Rote Gebiete

Landesdüngeverordnungen: Frust in RLP, Erleichterung in SH

RLP und SH haben die Entwürfe zur Landesdüngeverordnung veröffentlicht. Während Bauern im Norden erleichtert reagieren, ist der BWV sauer, dass es immer noch keine Karte der Roten Gebiete gibt.

Mit Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein haben erste Bundesländer die Entwürfe für die Neufassungen ihrer Landesdüngeverordnungen vorgelegt. Scharfe Kritik am Entwurf der rheinland-pfälzischen Landesdüngeverordnung übte vergangene Woche der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV).

Vor allem ärgert den Verband, dass die grundlegenden Karten zu den Roten Gebieten noch nicht vorliegen. Gerade die räumliche Abgrenzung dieser Gebiete führe nach wie vor zu viel Unverständnis in der Landwirtschaft, so BWV-Präsident Michael Horper, so dass die Landwirte dringend Klarheit darüber benötigten, in welchem Ausmaß sie demnächst von weiteren Auflagen betroffen seien oder nicht. „Auch wenn sich abzeichnet, dass die Gebietskulisse insgesamt reduziert wird, so müssen die Landwirte doch wissen, ob ihre Flächen betroffen sind oder nicht“, so Horper.

Mit der rheinland-pfälzischen Landesdüngeverordnung werden einige Vorgaben aus der bundesweit geltenden Düngeverordnung umgesetzt. Dies sind beispielsweise neben dem bundesweiten Gebot einer um 20 % verringerten Düngung auch zusätzliche Boden- und Wirtschaftsdüngeruntersuchungen.

Gerade die Reduzierung des Düngemittelaufwandes unter den Bedarf der Kulturpflanzen und die verpflichtenden Bodenuntersuchungen werden vom Berufsstand aus fachlicher Sicht abgelehnt. Auch die dafür maßgebliche Gebietskulisse wurde vom BWV nochmals heftig kritisiert, weil die betroffenen Gebiete viel zu grob zugeschnitten sind und deshalb auch Betriebe, die nicht zu den höheren Nitrat- und Phosphatwerten beitragen, die vorgesehenen Maßnahmen umsetzen müssten.

Die Festlegung sogenannter Abrundungsgebiete, in denen es keine Grenzwertüberschreitungen bei Nitrat gibt, werden nach wie vor vom Verband vehement abgelehnt. Dies sei nicht verursachergerecht. Dagegen hatte sich der BWV stets gewandt und unter anderem auch einen Landwirt im Rahmen eines derzeit noch beim Oberverwaltungsgericht Koblenz anhängigen Gerichtsverfahrens unterstützt.

Weiterhin tritt der BWV auch dafür ein, die Zahl der vorzulegenden Bodenuntersuchungen zu reduzieren und fordert auch Erleichterungen für diejenigen Betriebe, die nur wenige Flächen in belasteten Gebieten bewirtschaften.

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Nur noch 10 % Rote Gebiete in SH

Salzwiesen

Erleichterung in SH über die neue Düngeverordnung (Bildquelle: pixabay.de / Frauke Riether)

Auch Schleswig-Holstein hat einen Entwurf für die Neufassung der Landesdüngeverordnung vorgelegt. Staatssekretärin Dr. Dorit Kuhnt vom Landwirtschaftsministerium kündigte hingegen am vergangenen Donnerstag eine deutliche Reduzierung der Nitratkulisse in der neuen Landesdüngeverordnung an. Die Roten Gebiete sollen noch rund 10 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der bisherigen Kulisse umfassen. Bislang hatte die dortige Nitratkulisse etwa die Hälfte der Landesfläche ausgemacht.

Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH), Werner Schwarz, wertete die deutliche Reduzierung der Kulisse als Erfolg und deutliche Entlastung für die Bauern. Ebenfalls positiv bewertete er, dass auf die Ausweisung einer Phosphatkulisse, also mit Phosphor eutrophierter Gebiete, verzichtet werde.

Schwarz hob hervor, dass der Berufsstand die Neuausweisung der Roten Gebiete nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Düngeverordnung gegenüber dem Kieler Landwirtschaftsministerium fortlaufend fachlich begleitet habe, auch mit kritischen Stellungnahmen zum Messnetz. Die gute Zusammenarbeit in der Allianz zahle sich jetzt aus und solle fortgesetzt werden, um innerhalb und außerhalb der Kulisse das Nährstoffmanagement weiter zu verbessern.

Nach Angaben von Staatssekretärin Kuhnt soll in der Nitratkulisse neben der Pflicht zur Gülle- und Gärrestuntersuchung und zur Einarbeitung von Wirtschaftsdünger innerhalb einer Stunde als dritte Maßnahme vorgesehen werden, dass die betroffenen Landwirte jeweils im Abstand von drei Jahren an einer verpflichtenden Schulung zum effizienten Nährstoffmanagement teilnehmen sollen. Bereits kurz nach den Ankündigungen des Kieler Agrarressorts lief die Verbändeanhörung zur Landesdüngeverordnung an, damit die Verordnung wie geplant und vom Bund vorgegeben zum Jahresanfang in Kraft treten kann.


Die Redaktion empfiehlt

Die „roten Gebiete“ sollen in Schleswig-Holstein nur noch rund 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der bisherigen Nitratkulisse umfassen. Das berichtet der Bauernverband SH.


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

Wie kann es denn sein,

dass über Nacht die Roten Gebiete derart zusammen geschmolzen sind ?

von Kirsten Wosnitza

Es ist mit Sicherheit eine Folge des allgemeinen Bauernprotestes

Und besonders des LSV, wie die Ausgestaltung der Ausführungsverordnung AVV der Düngeverordnung des Bundes erfolgt ist. Die Bauern hatten zurecht eine Binnendifferenzierung und die Anwendung des Verursacher Prinzips eingefordert. Ob alle Vorgaben der AVV langfristig der Landwirtschaft ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Es ist ja nicht so, dass die Denitrifikation dann am Tag X im gesamten Grundwasserkörper zusammenbricht.

Das geschieht sehr langsam. Da gehen Jahrzehnte ins Land. Seit der DüVo 2017 (Limit ist der Bedarfswert der Pflanze) eher Jahrhunderte. Bis es also so weit ist, ist längst Ernährung wichtiger, als ein Pseudo Wert auf dem Papier unter 50. Denn wenn manches Gemüse wie Kohl häufig 4000 ... mehr anzeigen

von Rainer Hoffmann

Gerechtigkeit

Wofür wird auch nicht erwähnt das Betriebe in Sippenhaft genommen werden ,die durch nen geringeren Tierbesatz von bis zu 1,5 GV in roten Gebieten eigentlich nicht Verantwortlich sind für die Werte, sofern se denn wirklich aus der Landwirtschaft stammen u das man nicht verantwortlich ... mehr anzeigen

von Bernd Müller

Wo sind die Kritiker....

...des Bv? In Sh ist es eindeutig ein Verdienst des BV! Jetzt werden die Kritiker wieder sagen, dass es nur aufgrund des lauten Protestes von lsv passiert ist. Die Arbeit im Hintergrund ist aber extrem wichtig und zeigt mal wieder das wir den BV brauchen!

von Wilhelm Grimm

Ich stimme ihnen zu, Herr Müller, aber

warum durften die S-H- Politiker jahrelang der Landwirtschaft ungehindert eine 50%i Nitrat-Verseuchung des Grundwassers vorwerfen ?

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