Raps: Strategien gegen Rüssler, Glanzkäfer und Co.

Den Befall exakt ermitteln und bei Überschreiten der Schadschwelle gezielt behandeln – wie das am besten geht, zeigen unsere Autoren.

Es dauert nicht mehr lange, dann sind die ersten Schädlinge wieder im Raps unterwegs. Bereits im Februar können Große Rapsstängelrüssler und Gefleckte Kohltriebrüssler an wärmeren Tagen in die Bestände fliegen. Daher ist es angeraten, den Zuflug frühzeitig mit Gelbschalen zu überwachen (siehe Zusatzinfo „Kontrolle“).

Behandeln Sie nur dann, wenn die jeweiligen Bekämpfungsrichtwerte überschritten werden. Denn dann können Sie zum einen die kostenlose Arbeit der Nützlinge nutzen und zum anderen beugen Sie damit Resistenzen vor (siehe Zusatzinfo „Gegenspieler“). Ist ein Insektizideinsatz erforderlich, ist es wichtig, auf die Auflagen der Mittel und den Bienenschutz zu achten (siehe Zusatzinfo „Strategie“ auf Seite 116).

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Kontrolle

Gelbschalen früh aufs Feld!

Schon wenige warme Tage im Frühjahr reichen aus, um Große Rapsstängelrüssler und Gefleckte Kohltriebrüssler aus dem Winterlager zu locken. Um den Zuflug der Rüssler sicher zu erfassen und eine Insektizidmaßnahme gezielt platzieren zu können, müssen Gelbschalen rechtzeitig vor einer milden Witterungsphase im Bestand stehen. In den Jahren 2019 und 2021 begann der Zuflug bereits Mitte Februar! Damit die Befallsüberwachung zuverlässig funktioniert, sollten Sie Folgendes beachten (siehe Übersicht 1):

  • Füllen Sie die Gelbschale maximal halb voll mit Wasser und einigen Tropfen Spülmittel. Die Form (rund oder eckig) spielt keine Rolle.
  • Stellen Sie zwei bis drei Gelbschalen pro Schlag an verschiedenen Seiten auf (im Bestand ca. 20 m Abstand zum Feldrand). Berücksichtigen Sie dabei auch die Zuflugrichtung der Käfer – diese kommen meist von vorjährigen Rapsschlägen, dem Waldrand oder aus Hecken.
  • Die Gelbschale muss für anfliegende Rüssler gut sichtbar im Bestand stehen. Sie ist mit fortschreitendem Längenwachstum der Höhe der Triebspitzen anzupassen.
  • Gitterabdeckungen sind unbedingt erforderlich, denn sie vermeiden den Fang von Bienen, Hummeln und anderen Nützlingen.
  • Kontrollieren Sie die Gelbschale bei Temperaturen >10°C alle zwei bis drei Tage.
  • Lassen Sie die Gelbschale nach der ersten Zuflugphase stehen und kontrollieren Sie auch danach regelmäßig – ein weiterer Zuflug ist möglich.

Aufgrund des Schadpotenzials und zu erwartender Ertragseinbußen unterscheiden sich die Bekämpfungsrichtwerte der Rüsslerarten, wie die Übersicht 2 zeigt. Zählen Sie die Rüssler daher getrennt aus. Am einfachsten ist die Artbestimmung übrigens bei trockenen Tieren: Der Große Rapsstängelrüssler ist gänzlich grau und hat schwarze Füße. Der Gefleckte Kohltriebrüssler sieht dagegen durch ungleichmäßig verteilte Schuppen fleckig aus. Außerdem hat er einen hellen Fleck auf dem Rücken und rötliche Füße.

Dr. Meike Brandes,Julius Kühn-Institut (JKI)

Gegenspieler

Nützlinge – kostenlos und effektiv

Neben den zahlreichen Schädlingen in den Rapsbeständen finden sich dort auch viele Nützlinge, die stark in die Populationsentwicklung der Schädlinge eingreifen können. Vor allem im Frühjahr und Sommer herrscht hohe Aktivität, da zu dieser Zeit viel Nahrung verfügbar ist. Laufkäfer und Kurzflügelkäfer sowie deren Larven fressen Eier und Larven der Schädlinge. Auch Spinnen reduzieren die Schädlingsdichte, indem sie mit ihren Netzen z.B. Kohlschotenmücken, aber auch Käfer und Larven erbeuten.

In einem Feldversuch bei Braunschweig wurden in BBCH 63 bis 67 über zwei Wochen 32 Spinnen, 28 Laufkäfer und 213 Kurzflügelkäfer pro m² nachgewiesen. Zudem sind verschiedene Schlupfwespenarten auf Rapsschädlinge spezialisiert. Einige der Schlupfwespen bevorzugen die Eier und Larven, andere parasitieren adulte Schädlinge und töten sie ab. Die Parasitierungsraten beim Rapsglanzkäfer können über 80% betragen. Die Schlupfwespen schwirren zur Zeit der Blüte um die Blütenstände – und werden leider häufig mit der Kohlschotenmücke verwechselt. Die Folge sind unnötige Behandlungen, die noch dazu die Schlupfwespenpopulation negativ beeinflussen können. Dadurch können sich auch die Schädlinge verstärkt vermehren. Deutlich unterscheiden lassen sich die Schlupfwespen anhand ihrer Wespentaille, die die Kohlschotenmücke nicht aufweist.

Begehrte Wirte verschiedener Schlupfwespenarten sind auch die Larven von Großen Rapsstängelrüsslern, Gefleckten Kohltriebrüsslern, Kohlschotenrüsslern und Rapserdflöhen. Neben Räuberfraß und Parasitierung spielen Pilz- oder Nematodenbefall, aber auch weitere Einflussfaktoren wie z.B. Trockenheit oder Nässe eine bedeutende Rolle bei der kostenlosen Schädlingsreduktion....