Vortragsveranstaltung der N.U. Agrar GmbH

Bienenschutz mit Robotern

Die Zukunft des chemischen Pflanzenschutzes scheint ungewiss. Welche neuen Methoden künftig helfen können zeigten kürzlich Imker, Landwirte und Berater.

„Unser Feld haben wir in der Regel gut im Griff. Die größeren Herausforderungen liefert aktuell das Umfeld, in dem wir arbeiten“ – dieses Motto zog sich durch die Vortragsveranstaltung der N.U. Agrar kürzlich in Fulda.

Imker erwarten z.B., dass Landwirte ihre Flächen möglichst bienenfreundlich bewirtschaften. Sie sollten dazu auch vorhandene Technik nutzen, fordert Walter Haefeker, der Präsident des europäischen Berufimkerverbandes: „Dropleg-Düsen im Raps oder ein Doppelmessermähwerk zum insektenschonenden Mähen von Grünlandflächen sind Maßnahmen, die es zu nutzen gilt.“ Würden solche Maßnahmen wie die Dropleg-Düse nicht konsequent eingesetzt, dürfe man sich als Landwirt im Nachhinein nicht beschweren, wenn neue Wirkstoffe kaum noch zugelassen werden.

Im chemischen Pflanzenschutz erwartet Haefeker künftig kaum Neuzulassungen. Vielmehr sieht er den digitalen Pflanzenschutz vorne: Feldroboter könnten künftig mit kleinsten Mengen von biologischen oder chemischen Pflanzenschutzmitteln Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge bekämpfen. Auch mit mechanischen Werkzeugen lassen sich unerwünschte Begleitpflanzen ausschalten. Der Bonirob z.B. arbeitet mit Bolzen, die Unkräuter in den Boden stampfen.

Damit auch Verbraucher die Roboter auf dem Acker künftig akzeptieren, hat Haefeker eine Idee: Sie sollten ähnlich aussehen wie ein Rollstuhl und eine vergleichbare Größe haben. „Das kennen die Leute, davor haben sie keine Angst“, begründet Haefeker.

Neue Wege mit Bio und CO2-Zertifikat

Das sich verändernde gesellschaftliche Umfeld war für Ulrich Gamperl nur ein Grund von vielen, seine Wirtschaftsweise zu ändern. Der Ackerbauer aus Freising in Bayern stellte seinen Betrieb 2018 auf Ökolandbau um, nach Vorgaben von Naturland. Eine weite Fruchtfolge ermöglicht ihm seitdem, seine Flächen pfluglos zu bewirtschaften. Darüber hinaus orientiert sich Gamperl an den Grundsätzen der Regenerativen Landwirtschaft.

Durch die andere Art zu wirtschaften will der Landwirt den Humusgehalt seiner Böden erhöhen. Dieses Ziel ließ er sich festschreiben, indem er mit der Münchener Brauerei „Hofbräu“ ein CO2-Zertifikat abschloss: In fünf Jahren muss Gamperl demnach mindestens 100 t CO2 pro Jahr binden und 44 ha seiner Ackerfläche humusaufbauend bewirtschaften.

Zentrale Bausteine, die Gamperl in seinem Betrieb nach den Umstellungen anwendet:

· Um Luftstickstoff zu binden, nutzt Gamperl Kleegras, Ackerbohnen und Sojabohnen als Hauptkulturen. Zusätzlich baut er leguminosenreiche Zwischenfruchtmischungen und Untersaaten an. Selbst hergestellter Kompost wertet die Flächen des viehlosen Betriebes weiter auf.

· Die Zwischenfrüchte sind zum Teil abfrierend. Die winterharte, roggenbetonte Mischung nutzt Gamperl im Frühjahr zur Flächenrotte. Dafür mulcht er den Bestand und besprüht die Mulchauflage mit effektiven Mikroorganismen, den EM-Bakterien. Anschließend arbeitet Gamperl die Auflage mit einer Fräse auf ca. 3 cm ein.

· Um Unkräuter zu vermeiden, ist die Flächenrotte die Grundlage. Sie soll ein ungünstiges Milieu für Unkrautsamen schaffen und das Auflaufen um bis zu 3 Wochen hinauszögern. Die weitere Unkrautkontrolle erfolgt mit Striegel, Hacke und Untersaat. Die Untersaaten unterdrücken bereits aufgelaufene Unkräuter und sind für Gamperl das „Langzeitherbizid“.

Tipps zur effizienten Düngung

Dass Düngung für ökologische und konventionell wirtschaftende Landwirte herausfordernd ist, bekräftigt Karl Gröschl, Berater der N.U. Agrar. Damit die Pflanze Dünger effizient nutzen kann, müssen Nährstoffe an der Wurzel platziert sein. Besonders beim tiefgehenden Wurzelsystem der Zuckerrübe verbessert in den Boden eingearbeiteter Dünger die Nährstoffaufnahme zusätzlich. Genauso entscheidend ist, dass die Wurzel zum Nährstoff wächst. Ein aktiver und gut strukturierter Boden ist hierfür wichtig.

Versteht man die Zusammenhänge der Bodenchemie, ergeben sich neue Stellschrauben. „Dünge ich auf Böden mit Illit-Tonmineralen Kalium, wird Ammonium pflanzenverfügbar“, so Gröschl. Das kann auch beim Zwischenfruchtanbau hilfreich sein, vor allem, wenn künftig die Stickstoffdüngung wegfällt.

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Artikel geschrieben von

Daniel Dabbelt

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