Kommentar

BVL: Art der Mittelzulassung wird sich verändern müssen

Die Bürger wollen keine Pflanzenschutzmittel und die Politik reagiert. Der Schutz von Kulturpflanzen ist damit nicht (mehr) das alleinige und vorrangige Ziel. Alternativen müssen her.

Ein Kommentar von Dr. Martin Streloke, Leiter der Abteilung Pflanzenschutzmittel im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Die seit Jahren andauernde öffentliche Diskussion zeigt eines sehr deutlich: Die Gesellschaft steht Pflanzenschutzmitteln auf dem Acker, in menschlicher Nähe, in der Umwelt oder in Nahrungsmitteln kritisch gegenüber. Darauf nimmt die Politik Rücksicht und orientiert daran auch die Pflanzenschutzpolitik.

Sowohl auf nationaler Ebene (Ackerbaustrategie) als auch auf europäischer Ebene (Farm-to-Fork-Strategie) wurden deshalb ambitionierte Reduktionsziele für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und der von ihnen ausgehenden Risiken formuliert.

Sicherheit steht vorn

In Europa regelt die Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 die Bedingungen für die Genehmigung von Wirkstoffen und die anschließende Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Die wichtigsten Vorgaben lauten: Pflanzenschutzmittel dürfen keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch oder Tier oder unannehmbare Auswirkungen auf die Umwelt haben. Der Schutz von Kulturpflanzen ist damit nicht (mehr) das alleinige und vorrangige Ziel.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass die EU-weit erteilte Genehmigung eines Wirkstoffs regelmäßig überprüft wird. Wenn die sichere Anwendung eines Wirkstoffs nicht mehr gezeigt werden kann, wird dieser nicht erneut genehmigt oder sogar Genehmigungen widerrufen. Die dazugehörigen nationalen Zulassungen für Pflanzenschutzmittel fallen weg.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der fungizide Wirkstoff Chlorthalonil. Er wurde wegen zu hoher Risiken sowohl für die Umwelt als auch für die menschliche Gesundheit nicht erneut genehmigt....

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