top agrar plus Fachwissen Pflanzenbau Teil 16 von 24

Alles, was Sie über die Pflanzenwurzel wissen müssen

Krankheiten zu vermeiden und hohe Erträge zu sichern sind gute Gründe für bestimmte Kulturen in der Fruchtfolge. Ein anderer, bislang unterschätzter Faktor, ist die Wurzel.

Unsere Autoren: Dr. U. Kropf, Fachhochschule Kiel, Prof. Dr. H. Schönberger, N.U. Agrar

Was Wurzeln in der Kulturfolge leisten, bildet die Basis des Fruchtfolgeertrages. Gut verzweigte Wurzeln strukturieren den Boden und erschließen die pflanzenverfügbaren Nährstoffe. Tief wachsende Wurzeln folgen dem abziehenden Wasser und stabilisieren das Porengefüge, in denen später überschüssiges Wasser in die Tiefe abgeleitet wird.

Das Dickenwachstum von Rüben oder Rettichen verdrängt und komprimiert den Boden zwischen den Rüben. In die Hohlräume, die sich durch das Wachstum gebildet haben, fällt bei der Bodenbearbeitung lockere Erde. So entstehen nebeneinander verdichtete und lockere Kompartimente, die unter der nachfolgenden Kultur erst wieder eine tragfähige und kapillarfähige Krume bilden müssen. Berücksichtigen Sie also Bedürfnisse und Folgen des Wurzelwachstums in der Fruchtfolge.

Wurzeltiefgang: Wer wurzelt tief?

Zweikeimblättrige Kulturen mit einer zentralen Pfahlwurzel dringen ohne Störhorizont (Verdichtungen, Brocken, Strohmatten, Überlockerungszonen) in tiefere Bodenschichten vor. Mehrjährige Kulturen sind in dieser Hinsicht besser zu beurteilen als einjährige, bestandesbildende (Ackerbohnen, Winterraps) besser als Reihenkulturen (Rüben, Sojabohnen).

Ein tiefreichendes Wurzelsystem bildet z.B. mehrjährige Luzerne. Nach einer ausreichend tiefen Lockerung und über Schrumpfungsrisse (Austrocknung, Sommergare) stabilisiert und erschließt Luzerne den Unterboden bis zu 2 m tief. Die so geschaffenen Wurzelkanäle und Kapillarität können Folgefrüchte nutzen. Tief und strukturverbessernd wurzeln auch Lupinen und Ackerbohnen als Hauptfrucht durch die verholzte Pfahlwurzel und die teils kräftigen Seitenwurzeln (Lupine).

Raps hat mit dem züchterisch verkürzten Sprosswachstum und infolge von Unterbodenverdichtungen durch schwere Lasten etwas an Wurzeltiefgang eingebüßt. Die Tiefendurchwurzelung des Raps fördert man am besten durch eine angepasste Bodenbearbeitung (mit vertikal arbeitenden Werkzeugen), kombiniert mit Einzelkornsaat und Tiefendüngung. Lange Zentralwurzeln bilden auch Zuckerrüben und Sonnenblumen. Durch die weite Reihe und geringe Pflanzendichte wirken diese aber weniger strukturverbessernd.

Wurzeldichte: Mehr Wurzeln im Kurztag

Einkeimblättrige Gräser (Getreide, Mais, Sorghum, Ackergras) haben ein System aus mehreren gleichrangigen (allorhizen) Hauptwurzeln, die in verschiedene Richtungen wachsen, sich verzweigen können und damit eine intensive Durchwurzelung der Krume erreichen. Schadverdichtungen und lokal hohe Nährstoffkonzentrationen beeinflussen die Wurzelmorphologie stark und können zu flachen, tellerartigen Wurzelballen führen, die Trocken- und Hitzestress verstärken.

Kleinkörnige Leguminosen (Klee-Arten) und Phacelia können selbst in der kurzen Zeitspanne als Zwischenfrucht die gesamte Krume mit einem dichten Wurzelgeflecht durchziehen. Die Wurzelbildung der Zwischenfrüchte profitiert durch den Kurztag ab Ende September. Im Langtag werden Spross- und Blütenbildung begünstigt. Die im Juli/August gesäten und im Langtag aufgelaufenen Zwischenfrüchte blühen oft noch im Herbst – sie bilden dann aber mehr oberirdische Masse und im Vergleich dazu weniger Wurzeln. Ab Ende September im Kurztag gesäte Zwischenfrüchte bilden dagegen mehr Wurzeln und weniger oberirdische Masse. Wintergetreide hat deshalb auch ein besseres Wurzelsystem als Sommergetreide.

Während man den wasserhaltigen oberirdischen...

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