Ökologische Vorrangflächen

Agrarforscher empfehlen 10% Brache

Mit der kommenden EU-Agrarreform werden die Vorschriften für ökologische Vorrangflächen umgestaltet. Agrarforscher empfehlen 10% Brache und eine bessere Vernetzung von Schonstreifen.

Die Wirksamkeit der ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) auf die biologische Vielfalt und ihre bundesweite Umsetzung haben das Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) und das Thünen Institut in zwei Forschungsprojekten im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) untersucht. Im Ergebnis stellen sie der bisherigen Gestaltung der ökologischen Vorrangflächen ein schlechtes Zeugnis aus. „Im Ergebnis zeigen diese seit 2015 durchgeführten Untersuchungen, dass die Ökologischen Vorrangflächen in der bisherigen Form insgesamt keinen Mehrwert für die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften erbracht haben“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel.

Bessere Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Um den Rückgang der biologischen Vielfalt in der EU aufzuhalten, fordern die Autoren effektivere Maßnahmen sowohl im Umfang als auch in der Qualität. Einfach möglich seien zum Beispiel eine größere Mindestbreite und bessere Vernetzung von Blüh- und Schonstreifen. Das erfordere zugleich eine übergreifende Zusammenarbeit von Umwelt- und Naturschutz und Landwirtschaft. „Die ist leider immer noch nicht selbstverständlich“, sagte Jessel.

Das sind die zentralen Empfehlungen aus den Studien:

  1. Deutlich positive Effekte für die Artenvielfalt werden erst ab einem Anteil von mindestens 10% hochwertiger ÖVF wie Brache- und Blühflächen, Pufferstreifen und Landschaftselemente erreicht. Derzeit liegt zum Beispiel der Anteil der Brachen am Ackerland lediglich bei rund 3%.
  2. Für Arten der Offenlandschaft wie der Feldlerche bedarf es zusätzlich sogenannter in-crop-Maßnahmen, das heißt produktionsintegrierter Maßnahmen wie dem Anbau von Getreide mit doppeltem Saatreihenabstand ohne Pestizid-Einsatz und mit reduzierter Düngung.
  3. Analog zum Ackerland bedarf es im Grünland hochwertiger ÖVF. Eine Bewirtschaftungsruhe von mindestens acht Wochen im Frühjahr / Frühsommer sollte auf einem Mindestanteil des Grünlandes eingehalten werden, um zum Beispiel Bodenbrütern die erfolgreiche Fortpflanzung zu ermöglichen.
  4. Für viele Arten ist die Über- oder Mehrjährigkeit der Maßnahmen wichtig: So sollten angelegte Blühflächen unbedingt über den Winter bis in den Folgesommer bestehen, damit Tiere dort überwintern können und im Frühjahr Nist- und Brutmöglichkeiten vorfinden.
  5. Die ökologische Wirksamkeit von ÖVF wird auch durch Verwaltungsvorgaben beeinflusst: So sollten administrative Mindestvorgaben wie zum Beispiel das jährliche Mulchen der kompletten Brachflächen gestrichen und die Kombination von ÖVF mit Qualifizierungsmaßnahmen der zweiten Säule der GAP für die Landwirtinnen und Landwirte erleichtert werden.
  6. Die Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte zur Umsetzung von mehrjährigen und lagetreuen Brachen sollte durch den Abbau bürokratischer Hemmnisse erhöht werden. Mehrjährige und lagetreue Brachen sind von herausragender Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität in Ackerbaulandschaften.

Die Publikation „Biodiversität in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU nach 2020“ gibt es als PDF-Datei hier zum Download.

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Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

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Der Wettbewerb ist ausgebrochen: Wer fordert am meisten? Bleibt die Frage, ob bei 100% aufgehört wird.

von Erwin Imschloss

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von Gerhard Steffek

mmmmhhh???

