Gerste: Ist Ramularia noch zu kontrollieren?

Zur Saison 2021 ist Chlorthalonil nicht mehr verfügbar. Zwar gibt es nun Notfallzulassungen für folpethaltige Produkte gegen Ramularia – diese gelten jedoch nicht bundesweit. Für gesunde Bestände sind Sortenresistenzen und eine top Fungizidstrategie nun gefragter denn je.

Nach Winterweizen ist die Wintergerste die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart. Aktuell steht auf ca. einem Viertel der im Herbst 2020 angesäten Getreidefläche Wintergerste. Die Vorzüglichkeit ihres Anbaus hat verschiedene Gründe. So bietet die Gerste als früh räumende Frucht beispielsweise vielfältige Möglichkeiten bei der Gestaltung des nachfolgenden Zwischenfruchtanbaus. Zudem erzielte sie in den letzten Jahren trotz ausgeprägter Frühsommertrockenheiten stabile Erträge.

Allerdings wird in der Gerste die Kontrolle ihrer spezifischen Krankheiten zunehmend schwieriger. Auf der einen Seite sind fortschreitende Resistenzentwicklungen bei Gerstenkrankheiten zu verzeichnen – insbesondere gegenüber Netzflecken und Ramularia. Auf der anderen Seite stehen durch den Wegfall wichtiger Wirkstoffe auf EU-Ebene immer weniger wirksame Fungizide zur Verfügung. In dieser Situation wird es immer wichtiger, sich auf pflanzenbauliche Maßnahmen zur Reduktion der Schadenswahrscheinlichkeit von Krankheiten zurück zu besinnen.

Welche Krankheiten sind relevant?

Die wichtigsten Krankheiten von Winter- und Sommergerste sind Echter Mehltau, Rhynchosporium-Blattflecken, Netzflecken und Ramularia. Netzflecken spielten in Niedersachsen in den letzten Jahren regional eine größere Rolle, ebenso wie die oft erst spät auftretende Ramularia, die bei günstigen Befallsbedingungen (Feuchtigkeit) erhebliche Schäden in Gerste verursachen kann.

Die dominierende Krankheit der letzten Jahre war im Norden aber der Zwergrost, der von den trockenen und strahlungsreichen Jahren profitierte. In anfälligen Sorten wie z.B. KWS Higgins führte er in einzelnen Versuchen zu erheblichen Ertragsverlusten. Allerdings lässt sich Zwergrost deutlich besser mit Fungiziden kontrollieren als Ramularia oder Netzflecken. ▶

Zulassungssituation: Viele Mittel, wenige Wirkstoffe

Wie in anderen Getreidearten auch sind in der Gerste immer weniger wirksame Fungizide verfügbar. Denn seit einigen Jahren führen strengere Zulassungskriterien dazu, dass wichtige Fungizidwirkstoffe in der EU keine Zulassung mehr bekommen. Teilweise werden Zulassungen auch zurückgezogen oder widerrufen. Für die betroffenen Pflanzenschutzmittel gelten dann oft verkürzte Abverkaufs- und Aufbrauchfristen.

Schmerzlich vor allem in der Wintergerste ist momentan der Verlust des Kontaktwirkstoffs Chlorthalonil, welcher zuletzt noch im Amistar Opti verfügbar war. Chlorthalonil war der einzige Wirkstoff, der noch sicher gegen Ramularia wirkte.

Das mittlerweile im Weizen zugelassene Mittel Folpan 500 SC mit dem Kontaktwirkstoff Folpet (500 g/l) hat auch eine gewisse Wirkung gegen Ramularia. Für dieses Mittel sowie für das ebenfalls folpethaltige Amistar Max (500 g/l Folpet + 93,5 g/l Azoxystrobin) wurden kürzlich jeweils regionale Notfallzulassungen ab dem 1.4.2021 für 120 Tage erteilt – allerdings nur für Bayern, Baden-Württemberg und...