträge und Qualitäten der Kulturen beurteilen zu können, legt die LWK Niedersachsen seit mehr als 20 Jahren Beregnungsversuche an. Auf dem derzeitigen Versuchsstandort Hamerstorf laufen die Versuche jetzt bereits im 14. Jahr. Der Standort liegt im südwestlichen Landkreis Uelzen auf einem schwach lehmigen Sandboden mit etwa 33 Bodenpunkten.

Welche Mehrerträge im langjährigen Mittel (2006 bis 2018) durch die Beregnung verschiedener Fruchtarten im Vergleich zur unberegneten Variante erzielbar sind, entnehmen Sie der Übersicht1. Daraus geht hervor, dass sich durch eine optimale Beregnung (beregnet ab etwa 50% der nutzbaren Feldkapazität) deutliche Mehrerträge in fast allen Kulturen erreichen lassen. Bei z.B. Speisekartoffeln liegen diese im Mittel der Jahre bei knapp 30%. In den einzelnen Jahren schwankten die Mehrerträge, abhängig von der jeweiligen Jahreswitterung, zwischen rund 40 und 400 dt/ha. Die Zusatzwassergaben zu den Kartoffeln lagen bei 62 mm (2014, feuchtes Jahr) bis 262 mm (2018, extrem trockenes Jahr). In 2018 ließ sich die Kartoffelproduktion nur durch eine intensive Beregnung mit nahezu wöchentlichen Gaben sichern. Ohne Beregnung wurde im Versuch nur 46% (das entspricht 303 dt/ha) des Ertrages der optimal beregneten Variante (659 dt/ha) geerntet.

Weil Wasser auch der Nährstofftransporteur Nr. 1 ist, beeinträchtigt ein Mangel zudem die kontinuierliche Nährstoffaufnahme der Kulturen. Die Folgen können deutliche Qualitätseinbußen sein. Vor allem die Stickstoffaufnahme wirkt sich auf die Qualität oft negativ aus, wenn die Pflanzen ihn nach einer längeren Trockenphase mit einsetzenden Niederschlägen wieder in hoher Rate aufnehmen.

Zusatzwasser sichert Qualität

Das Ziel der Beregnung ist daher, den Boden ausreichend und gleichmäßig feucht zu...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

Schreiben Sie Matthias Bröker eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen