Tipps

Blüten für die Artenvielfalt

Je vielfältiger Blühstreifen sind, desto mehr Tierarten fühlen sich darin wohl. Wichtig ist, standortangepasste Mischungen zu wählen und die Ansaat sowie Pflege richtig umzusetzen.

Blühende Streifen oder Flächen schaffen Lebens- und Rückzugsräume für z. B. Vögel, Insekten und Niederwild. Besonders wertvoll sind sie auch für Bestäuber wie Wildbienen oder Schwebfliegen.

Im Rahmen des Greenings wird die Anlage gefördert – als Brache mit dem Faktor 1,0 und als Puffer- oder Waldrandstreifen mit dem Faktor 1,5 (siehe Übersicht). Eine Kombination von Greening- sowie Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) ist in den meisten Bundesländern möglich. Weil aber ein Doppelförderungsverbot gilt, erfolgt in diesen Fällen eine Verrechnung (reduzierter Fördersatz). Damit das Anlegen der Streifen und Flächen gelingt, gilt es, einige wichtige Punkte zu beachten.

Welcher Standort?

Ökologisch sehr wertvoll sind Blühstreifen und -flächen entlang von Hecken, Baumreihen oder Waldrändern. Das gilt vor allem für nach Süden ausgerichtete trocken-warme Standorte. Auch in der freien Feldflur sollte ein Teil der Streifen oder Flächen liegen, da verschiedene Tierarten des Offenlandes solche offenen Standorte benötigen.

Betrieblich hat es sich bewährt, mit der Maßnahme ungünstige Flächenzuschnitte wie Dreiecke oder Ausläufer zu optimieren. Liegen die Blühstreifen entlang von Gewässern, lassen sich damit die Abstandsauflagen erfüllen. Erfolgen auf diesen Streifen Pflegearbeiten wie z. B. Grabenräumungen, die mit einer Befahrung und der Ablagerung von Material verbunden sind, sollten Sie statt Blühstreifen sogenannte Gewässerrandstreifen bevorzugen. Bei diesen steht nicht der Blühaspekt im Vordergrund. Neben Kräutern können auch höhere Anteile von Gräsern zum Einsatz kommen – zu bevorzugen ist aber möglichst gebietseigenes Wildpflanzensaatgut.

In erosionsgefährdeten Regionen bieten Blühstreifen hervorragende Eigenschaften beim Erosionsschutz. Wer jedoch auf stark erosionsgefährdeten Flächen wirtschaftet, sollte bevorzugt Erosionsschutzstreifen mit Gräsern und Kräutern anlegen, bei denen es auch „förderunschädlich“ ist, wenn Teile der Fläche durch aufgefangene Erdmassen zeitweise ohne Vegetation bleiben.

Ungeeignet für den Anbau von Blühstreifen sind stark mit Problemunkräutern (Ackerkratzdistel, Ampfer, Quecke) versetzte Schläge. Auch auf verdichteten und staunassen Böden sollte man auf die Anlage verzichten und stattdessen Maßnahmen wie z. B. Schonstreifen (ohne Ansaat) oder Brachen wählen.

Biene

Sie fühlt sich in Blühstreifen wohl, die Wildbiene an der Wiesen-Witwenblume (Bildquelle: Greiner)

Tipps zur Saatgutwahl

Wer blühende Flächen im Rahmen des Greenings oder der AUKM anlegt, bekommt die Mischung häufig vorgegeben. Nur in einigen Bundesländern lassen sie sich teilweise selbst zusammenstellen. Achten Sie unbedingt auf die Vorgaben, damit man Ihre Flächen voll anerkennt. Ohne Förderung ist die Mischung frei wählbar. Verzichten Sie bei der Zusammenstellung auf Gräser, da diese in der Regel ohnehin spontan aufwachsen und die Gefahr einer Vergrasung steigt, wenn sie in der Mischung enthalten sind.

Einjährige Mischungen bestehen vor allem aus kurzlebigen Arten wie Sonnenblumen, Phacelia, Senf oder Klee. Meist enthalten sie aus Kostengründen nur wenige Pflanzenarten. Somit steht den Tieren – vor allem den Insekten – nur ein sehr begrenztes Nahrungsspektrum zur Verfügung. Wer ökologisch hochwertigere Flächen bereitstellen will, sollte Mischungen mit mindestens acht, besser zehn oder mehr Arten wählen. Zudem ist es wichtig, dass nicht nur einige wenige Arten sehr stark dominieren. Kommen Gelbsenf und Ölrettich zusammen in der Mischung vor, sollte ihr Gesamtanteil unter 15 % liegen, der von Buchweizen und Phacelia unter 30 %. Vor allem Bestände, die bis ins Frühjahr stehen bleiben können, sollten auch Anteile von überwinternden Arten wie Gelbklee, Luzerne oder Markstammkohl enthalten. Einjährige Mischungen kosten rund 50 bis 80 €/ha, ökologisch wertvollere meist ca. 100 €/ha.