Wie sieht es aus mit dem Verlust der Biodiversität in den Städten? Davon redet ja keiner. Oder rechnet man die darin rumlaufenden Zweibeiner zu den biodiversen Rindviechern, Ochsen, Hühner, Füchsen, Maulwürfen oder Vögel (mitunter darunter ganz schön Schräge) auch dazu? Dann ... mehr anzeigen

von Heinrich Esser

@Gerner

Ich werfe für Geld ja nicht meine Ethik über Bord, für mich gehört es nun mal dazu, dass man als Landwirt auch etwas für die Natur tut, wenn man schon so in einen Lebensraum eingreift. Die Förderung sorgt natürlich dafür, dass es leichter fällt, denn auch mein Betrieb lebt nicht ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Stimmt, das Antworten auf eigene Kommentare haben andere Foren besser gelöst. Und Zeilenumbrüche wären ein Traum.

Ich bin auch dafür, dass jeder etwas tut, aber das sollte jeder selbst abwägen dürfen. Ich arbeite auf Grenzertragsflächen, wo es kein riesiger Verlust ist, nicht an der Oberkante zu produzieren. Daher habe ich auch Blühflächen, Stilllegung, Pflege von Magerrasen, Luzerne, auf 1,5 ... mehr anzeigen

von Kurt Brauchle

Indisches Springkraut

ist bei uns in der Region an zu vielen Orten mittlerweile die dominante Pflanze. Sieht zwar während der zur Zeit stattfindenden Blüte schön aus, und taucht kilometerlang Bachläufe Waldränder und Lichtungen in weiß,rosa,lila Farben,ist aber für die restliche Flora und Fauna nutzlos. ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Bitte, bitte, das Jacobskreuzkraut nicht vergessen.

Das wächst bevorzugt auf Extensivweiden, ist aber auch an Autobahn-und Srassenrändern ausgesät worden, wegen der Bienen. Der Honig musste dann aber in der Biogasanlage entsorgt werden. Komisch nur, dass diese Schlaumeier immer mehr werden.

von Kurt Brauchle

Irgend wie

Muss der Nabu wie unlängst verlautbart zu 100000 km2 Zukunftsfläche kommen. (Ironie off)

von Heinrich Esser

10% sind durchaus machbar

Natürlich müsste der Verzicht auf Produktion mit einer Entlohnung gekoppelt werden, dies fordern die Wissenschaftler ja bereits seit einigen Jahren. In NRW beträgt die Förderung für Bracheflächen 1.150 €/ha, der Deckungsbeitrag ist also konkurrenzfähig mit den meisten ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Für Geld

jede Ethik über Bord werfen? Warum die Ressource Fläche verschwenden, wenn damit Menschen ernährt und/oder fossile Energie ersetzt werden kann?

von Wilhelm Grimm

Ein Volk mit zu viel Raum,

wird jeder Hungernde denken. Ein gelobtes Land !

von jörg Meyer

nicht mehr nachvollziehbar

Da gab es schon mal 10 % Flächenstillegung, die wurde wieder abgeschafft, die letzten Jahre hat man uns vieles an Umweltschädigenden vorgeworfen als Landwirtschaft und nun wieder 10 % Stillegung unter der Bezeichnung Brache! Anstatt Agrarwissenschaftlern sollten sich ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

@Jörg Meier

Richtig! Wir haben mittlerweile zu viele "Luxusberufler", die eine arbeitsmäßige Bleibe brauchen. Darum wird an allen Ecken und Kanten eine Beschäftigung oder Bestätigung gesucht. Der Irrsinn treibt seine Blüten. Es ist aber auch der Untergang eines jeden gesunden wirtschaftlichen ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Ergänzen sollte man unbedingt eine Forderung 7:

