Carbon Farming

Klima: Das Moor wiedervernässen?

Nasse Moore schützen das Klima – das ist politischer Konsens. Doch ein Wiedervernässen hat für die Bewirtschafter und die Region enorme Folgen.

Moorschutz ist Klimaschutz – das ist sowohl in der Nationalen Moorschutzstrategie als auch in der kürzlich unterzeichneten „Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz“ (BLZV) festgehalten. So will der Bund die Treibhausgasemissionen zum Jahr 2030 um 10% verringern und 5 Mio. t CO2-Äquivalente einsparen. Bislang stammen jährlich rund 53 Mio. t CO2-Emissionen aus entwässerten Moorböden (6,7% der deutschen Treibhausgasemissionen). Dabei helfen soll die Wiedervernässung von Mooren und anmoorigen Böden auf freiwilliger Basis. Die Wiedervernässung soll laut BLZV so umgesetzt werden, dass danach eine landwirtschaftliche Nutzung möglich ist.

Tatsächlich dienen geschützte Hoch- und Niedermoore nicht nur dem Klima, sondern auch dem Bodenschutz sowie dem Schutz einzigartiger Lebensräume für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. In Deutschland gibt es rund 1,8 Mio. ha Moor, 90% davon sind entwässert. Davon werden 52% als Grünland und 19% als Ackerland bewirtschaftet. Um diese Flächen wiedervernässen zu können, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen vorliegen – und es gibt ebenso Grenzen der Wiedervernässung. Lesen Sie dazu auch den Kommentar auf Seite 79.

Wie ließe sich eine Vernässung umsetzen?

Ziel der Wiedervernässung ist, den Torf im Moor zu erhalten. Für eine torferhaltende Bewirtschaftung müssen die Wasserstände ganzjährig nahe der Geländeoberfläche von 5 bis 15 cm unter Flur (nasse Moorböden) liegen. Bei Graben- und Grundwasserständen bis max. 40 cm unter Flur (feuchte Moorböden) ist nur eine torfzehrungsmindernde Bewirtschaftung möglich. Dann würden die Böden weiter (aber weniger) CO2 emittieren. Für beide Varianten bedarf es viel Wasser, damit die Graben- und Grundwasserstände dauerhaft hoch reguliert werden können. Deshalb ist die Zusatzwasserverfügbarkeit das alles Entscheidende! Ein Moorgebiet wird dabei als hydrologische Einheit betrachtet. Fachlich ließe sich die Vernässung der verschiedenen Moortypen wie folgt umsetzen:

  • Auf Niedermooren sollte sich die Maßnahme auf die potenziell wiedervernässbaren Moore mit hohem Revitalisierungspotenzial konzentrieren. Um das beste Verfahren zur Anhebung des Wasserstandes wählen zu können, sind Kenntnisse zur Vernässbarkeit aus hydrologischer Sicht und die verfügbare Wassermenge im Einzugsgebiet entscheidend.

Nach dem Ende der aktiven Entwässerung muss das Wasserangebot im Einzugsgebiet zurückgehalten und ein ständig hoher Wasserstand gewährleistet werden. Die in den letzten 250 Jahren errichtete wassertechnische Infrastruktur, wie sie z.B. in den großen Niedermoorgebieten Nordostdeutschlands für die wechselseitige Grundwasserregulierung (Grabensysteme mit Wehren und regulierbaren Stauen etc.) besteht, ist auch für die Wiedervernässung geeignet. So lässt sich der winterliche oberflächennahe Grabenanstau (nicht Überstau!) durchführen und in der Vegetationsperiode mittlere Grabenwasserstände von maximal 40 cm unter Flur gewährleisten. In Trockenperioden kann man Zusatzwasser einstauen.

  • Die tiefgründigen Moore weisen eine homogene Oberfläche auf. So können angehobene Grundwasserstände eine gleichmäßig hohe Feuchte im Boden bewirken. Hohe Wasserstände in den Gräben sind aber noch keine Garantie für hohe Grundwasserstände auf der Fläche. Wenn die Wasserleitfähigkeit der Torfe nicht ausreicht, um die Verdunstungsverluste auf den Flächen durch seitlichen Zufluss aus den Gräben zu kompensieren, ist z.B. eine Unterflurbewässerung erforderlich. Sie wird zurzeit in Niedersachsen mit Landwirten in dem Projekt SWAMPS erprobt.

Auf den tiefgründigen Mooren Nordwestdeutschlands müsste mithilfe der Grabensysteme ein ganzjähriges, kontrolliertes Wassermanagement betrieben werden, welches eine hohe Wasserhaltung garantiert: im Winter oberflächennah und in der Vegetationsperiode nicht tiefer als maximal 40 cm unter Flur.

  • Auf den entwässerten flachgründigen Mooren mit 30 bis 50 cm hoher Torfauflage ist im Zuge der Bodenentwicklung ein heterogenes Oberflächenrelief entstanden. Die Anlagen der wechselseitigen Wasserregulierung sind auch hier...