BASF auch an Syngenta interessiert

Der erneute Vorstoß von Monsanto, den Schweizer Wettbewerber Syngenta übernehmen zu wollen, hat in der Branche die Angriffslust geweckt. Wie das Handelsblatt berichtet, sondiert nun auch BASF eine Übernahme des Pflanzenschutzmittel- und Saatgutherstellers.

Der erneute Vorstoß von Monsanto, den Schweizer Wettbewerber Syngenta übernehmen zu wollen, hat die Angriffslust in der Branche geweckt. Wie das Handelsblatt berichtet, sondiert nun auch BASF eine Übernahme des Pflanzenschutzmittel- und Saatgutherstellers.

Sollte dieser Plan möglich werden, wäre das die erste Megaübernahme in der 150-jährigen Konzerngeschichte. Immerhin müssten für die Schweizer schon deutlich mehr als 45 Mrd. Dollar auf den Tisch gelegt werden. Zudem würde BASF eine Bieterschlacht eröffnen, da Monsanto nachlegen wird. Geld haben die Firmen jedenfalls genug: Seit der Finanzkrise hatten alle Konzerne Risiken gescheut und ihre Übernahmebestrebungen gebremst. Somit sind die Kriegskassen derzeit rekordverdächtig gefüllt.
 
Am Aktienmarkt stößt der mögliche Deal allerdings bisher auf wenig Begeisterung, so die Zeitung weiter. Vor allem, weil ein Bietergefecht den schon jetzt hohen Preis weiter in die Höhe treiben könnte. In Finanzkreisen geht man daher davon aus, dass der Monsanto-Konzern seine bisherige Offerte von mehr als 45 Mrd. Dollar noch erhöhen wird. Schon dieses Angebot bewertet Syngenta mit dem 30-Fachen des Gewinns. Der Kurs der BASF-Aktie sank bis zum Donnerstagnachmittag um rund eineinhalb Prozent.

BASF würde mit der Übernahme ihr Agrochemiegeschäft in eine neue Dimension bringen und einen neuen Weltmarktführer schaffen. Syngenta setzte im vorigen Jahr umgerechnet rund 13 Mrd. Euro um, die BASF-Agrochemiesparte schaffte im selben Zeitraum nur 5,45 Mrd. Euro Umsatz.
 
So könnte Konzernchef Bock mit der Übernahme auf einen Schlag zur Nummer drei auf dem Weltmarkt für Saatgut werden. Dieses Geschäft fehlt dem Konzern bisher noch; er ist auf die Herstellung von Mitteln zum Schutz von Pflanzen vor Insekten, Pilzen und Unkräutern fokussiert und kooperiert mit Saatgutfirmen. In der weltweiten Landwirtschaft aber ist seit Jahren der Trend zur Nachfrage nach integrierten Angeboten zu beobachten, also nach Paketen von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.
 
Insgesamt gilt das Agrarchemiegeschäft laut Handelsblatt als stetig wachsender Markt, der zudem sehr lukrativ ist: Die großen Anbieter, zu denen auch die Bayer AG gehört, kommen auf deutlich zweistellige operative Margen. Bei BASF lag sie im vergangenen Jahr bei knapp 24 %. Im Vergleich dazu fielen die anderen Geschäfte des Konzerns deutlich zurück.
 
Analysten halten es für wahrscheinlich, dass BASF am Ende nicht den gesamten Syngenta-Konzern übernimmt, sondern Monsanto doch den Vortritt lässt. Später könnten die Ludwigshafener jene Geschäftssparten aufkaufen, die Monsanto veräußern müsste, um die Kartellbehörden milde zu stimmen. Nach dem Deal ist vor dem Deal, so das Handelsblatt.
 
Die Amerikaner jedenfalls können sich offenbar vorstellen, das gesamte Saatgutgeschäft von Syngenta wieder zu veräußern – BASF könnte also auch auf diesem Weg an die begehrte Sparte kommen. Bei einer Komplettübernahme müsste dagegen auch BASF größere Teile des Pflanzenschutzgeschäftes abgeben, denn in diesem Segment ist Syngenta bereits Weltmarktführer. Sonst wäre die Marktmacht am Ende zu groß.

Hintergrund:
Monsanto will Syngenta für 45 Mrd. Dollar kaufen (8.5.2015)

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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