Den Erhalt des Rapsanbaus im Umfang vergangener Jahre. Er erhöht durch das reiche Nahrungsangebot signifikant das Vorkommen und die Vielfalt der Insekten. Um das zu ermöglichen, müssen die Beimischungsquoten rauf, wichtige PSM und da insbesondere die hocheffizienten und schonenden ... mehr anzeigen

von Klaus Fiederling

Werter Herr Gerner,

100 % Zustimmung zum Inhalt, danke dafür. // Sie selbst werden unter diesem Artikel bisher mit 4 Kommentaren/Anmerkungen vorstellig - ich habe alles in einen Kommentar gepackt; finde den Unterschied. Nun ja, vielleicht sind Sie ja auch einfach der eloquentere Bauer, ein respektvolles ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

wenn der Staat die Brache anständig

bezahlen würde mit 1500€ /ha wäre dies kein Problem. Dann könnten wir auch gleich 30% der Agrarfläche als Brache anlegen. Nahrungsmittel sind anscheinend in unserer Gesellschaft nicht mehr gefragt.

von Andreas Gerner

Für uns Bewirtschafter selbst erst mal kein Problem.

Aber ethisch ein Desaster. Und was das am Pachtmarkt hieße, möchte ich mir nicht ausmalen.

von Gerhard Steffek

Nicht einmal mehr 50 % der Bundesrepublik sind landwirtschaftliche Nutzfläche -

und da sollen dann auch nochmal 10 % für Brachen abgezweigt werden? Sind sich die Herrschaften da schon im Klaren darüber, was das für die eigene Versorgungssicherheit bedeutet? Ja ok, dann klappen wir halt die Biogasanlagen zusammen und produzieren stattdessen wieder Lebensmittel. Ist ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Da sehe ich den großen Nutzen von Glyphosat nicht.

Ich arbeite seit langem mit mehrjährigen Brachen. Im Anschluss mulchen, Pflug und eine Konkurrenzstarke Folgefrucht (Weizen, Mais...) mit ausreichend Möglichkeiten zur Bekämpfung in der Kultur reichen völlig aus. Das Problem sind auch weniger die adulten Pflanzen, sondern das über ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Mehrjährige Brachen wieder in Kultur zu bringen, wird viel zu teuer.

Ich mache das nie wieder oder nehme Glyphosat.

von Klaus Fiederling

Der Weisheit letzter Schluss?

10 % Brachen werden wissenschaftlicherseits empfohlen, die nicht zur Nahrungsmittelproduktion gebraucht werden; verdeutlicht das in einer ganz unmissverständlichen Kommunikation gegenüber allen Flächeneigentümern und übt ein solches Diktat nicht einsam alleine nur gegenüber den ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Ich mag Ihre langen Ausführungen nicht, aber hier haben Sie wieder mal zu 100% Recht.

.

von Andreas Gerner

Zu Forderung 2

Ich nehme an dem Projekt selbst teil. Die Effekte sind auf den ersten Blick sichtbar. Aber speziell für die enannte Feldlerche kann kein Nutzen entstehen, da die bei uns in JEDEM ACKER (außer striegelnde Bio) zahlreich vorkommen. Daher auch die hohe Dichte an Rohr- und Wiesenweihen.

von Gerhard Steffek

Die Erkenntnisse eines Praktikers -

zählen hier aber nicht. Um darüber richtig Bescheid zu wissen, muß man ja schließlich studiert haben. Und sei dieses Studium noch so unsinnig in dieser Hinsicht, der ist auf alle Fälle klüger. Dem Dunning-Kruger-Effekt sei Dank, daß dieses Phänomen der Besserwisser heute zumindest ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Denken die "Agrarforscher" zu Ende?

10% Brache bedeutet, dass auf 10% keinerlei Produktion stattfindet! Die entstehende Lücke (Deutschland schafft ohne hin schon nur noch 88% Selbstversorgungsgrad, eher weniger, da die Zahlen von 2018 sind) muss zwingend von jemand anderem gestopft werden. Auf den Flächen in Deutschland ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Produktionsverlagerung?

Interessiert das? Aus den Augen aus dem Sinn! Diese Einstellung ist doch reihum gang und gäbe. Oder wie es auch so schön heißt: "heiliger Sankt Florian, verschon unser Haus, zünd andere an". Hier im wahrsten Sinne des Wortes. __ __ Aber was will man von Schmalspurexperten, die nur mit ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Spaß muss sein und die "richtigen Gutachten" sind für das BfN kein Problem.

Mehrjährige Brachen erfordern Glyphosat, !

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