Qual der Wahl bei den Gerstensorten im Süden

Bei der Sortenwahl gilt es, je nach Verwertungsrichtung und Krankheits- bzw. Virusdruck der Flächen, die passende Kombination bei den jeweiligen Eigenschaften zu finden. Resistenzen werden dabei immer wichtiger. Welche Sorten sich empfehlen, weiß unser Autor.

Süddeutschland mit seinen heißen und trockenen Sommern, die häufig zu einer kurzen Kornfüllungsphase mit beschleunigter Abreife führen, ist nach wie vor ein Hauptanbaugebiet für zweizeilige Wintergerste. Den allergrößten Anteil setzen Landwirte in der Mast ein, nur ein kleiner Teil (2%) erfährt als Winterbraugerste eine andere Art von Veredelung. Trotz des etwas niedrigeren Ertrages stehen die Zweizeiler auf mehr als 80% der Wintergerstenfläche. Diese Beliebtheit beruht vor allem auf der besseren Strohstabilität und Kornqualität, was einen etwas intensiveren Anbau besonders für viehhaltende Betriebe ermöglicht.

Neuere mehrzeilige Sorten haben aber inzwischen ebenfalls gute Kornqualitäten bei ordentlicher Standfestigkeit zu bieten. Welche Sorten sich im Wettbewerb um eine offizielle Anbauempfehlung besonders hervorheben, zeigen die Landessortenversuche (LSV) in Bayern.

Sortenversuche in Bayern

In Bayern gibt es getrennte Versuche für zwei- und mehrzeilige Wintergersten, da Wert darauf gelegt wird, jede der beiden Formen hinsichtlich Düngung und Pflanzenschutz optimal zu behandeln. Die Bestandesführung bei den zweizeiligen Sorten zielt auf eine höhere Bestandesdichte ab, die Mehrzeiler sollen mit moderater Halmzahl und großen Ähren ihren Ertrag bringen.

Die Versuche wurden in zwei Behandlungsstufen durchgeführt. In der Stufe 1 wird auf Fungizide verzichtet und Wachstumsregler reduziert eingesetzt, in Stufe 2 werden Fungizid- und Wachstumsreglermaßnahmen ortsüblich durchgeführt. Die Düngung erfolgt in beiden Stufen ebenfalls ortsüblich.

Das mehrzeilige Sortiment war in Bayern 2019/2020 auf sechs Standorten angelegt. Leider ließen sich zwei davon wegen witterungsbedingter Ausfälle nicht auswerten. Der Versuch für die zweizeiligen Wintergersten wurde an neun Standorten angelegt, davon fielen ebenfalls witterungsbedingt insgesamt vier Orte für die Auswertung aus.

Eigene Versuche für Winterbraugersten

Im Bundesland mit der größten Anbaufläche für Braugerste in Deutschland gibt es schon seit Jahren eigene Versuche, um Winterbraugersten zu prüfen. An vier der LSV-Standorte werden die Sorten mit reduzierter N-Düngung angebaut, um den Eiweißgehalt für eine gute Malzqualität gering zu halten. Damit ist ein guter Vergleich von Erträgen und Qualitäten der Winterbraugersten möglich. Zum Anbau empfehlen wir Winterbraugerstensorten, bei denen die Braugerstengemeinschaft die gute Verarbeitungsqualität bestätigt.

Viruskrankheiten nehmen zu

Durch die milde Winterwitterung traten in den letzten Jahren Verzwergungsvirosen verstärkt auf. Die Maßnahmen, die man gegen diese Krankheit treffen kann, sind sehr eingeschränkt. Insektizide Beizen sind nicht zugelassen. Eine Insektizidbehandlung im Herbst kann die Blattläuse als Überträger des Gerstengelbverzwergungsvirus kontrollieren, aber nicht die Zikaden, die für das in Gerste ebenfalls häufig auftretende Weizenverzwergungsvirus verantwortlich sind. Gegen letzteres gibt es derzeit keine Resistenz in den Sorten, wohingegen immerhin vier Sorten auf dem Markt sind, die eine Resistenz gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus tragen. Diese Sorten reichen aber im Ertragsvermögen noch nicht an die empfohlenen Sorten heran. In gefährdeten Regionen oder bei sehr früher Saat können Sie aber immerhin auf solche Sorten zurückgreifen. Ansonsten bleibt nur, den Saattermin soweit wie möglich hinauszuschieben, damit es den Insekten für größere Aktivität zu kalt ist.

Blattgesundheit rückt in den Vordergrund

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Forderungen nach Reduzierung bzw. Einstellung von Pflanzenschutzmaßnahmen, die in Bayern 2019 im Volksbegehren „Rettet die Bienen“ Ausdruck gefunden haben, ist es heute wichtiger denn je, bei der Sortenwahl auf Resistenzen gegen die wichtigsten Krankheitserreger zu achten. Auch legen einige Marktpartner inzwischen schon besonderen Wert auf eine nachhaltige Erzeugung der Rohstoffe.

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