Bio-Verarbeiter beschweren sich über Pflanzenschutzmittel-Rückstände

Ein Bündnis von Unternehmen aus der Bio-Branche fordert von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen wirksamen Schutz vor weit verfrachteten Pflanzenschutzmitteln.

Ein Bündnis von Unternehmen aus der Bio-Branche fordert von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen wirksamen Schutz vor weit verfrachteten Pflanzenschutzmitteln.
 
In einem offenen Brief verlangen die Bio-Unternehmen wirksame Sofortmaßnahmen gegen den Ferntransport der Herbizid-Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb, die von den Herstellern ADAMA, BASF und Syngenta vertrieben werden. Die beiden Unkrautmittel werden laut den Öko-Firmen über weite Strecken verfrachtet und verunreinigten die Ernten von Bio-Bauern und konventionellen Landwirten, die diese selbst nicht ausbringen. Dadurch könnten Waren nicht mehr wie geplant oder gar nicht vermarktet werden. Den Schaden müssten die betroffenen Betriebe tragen, da beim Ferntransport von Pflanzenschutzmitteln kein Verursacher zu ermitteln ist, heißt es.

„Wir Landwirte bleiben auf dem Schaden durch Pestizid-Ferntransport sitzen, den andere verursachen. Wir fordern von Minister Schmidt und dem BVL als Zulassungsbehörde Sofortmaßnahmen, die den Ferntransport von Pestiziden einschränken“, sagt Stefan Palme vom Gut Wilmersdorf stellvertretend für die geschädigten Landwirte. Auf seinen Feldern sei Körnerfenchel seit Jahren mit Rückständen der Herbizidwirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb belastet, obwohl beide Mittel nachweislich weder von ihm noch in der Nähe seiner Flächen ausgebracht werden. In einer dazu angeordneten Untersuchung im Auftrag des Landesamtes für Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg habe man eine weiträumige thermische Verfrachtung der Herbizidwirkstoffe nachgewiesen.

Zahlreiche weitere Erzeuger und Hersteller würden eine Belastung mit Pendimethalin und Prosulfocarb aus eigener Erfahrung bestätigen, berichtet Bioland weiter. In Kulturen wie Körnerfenchel, Grünkohl, Dill und Petersilie komme es regelmäßig zu hohen Belastungen, die über dem Grenzwert der Diätverordnung für Babynahrung liegen (maximal 0,01 mg/kg für jeden Wirkstoff). Die Schäden gingen pro Erzeugerbetrieb bis zu 100.000 Euro.

Dies führe dazu, dass deutsche Erzeuger aus der Produktion bestimmter Kulturen wie Körnerfenchel oder Dill aussteigen müssen. Dies schade wiederum Hersteller und Händler, die verstärkt auf heimische Bioprodukte setzen: „Es kann nicht sein, dass deutsche Bio-Bauern den Anbau bestimmter Kulturen einstellen müssen, weil die Behörden bei der Zulassung von Pestiziden versagen“, sagt Erwin Winkler, Geschäftsführer von Herbaria. Von Pestizid-Ferntransport sind nicht nur ökologische landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturen, sondern auch konventionelle Kräuter- und Arzneipflanzen betroffen.


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