Abstimmung noch 2020

Bundestag will Agroforstwirtschaft förderfähig machen

Die Förderung von Agroforstsystemen soll noch in der aktuellen Periode der GAP möglich werden. Der Bundestag will darüber Mitte Dezember abstimmen.

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD gibt der Agroforstwirtschaft Rückenwind. In einem vergangene Woche mit deutlicher Mehrheit vom Agrarausschuss des Bundestages beschlossenen Antrag sprechen sich Union und SPD dafür aus, die Leistungen von Agroforstsystemen zu honorieren und ihre Förderung im Rahmen der europäischen und nationalen Agrarpolitik zu gewährleisten.

Die Bundesregierung soll sich dem Antrag zufolge dafür einsetzen, dass Agroforstsysteme im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) unterstützt werden. Dazu sei es unter anderem notwendig, solche Anbausysteme in den künftigen Nationalen Strategieplan, mit dem die neue EU-Agrarreform in Deutschland umgesetzt wird, aufzunehmen.

Die Bundesländer sollen vom Bund bei der Umsetzung von Agroforstsystemen im Rahmen der Zweiten Säule unterstützt werden. Zudem sei die Agroforstwirtschaft als Fördertatbestand in den Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) aufzunehmen.

Schließlich erwartet die Koalition von der Bundesregierung, dass sie Hemmnisse abbaut, die bislang einer Etablierung von Agroforstsystemen entgegenstünden. Unter anderem sollen die Umbruchszeitbeschränkung von Ackerland in Agroforstsystemen aufgehoben und ein Nutzungs- und Rückumwandlungsrecht eingeräumt werden. An Gewässerrandstreifen seien Agroforstsysteme zu ermöglichen. Zudem müssten sie in der Ackerbaustrategie als „ackerbauliches Werkzeug“ ausdrücklich benannt werden.

Der zuständige Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion, Alois Gerig, begrüßte die große Zustimmung zum Antrag. Nach Ansicht des Ausschussvorsitzenden können Agroforstsysteme ein wichtiger Bestandteil einer multifunktionalen Landwirtschaft sein und dazu beitragen, dass die Landwirtschaft die Erwartungen an mehr Umwelt-, Wasser- und Klimaschutz erfüllt.

Auf Unterstützung aus der Opposition kann die Regierung mit diesem Vorhaben setzen. „Seit Jahren kämpfe ich für DIE LINKE für diese Idee mit großem Potenzial und nun hat endlich auch die Koalition einen Antrag gestellt, dem wir auch zustimmen konnten“, schrieb die Agrarsprecherin der Linken Kirsten Tackmann bei Twitter. Sie forderte mit Nachdruck, dass das Anliegen jetzt in den Förderrichtlinien umgesetzt werde.

Der Bundestag könnte nach derzeitiger Planung in seiner letzten Sitzungswoche vom 14. bis 18. Dezember dieses Jahres über den Antrag debattieren und ihn beschließen.

Mit dem Begriff Agroforstwirtschaft werden Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Gehölze (Bäume oder Sträucher) mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung so auf einer Fläche kombiniert werden. Typisch für alle Arten der Agroforstwirtschaft sind laut dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) bewusst genutzte Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen. Pflanzenbau, Obstbau, Tierhaltung und die energetische Verwertung von Gehölzen können in den Systemen verbunden werden.

Agroforstsysteme gelten als vorteilhaft für den Klimaschutz. Sie förden die Kohlenstoff-Bindung und Humusbildung im Boden, bieten Schutz vor Wind- und Wassererosion und können den Stoffaustrages in Grund- und Oberflächengewässer vermindern. Außerdem bieten sie durch die Beschattung einen gewissen Schutz vor Dürreauswirkungen.

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Bislang gibt es erhebliche Hindernisse für eine erfolgreiche Etablierung von Agroforstsystemen. Die Ausschüsse des Bundestages sollen nun Förderung, Offizialberatung und Anerkennungen diskutieren.

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Diskussionen zum Artikel

von Erwin Schmidbauer

Wunsch und Wirklichkeit

Wenn ich mir die tollen Vorteile der Agroforstsysteme ansehe, dann zweifle ich daran, dass diese Vorstellungen sich wirklich alle Bewahrheiten.

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