Getreide: Garaus für Unkräuter Premium

Die Wirkung von Bodenherbiziden im Herbst ließ wegen der Trockenheit oft zu wünschen übrig. Umso mehr muss nun der Frühjahrseinsatz gelingen. Wirkungsvolle Strategien für Ihren Standort stellt Günter Klingenhagen, LWK Nordrhein-Westfalen, vor.

So gehen Sie ohne Herbstvorlage gegen Unkräuter und wenige Gräser vor

Bei späteren Saatterminen nach Mais oder Rüben erfolgte oft kein Herbizideinsatz im Herbst. Die Unkräuter und Ungräser sind in diesen Fällen weniger vertreten und auch nicht so stark entwickelt.

Geht es auf eher leichten Böden nur um Windhalm und Rispe, können Sie in Winterweizen und -gerste auf nicht drainierten Flächen frühzeitig mit Lentipur 700 starten (siehe Übersicht 2). Es enthält den Wirkstoff Chlortoluron (CTU). Ein Einsatz in rein AHL ist möglich. Auf besseren Standorten bzw. bei geringem Druck kann diese Maßnahme gegen Gräser bereits ausreichen. Doch Vorsicht: Lentipur 700 und vergleichbare Produkte sind nicht in allen Weizensorten verträglich. Dies betrifft z.B. die Sorten Benchmark, Bergamo, Gustav, Hendrik und KWS-Talent. Die aktuelle Sortenliste finden Sie unter www.topagrar.com/sortenliste2018. Optimal für die Wirkung von CTU sind Behandlungen zu Vegetationsbeginn auf feuchte Böden mit anschließendem Hochdruckwetter.

Lentipur 700 wirkt zusätzlich gegen Vogelmiere, Kamille, Kornblume und Hundskerbel. Falls darüber hinaus ein Zusatz gegen Ehrenpreis oder Stiefmütterchen nötig ist, sind Artus oder Alliance geeignete Partner.

Wirkt Chlortoluron nicht mehr ausreichend, bieten sich in Weizen, Triticale und Roggen folgende Alternativen an:

  • Für Windhalmstandorte eignet sich Broadway, das oft ohne Mischpartner auskommt. Nur bei starkem Auftreten von Stiefmütterchen bzw. zur Kontrolle von Taubnessel, Kornblume und Hunds-kerbel empfiehlt sich ein Zusatz von 25 g/ha Finy/Savvy oder 35 g/ha Dirigent SX. Gegen Kornblume ist Dirigent SX zu bevorzugen. Weil Broadway nur über das Blatt wirkt, müssen die Unkräuter und Ungräser aufgelaufen sein.
  • Husar wirkt oft nicht mehr ausreichend gegen Windhalm. Gegen Rispe erzielt es aber eine sehr gute Leistung. Eine Kombination aus Broadway + Husar Plus (jeweils plus Netzmittel) bzw. im Weizen aus Broadway + FHS + Lentipur 700 hat sich auf Standorten mit starkem Windhalm- und Rispendruck bewährt.
  • Sind die ALS-Hemmer verbraucht, bleibt nur Axial 50. Mischungen mit anderen Herbiziden sind auf diesen Standorten abzulehnen. Darunter kann die Gräserwirkung erheblich leiden. Unkräuter bzw. Unkräuter + Rispen können Sie vorzugsweise vorab mit Artus bzw. Husar Plus bekämpfen.

Falls Sie im Herbst behandelt haben und es im Frühjahr in erster Linie um übriggebliebene Unkräuter geht, gilt folgende Empfehlung (siehe Übersicht 3):

  • Vegetationsbeginn, das Getreide ist in der Bestockung: Nach Herbstvorlage mit Herold SC, Bacara Forte oder Trinity ist zum Teil noch eine Nachbehandlung gegen Klette, Kamille, Kornblume, Ausfallraps, Storchschnabel oder Hundskerbel erforderlich. In gut entwickelten Beständen hat sich gegen diese Restunkräuter ein früher Einsatz bewährt.

Gegen Klette, Kamille, Raps, Mohn und Kornblume haben sich Saracen, Biathlon 4D + Dash und Zypar bewährt. Primus Perfect ist zu bevorzugen, wenn der Besatz mit Kornblume oder Kamille sehr hoch ist. Pointer Plus wirkt im Vergleich zu Saracen auch gegen Hundskerbel und Storchschnabel. Bekämpfen Sie diese beiden Arten unbedingt frühzeitig!

  • Mitte April bis Mitte Mai, Getreide in der Schossphase bis Fahnenblattstadium: Spielen Hundskerbel oder Storchschnabel keine Rolle und ist das Getreide noch weit vom Bestandesschluss entfernt, sind spätere Behandlungstermine im Vorteil. So lassen sich mit Anwendungen zum 2. Knotenstadium des Getreides auch im Frühjahr auflaufende Sommerunkräuter bekämpfen. Neben Melde und Gänsefuß sind dies vor allem Floh-, Winden- und Vogelknöterich.

Tritt nur Melde oder Gänsefuß auf, reichen bei Temperaturen über 18°C rund 0,5 l/ha U 46 M-Fluid aus. Geht es auch um Disteln,...

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Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

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