Raps – mit weniger Stickstoff zum Ziel Premium

Die scharfen Vorgaben der DüV machen ein punktgenaues Düngen Ihrer Rapsbestände erforderlich. Hinweise zur N- und S-Düngung gibt Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen.

Raps entwickelt sich immer mehr zur Problemfrucht. Die Erträge fielen in den letzten beiden Jahren in vielen Betrieben deutlich unter die 4 t-Marke. Zudem stagniert der Rapspreis auf einem geringen Niveau, sodass die Wirtschaftlichkeitsanalyse für die Kultur derzeit schlecht ausfällt. Die Folge ist, dass viele Landwirte den Rapsanbau – auch wegen der Trockenheit im letzten Herbst – bundesweit einschränken. Betroffen vom Sinkflug sind vor allem die anbaustarken Bundesländer im Norden.

Wegen der DüV wird zudem die Düngeplanung immer kniffeliger (siehe Standpunkt). Mehr denn je kommt es darauf an, die Dünger effizient anzuwenden.

Am Anfang steht die DBE:

Das neue Düngerecht verpflichtet jeden Landwirt, vor der Düngung im Frühjahr eine Düngebedarfsermittlung (DBE) vorzunehmen. Mittlerweile gibt es dafür vielfältige EDV-Lösungen am Markt. Sie können jedoch die einfache Planung nach wie vor auch auf einem Blatt Papier vornehmen.

Und so funktioniert‘s: Einheitlich bewirtschaftete Schläge lassen sich zu Schlageinheiten zusammenfassen. Der Bedarfswert (früher Sollwert) liegt beim Raps auf Basis des Referenzertrages von 40 dt/ha bei 200 kg/ha Stickstoff. Dieser Wert entspricht dem alten Sollwert der LWK Niedersachsen.

Neu ist, dass Sie diesen Bedarfswert an den Ertrag anpassen müssen. Dabei zählt der dreijährige Betriebsdurchschnitt. Falls aber der Durchschnittsertrag im letzten „Dürre“-Jahr um mehr als 20% geringer ausgefallen ist, können Sie auf eine Absenkung des Durchschnittsertrags in diesem Jahr verzichten. Die Abweichung muss man jedoch belegen können – in der Regel über die Erträge in der Buchführung.

Bei geringerer Abweichung des Ertrages ist der Bedarfswert aber zu korrigieren (+10 kg N/ha je 5 dt/ha mehr Ertrag bzw. -15 kg/ha je 5 dt/ha weniger). In den meisten Betrieben werden wegen der geringeren Erträge eher Abschläge erforderlich sein. Zusätzlich zur Ertragskorrektur ist noch Folgendes zu berücksichten:

  • Der im Vorjahr zur Vorfrucht und der im Herbst gedüngte organische Dünger ist jeweils zu 10% vom Gesamt-N abzuziehen. Wer demnach vorherigen Weizen im Frühjahr mit 100 kg Gesamt-N je ha gedüngt hat und seinem Raps im Herbst nochmals 60 kg Gesamt-N/ha verabreichte, muss folglich 16 kg N/ha vom Bedarfswert abziehen. Achten Sie allerdings auf die Regelungen in Ihrem Bundesland. In den meisten Ländern muss man die Herbstdüngung nicht grundsätzlich im Frühjahr anrechnen.
  • Auf humosen Böden (Humusgehalt über 4%) gilt laut DüV ein Abschlag von 20kg/ha.

Der berechnete Bedarfswert stellt eine gesetzliche Obergrenze der Düngung dar. Problematisch wird die Situation in diesem Jahr vor allem für Standorte, die mehrjährig niedrige Erträge eingefahren haben. Denn in diesen Fällen sinkt der Bedarfswert ein weiteres Mal.

Wie Sie den Düngebedarf beispielhaft ermitteln, entnehmen Sie der Übersicht 1. Darin liegt der korrigierte Bedarfswert bei 185 kg N/ha. Von diesem Wert ist nun der Nmin-Gehalt in 0 bis 90 cm Bodentiefe abzuziehen. Dabei können Sie den Nmin-Richtwert der zuständigen Behörde übernehmen oder eigene Nmin-Proben zu ziehen.

Nmin Werte können überraschen:

Wegen der Trockenheit, des sehr milden Herbstes und bei weiterhin eher trockener Winterwitterung kann es beim Nmin-Wert auf vielen Schlägen zu Überraschungen kommen. Vermutlich liegen die Gehalte im Mittel deutlich über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Das gilt auch unter gut entwickelten Rapsbeständen auf Standorten mit hohen Mineralisationspotenzialen.

Vor Winter lagen die Werte auf einigen Standorten in einer Tiefe von 90 cm bei 60 bis 100 kg N/ha. Dass Nährstoffe über Winter unter Raps auswaschen, ist eher nicht zu erwarten. Jedoch könnte die Strohrotte, die im Herbst erst spät einsetzte, einen Teil des Stickstoffs noch immobilisieren und damit wieder festlegen.

Üblicherweise nimmt der Raps den Stickstoff im Herbst/Winter fast vollständig auf, sodass Sie im Mittel mit „verbleibenden“ Nmin-Werten von 20 bis 30 kg/ha rechnen können. Häufig beeinflusst die Herbstdüngung den Nmin-Gehalt nur sehr gering.

Empfehlungen zur N-Strategie:

Zieht man den ermittelten Nmin-Wert von dem im Beispiel genannten Bedarfswert von 185 kg N/ha ab (siehe Übersicht 1), ergibt sich abzüglich der N-Nachlieferung aus der organischen Düngung (im Beispiel 20 m3/ha Gärrest) ein mittlerer Düngebedarf von 145 kg N/ha.

Inwieweit der von...

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Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

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