Getreide: Verschießen Sie das Pulver nicht zu früh! Plus

Wer bei den scharfen Düngeregeln noch viel ernten will, muss mineralische und organische Dünger höchst effizient einsetzen. Hier die Strategien für Ihr Getreide.

Die neuen Düngeregeln mit den gesetzlich festgelegten Bedarfswerten schränken die Stickstoff- und Phosphatdüngung vor allem von Wintergetreide deutlich ein. Aus den scharfen Vorgaben der Düngeverordnung (DüV) folgt, dass die Düngung mehr denn je mit höchster Effizienz erfolgen muss, um spürbare Ertragsverluste zu vermeiden.

Zusätzlich beeinflussen Klimaveränderungen die Entwicklung des Getreides und wirken sich unmittelbar auf die Düngung aus. So haben zwei Jahre mit extremer Trockenheit in vielen Betrieben die Durchschnittserträge vermindert. Im letzten Jahr hat die schnelle Abreife im Juni zudem in vielen Regionen die Eiweißgehalte begrenzt.

Hochwertiger Backweizen wird sich wegen der restriktiven Gesetzeslage wohl nur noch auf Standorten mit mittlerer Ertragserwartung bei guten Bedingungen produzieren lassen. Allerdings geben die Qualitätsprämien derzeit auch nur geringe Anreize für eine Backweizenproduktion.

Bestände überwiegend gut entwickelt

Die milde Witterung der letzten Wochen hat dazu geführt, dass auch spät bestelltes Wintergetreide in fast allen Regionen gut aufgelaufen ist. Selbst im November gesäter Weizen hat mittlerweile zwei bis drei Blätter ausgebildet und beginnt vereinzelt bereits mit der Bestockung. Damit ist die Ausgangslage für eine eher gute Bestandsentwicklung günstig.

Früh ausgesäte Weizen- und Roggenbestände, vor allem aber Gerste, sind wegen des milden Wetters oft schon sehr weit entwickelt. Niederschläge und Phasen mit kühlen Temperaturen sorgten aber dafür, dass nur wenige Bestände überwuchsen.

Fazit daraus: Eine sehr frühe Düngegabe zum Anregen der Bestockung ist auf vielen Flächen in diesem Frühjahr nicht erforderlich.

Am Anfang steht die DBE

Wer seine Düngestrategie plant, muss vor der ersten Maßnahme laut DüV den Düngebedarf ermitteln. Die Bedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat ist Kern der Verordnung. Im Zuge der bevorstehenden Novellierung in diesem Jahr wird die Bedeutung der Bedarfsermittlung weiter steigen, da die Aufzeichnungspflicht hinzukommt. Gleichzeitig fällt aber die Feld-Stall-Bilanz weg.

Grundsätzlich ermittelt man den Düngebedarf, indem man die gesetzlich festgelegten Bedarfswerte um den Ertrag und weitere Standortfaktoren wie Vorfrucht oder Humusgehalt der Fläche korrigiert. Wegen der geringeren Erträge in den letzten Jahren müssen in dieser Saison wohl viele Betriebe ihre Erträge und damit auch ihren Düngebedarf nach unten anpassen. Auf einigen Standorten mit schwachen Böden ohne Beregnung wird sich Wintergetreide – vor allem Weizen – dann voraussichtlich nicht mehr ausreichend ernähren lassen.

Noch prekärer wird die Lage, wenn ab dem nächsten Jahr in den roten Gebieten eine weitere Begrenzung der Düngung erfolgt. Dann gilt es, das Anbausystem zur neuen Aussaat in den betroffenen Regionen vollständig zu überdenken.

Wie viel N-Bedarf laut DüV?

Wie hoch die Bedarfswerte der einzelnen Getreidearten abhängig von Vorfrucht und vom Standort sind, entnehmen Sie der Übersicht auf Seite 66. Beim Weizen wurde der Bedarfswert für Backweizen herangezogen. Bei Futterweizen muss ein Abschlag von 20 kg/ha erfolgen. Bei E-Weizen darf man hingegen einen Zuschlag von 30 kg/ha vornehmen.

Zu beachten ist zudem, dass Sie auf humosen Standorten grundsätzlich einen Abschlag von 20 kg/ha vornehmen müssen. Darüber hinaus sind von der Gesamt-N-Menge des Vorjahres aus organischen Düngern noch 10% abzuziehen. Wie Sie den Bedarf im Detail ermitteln, finden Sie unter www.topagrar.com/dbegetreide2020.

Für Weizen steht somit als maximaler Düngerahmen auf den meisten Standorten eine Menge von 160 bis 180 kg/ha zur Verfügung. Damit...

Das könnte Sie auch interessieren


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen