Nitratmessnetze – alles Augenwischerei? Plus

Wie gestaltet Deutschland seine Grundwassermessnetze? Wie machen es andere EU-Länder? Wie entwickeln sich die Werte? top agrar gibt Antworten zu der komplexen Thematik.

Seit Deutschland verschärfte Düngeregeln bei der EU-Kommission eingereicht hat, flammt die lange schwelende Diskussion über die Nitratmessstellen neu auf. Das Nitratmessnetz schade den deutschen Landwirten. Deutschland messe an falschen Stellen und zu wenig. Andere Länder machen alles anders. Das sind einige Vorwürfe. Aber ist das wirklich so?

Das Thema Nitratmessstellen ist sehr vielschichtig. Verschiedene Messstellennetze bedienen unterschiedliche Verordnungen und Ziele. Daher muss man schon sehr genau hinsehen, um belastbare Aussagen treffen zu können.

Deutsche Messstellennetze

Um die Nitratgehalte des Grundwassers zu überwachen, gibt es eine sehr große Anzahl von Messstellen in Deutschland. Für die Einrichtung und den Betrieb sind die einzelnen Bundesländer verantwortlich. Die verschiedenen Messnetze greifen in der Regel auf bestehende Messstellen zurück. Jedes Messnetz dient einem anderen Zweck. Zu unterscheiden ist zwischen dem Messnetz für die Europäische Umwelt- agentur (EUA), dem EU-Nitratmessnetz und dem Wasserrahmenrichtlinien-Messnetz (WRRL).

  • EUA-Messnetz: Es soll einen allgemeinen Überblick über die Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland geben und dient der jährlichen Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur. Die 1215 Messstellen sollen die Verteilung jeglicher Landnutzung repräsentieren. Sie erfassen daher sowohl Einflüsse von Siedlung (9%) und Wald (30%), als auch von Grünland (11%), Acker (45%) und Sonderkulturen (1%) sowie sonstigen Flächen (4%). Die Anzahl der Messstellen in den einzelnen Bundesländern ergibt sich aus der jeweiligen Flächengröße.

Dieses Messnetz hat direkt erst einmal nichts mit der Landwirtschaft zu tun, sondern gibt die allgemeine Grundwasserbelastung in Deutschland wieder.

  • EU-Nitratmessnetz: Alle Messstellen dieses Messnetzes sind immer auch Messstellen des EUA-Messnetzes. Das EU-Nitratmessnetz bezieht sich direkt auf die Landwirtschaft. Mit diesen Daten bewertet die EU-Kommission alle vier Jahre, wie effektiv die Maßnahmen des Aktionsprogramms sind, mit denen die Nitratrichtlinie umgesetzt wird. Deutschland und andere Staaten (u.a. Österreich, Dänemark, die Niederlande und Irland) entschieden sich 1991 dafür, das Aktionsprogramm (in Deutschland im wesentlichen die DüV) für ihr gesamtes Gebiet anzuwenden. In diesem Falle fordert die EG-Nitratrichtlinie, die Messnetze so auszulegen, dass bei den Messstellen ein Zusammenhang zwischen den Messwerten und der landwirtschaftlichen Nutzung besteht.

Zunächst betrieb Deutschland ein sogenanntes Belastungsmessnetz mit 162 Messstellen. Diese lagen nur an Messpunkten, an denen von einer erhöhten Grundwasserbelastung auszugehen war. Die EU bemängelte in ihrem Bericht 2012 die zu geringe Messstellendichte Deutschlands. Daraufhin weitete man 2015 das Messnetz auf 697 Messstellen aus. Es weist nun 2 Messstellen/1000 km2 auf. Das entspricht 3,7 Messstellen/1000 km2 landwirtschaftliche Fläche. Gleichzeitig wandelte man das Belastungsmessnetz in ein repräsentatives Messnetz um. Dieses spiegelt die gesamte landwirtschaftliche Situation in der Fläche wider und nicht nur die belasteten Gebiete. Für die Ausgestaltung stimmten sich die Bundesländer untereinander ab.

Beprobt wird das oberflächennahe Grundwasser, je nach Grundwasserstand in 5 bis 20 m Tiefe. In diesen Tiefen zeigen die Werte menschliches Handeln, also die Nitratausträge aus der Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche auf. Je tiefer man misst, um so größer ist der Einfluss geologischer oder hydrogeologischer Effekte (u.a. Nitrat-...


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