Getreide: Wie viel Stickstoff zum Start? Premium

Den Nährstoffmangel sieht man vielen Beständen derzeit an. Wie hoch die erste N-Gabe ausfallen sollte und was nach der DüV noch geht, weiß Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen.

Staunässe, verdichtete Böden und Kälte behinderten in vielen Regionen den Feldaufgang und die Entwicklung des Getreides. Wegen reduzierter Wurzelbildung hellten viele Bestände auf – sie leiden sichtbar unter Sauerstoff- und Nährstoffmangel.

Die starken Niederschläge von 250 bis über 300 mm seit Oktober vor allem im Norden haben auswaschungsgefährdete Nährstoffe im Boden stark verlagert. Neben Stickstoff sind auch Schwefel, Kalium, Magnesium und Bor betroffen. Die Startbedingungen für das Getreide im Frühjahr sind damit häufig schlecht.

Darüber hinaus müssen Sie nun erstmals unter den Vorgaben der novellierten Düngeverordnung (DüV) wirtschaften. Detaillierte Infos dazu entnehmen Sie dem Beitrag ab Seite 62.

Reichen die N-Bedarfswerte?

Die neue DüV schreibt vor, dass man vor der Düngung eine Düngebedarfsermittlung erstellen muss. Diese stellt einen gesetzlich festgesetzten Maximalrahmen dar. Die N-Bedarfswerte aus der DüV für Wintergetreide entsprechen ungefähr den bekannten Sollwerten und sind in Übersicht 1 dargestellt. Grundsätzlich sind davon die Nmin-Gehalte im Frühjahr in 0 bis 90 cm Tiefe abzuziehen.

Neu ist, dass man die Ertragserwartung berücksichtigen muss. Dabei darf bei allen Getreidearten der Bedarfswert mit zunehmendem Ertrag um 1 kg N/ha je dt Mehrertrag erhöht werden (maximal bis 40 kg/ha). Je 1 dt/ha Minderertrag ist der Wert dagegen um 1,5 kg/ha Stickstoff zu verringern. Den Ertragsnachweis müssen Sie über Aufzeichnungen im Betrieb führen.

Die starren Werte werden sich wie folgt auswirken: Auf ertragsstarken Standorten werden die Mengen in der Regel reichen, um den Bedarf zu decken. Auf Standorten mit geringer Ertragserwartung ist das jedoch nicht der Fall. Das gilt vor allem für Flächen, auf denen organische Dünger zum Einsatz kommen. Denn die DüV schreibt Anrechenbarkeiten vor, die sich besonders bei Trockenheit und später Ausbringung nicht immer erreichen lassen. Obendrein muss man bei organischer Düngung im Vorjahr noch 10% des organisch gedüngten Gesamt-N vom Bedarfswert abziehen.

Wie Übersicht 1 zeigt, schwankt die Spanne des Düngebedarfs zwischen den Getreidearten stark. In ungünstigen Fällen (geringe Ertragserwartung, Humusgehalte über 4%, Einsatz organischer Dünger im Vorjahr) geht besonders bei Wintergerste der N-Bedarf auf 100 bis 120 kg/ha zurück. Der maximale Rahmen beträgt bei Gerste etwa 180 kg/ha (hohe Ertragserwartung, keine Abschläge wegen Standort und organischer Düngung im Vorjahr).

Bei Roggen – der Frucht mit der besten...

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