Weizensorten Nord – Resistenzen im Fokus

Anders als in den vergangenen Jahren rückten die Niederschläge im Mai und Juni die Fußkrankheiten wieder verstärkt in den Vordergrund. Die immer engere Wirkstoffpalette bei den Fungiziden zwingt mehr denn je zur Wahl angepasster, gesunder Sorten.

Die Anbaufläche von Winterweizen stieg in Deutschland zur Aussaat 2020/21 wieder um 3% auf insgesamt 2,8 Mio. ha. Der Weizen bleibt damit mit etwa 47% Anteil an der Getreideanbaufläche die wichtigste Getreideart. Die derzeit hohen Preise werden voraussichtlich auch zur nächsten Aussaat dazu beitragen, dass der Weizen weiter an Anbauumfang zunimmt.

Die Erträge hingegen konnten in diesem Jahr nicht auf allen Standorten überzeugen. Die vergleichsweise hohen Niederschläge im Mai und Juni führten häufig dazu, dass vor allem die Fußgesundheit der Bestände den Ertrag beeinflusste. Neben der Schwarzbeinigkeit, die besonders in Stoppelweizen verstärkt auftrat, war vielfach auch ein stärkerer Halmbruchbefall zu beobachten. Hier zeigten sich Sortenunterschiede besonders deutlich. Daher muss die Gesundheit bei der Sortenwahl einen hohen Stellenwert behalten.

Die Klimaveränderung trägt darüber hinaus dazu bei, dass auch andere Aspekte, wie die Reife oder die Standfestigkeit, mehr als bislang beachtet werden müssen. Hätte nicht der Schnee im Februar die Saaten bedeckt, hätte der Frost auch die Winterfestigkeit mal wieder auf die Probe gestellt. Daneben bleiben natürlich die Ertragsfähigkeit sowie die Qualität eine entscheidende Größe bei der Sortenwahl. Die Qualitäten dieser Ernte spiegeln erstmalig die Auswirkungen der verschärften Düngeverordnung wider. Es wird daher spannend, ob die Märkte gute Qualitäten in Zukunft besser als bisher honorieren.

Die Züchter flüchten sich derweil verstärkt in die Hybridweizenzüchtung und hoffen hier, den Weg zu mehr Sortenleistung sowie besserer Honorierung für ihre Arbeit zu finden. Bislang war dies jedoch kaum erfolgreich, denn die Hybrideffekte halten sich beim Selbstbefruchter Weizen in engen Grenzen.

Neuere Sorten erobern Fläche

Der Umfang der Vermehrung ist ein guter Indikator für die Anbaubedeutung einer Sorte (Übersicht 1). RGT Reform stand dabei in den letzten Jahren in Deutschland unangefochten an der Spitze. Seine Attribute sind vor allem konstante Erträge, Gesundheit, Standfestigkeit und eine stabile Fallzahl. In diesem Jahr hat jedoch die mittelfrühe Sorte Asory (A) Reform abgelöst. Hier eine Einordnung:

  • Asory hat vor allem in den trockenen Jahren durch seine frühe Abreife im Ertrag überzeugt. Zudem ist Asory sehr gesund. Seine Schwäche ist jedoch die Standfestigkeit und in Folge einer Rassenverschiebung auch eine zunehmende Anfälligkeit gegenüber Gelbrost.
  • Mit einer Zunahme von über 1000 ha hat Chevignon (B) den größten Schritt in der Hitliste der vermehrungsstärksten Sorten gemacht. Chevignon punktet neben seiner guten Ertragsleistung ebenfalls durch seine frühe Reife, gute Standfestigkeit und Gesundheit. Seine Schwäche ist vor allem die geringere Winterhärte sowie seine höhere Anfälligkeit gegenüber Halmbruch und auch Schwarzbeinigkeit.
  • Informer (B) hat im Vergleich zum Vorjahr aufgrund seiner späten Abreife und schlechten Druschfähigkeit um mehr als 1000 ha Fläche eingebüßt. Allerdings zeigte die Sorte auch in diesem Jahr eine überdurchschnittliche Blattgesundheit und kann nach ersten Ergebnissen auch wieder auf schwächeren Standorten im Ertrag überzeugen.
  • Campesino (B) hat sich mit einer weiteren Zunahme in der Spitzengruppe stabilisiert. Campesino ist ebenfalls ein ertragsstarker, früher, gesunder und auch standfester Weizen, der nach Untersuchungen aus Bayern sogar nach Mais angebaut werden kann. Denn seine Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium sind dort besser als 5 (Einstufung nach BSL) bewertet.
  • In der Spitzengruppe liegen weiterhin die E-Weizen Ponticus, KWS Emerick sowie die A-Weizen LG Charakter (+ 1000 ha Vermehrungsfläche), RGT Depot und LG Initial. Letzterer büßte, ähnlich wie Informer, viel Fläche ein, zeigte jedoch in diesem Jahr seine Vorzüglichkeit als Stoppelweizen mit guter Fußgesundheit. ▶

Robuste Sorten sparen...