Mehrjährige Mischungen sollten so zusammengestellt sein, dass sie über mehrere Jahre arten- und blütenreich bleiben. Falls Sie nicht auf eine Mischung festgelegt sind, achten Sie bei der Saatgutwahl auf Folgendes:

  • Mischungen mit vielen Pflanzenarten sind denen mit wenigen vorzuziehen.
  • Ein breit gefächerter Blühzeitraum und verschiedene Blütenformen sind optimal.
  • In Rapsfruchtfolgen sind Mischungen ohne Kreuzblütler zu favorisieren.
  • Verzichten Sie auf Gräser, da diese die krautigen Arten schnell unterdrücken.

Bevorzugen Sie zudem Saatgut aus gebietseigenen Wildpflanzen, es ist besonders wertvoll für die Förderung der Biodiversität. Solches  Regio-Saatgut  stammt aus der Region und wurde nicht züchterisch bearbeitet. Die Wildpflanzen sind somit optimal an den Standort angepasst und die Tierwelt wiederum an die Wildpflanzen. Auch für diese Arten gelten Zertifizierungsvorschriften. Sie erkennen das Saatgut an Zertifizierungen wie „VWW-Regiosaaten“ oder „RegioZert“. Während Mischungen aus Kultur- und regionalen Wildarten oft unter 300 €/ha kosten, liegen reine Wildartenmischungen gebietseigener Herkünfte häufig bei bis zu 500 €/ha. Wildpflanzenmischungen bieten aufgrund der vielen mehrjährigen Arten über viele Jahre bunte Blühaspekte und Lebensraum.

Vogel

Auch anzutreffen ist der Stieglitz (Bildquelle: Greiner)

Gut betten und richtig säen

Für die erfolgreiche Anlage von Blühstreifen ist ein gut vorbereitetes Saatbett wichtig. Zur  Bodenbearbeitung  eignet sich der Pflug, aber auch Geräte wie Grubber und Egge. Flächen mit stärkerem Unkrautdruck sollten Sie mehrfach bearbeiten. Lassen Sie zwischen den Arbeitsgängen 10 bis 14 Tage Zeit vergehen. Achten Sie dabei auf die Vorgaben des Greenings oder der AUKM.

Ziel aller Maßnahmen ist ein feinkrümeliges Saatbett. Je nach Mischung kann die  Aussaat  im Spätsommer/Herbst oder im zeitigen Frühjahr erfolgen. Für gebietseigene Wildpflanzen ist eine Saat im August oder September bzw. ab Februar günstig. Mischungen mit Kulturarten kann man im April oder Mai säen. Soll die Fläche als ökologische Vorrangfläche (ÖVF) gelten, ist die Aussaat in einigen Bundesländern leider nur bis zum 31. März erlaubt, was zum Teil Probleme bei Spätfrösten mit sich bringt. Säen Sie möglichst vor Beginn einer Feuchtwetterlage – dann keimen die Pflanzen schneller.

Die optimale Saattiefe liegt für Mischungen mit Kulturarten bei 1 cm bis maximal 2 cm. Wildpflanzen sind jedoch überwiegend Lichtkeimer. Das Saatgut muss deshalb oberflächlich aufgerieselt werden. Stellen Sie bei der Saat mit der Sämaschine die Striegel und Säschare hoch. Es empfiehlt sich zudem, die geringen Saatmengen aus den verschieden großen Samen auf eine Saatmenge von ca. 10 g/m² mit Füllstoff aufzumischen, z. B. mit gequetschtem Mais. Im Anschluss erfolgt das Anwalzen, um den Bodenschluss herzustellen.

Tabelle

Berücksichtigen Sie diese Auflagen für Blühmischungen auf ökologischen Vorrangflächen. (Bildquelle: top agrar)

Auch die Pflege ist wichtig

Weil unerwünschte Ackerunkräuter wie Melden oder Rauken oft schneller auflaufen als die neu gesäten Blühmischungen, ist ein hoher Schröpfschnitt dieser Pflanzen auf 15 bis 20 cm Wuchshöhe sinnvoll. Mulchen Sie, sobald die unerwünschten Arten ca. kniehoch sind. Bei etablierten Beständen empfiehlt sich ein Schröpfen bzw. abschnittsweises Mähen in rund 20 cm Höhe ab Anfang Juli. Das fördert blütenreiche Pflanzenbestände, die bis in den September und Oktober hinein ein vielfältiges Nahrungsangebot für zahlreiche Insekten liefern.

Setzen Sie für das Schröpfen bevorzugt tierschonende Geräte ein und achten Sie darauf, dass Sie das Material nicht im Schwad ablegen. Beachten Sie, dass Sie die Biomasse von Flächen, die sich in Förderprogrammen wie den AUKM befinden, aktuell nicht nutzen dürfen.

Bei allen Pflegemaßnahmen sind unbedingt die Vorgaben des Greenings oder die länderspezifischen Vorgaben der AUKM zu berücksichtigen. Die Förderhöhen von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen in den Bundesländern und Anbieter von Regiosaatgut finden Sie unter  www.topagrar.com/bluehstreifen2020


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