Kosten und Nutzen

Carbon Farming: Mehr Humus, besseres Klima

Carbon Farming ist Bestandteil der Farm-to-Fork-Strategie und bereits im Fokus vieler Landwirte und Zertifizierungsinitiativen. Aber wie lässt sich Humus längerfristig anreichern? Und was kostet das?

Unser Autor: Dr. Hans Marten Paulsen, Thünen-Institut

Das Ziel von Carbon Farming ist es, der Atmosphäre durch den Anbau von Pflanzen CO2 zu entziehen und den Kohlenstoff (C) im Boden langfristig in Form von Humus zu binden. Um tatsächlich einen wirksamen Effekt für das Klima zu erzielen, muss dieser Humusaufbau durch Zufuhr von mehr und zusätzlich erzeugter Biomasse erfolgen. Dazu muss mehr C eingetragen als veratmet werden.

Beeinflusst durch ackerbauliche Maßnahmen, Aufnahmefähigkeit der Böden und klimatische Bedingungen soll Carbon Farming ein neues Gleichgewicht mit höheren Humusgehalten erzeugen, das es zu halten gilt. Carbon Farming bedeutet also eine langfristige Betriebsumstellung, die helfen soll, der Atmosphäre CO2 zu entziehen.

Kurzfristige Erfolge schwer messbar

Der Handel mit CO2-Zertifikaten und eine damit verbundene neue Einnahmequelle für Landwirte ist in aller Munde.

Jedoch sollten Sie dabei bedenken, dass der Klimawandel mit den steigenden Temperaturen den tatsächlichen Erfolg und die Durchschlagskraft von Carbon Farming-Maßnahmen unsicher macht. Auch ist der kurzfristige Nachweis geringer C-Gehaltsänderungen auf den Flächen schwierig. Die Messung der C-Speicherung den Böden als Erfolgsindikator birgt daher zumindest in kürzeren Zeiträumen Risiken für Landwirte, die Verpflichtungen übernommen haben.

In Geschäfts- und Fördermodellen für Humusaufbau und Carbon Farming sollte daher allein das Bemühen um eine andere Art der Landwirtschaft schon Zahlungsströme auslösen. Nicht umsonst schütten bereits bestehende Initiativen z.B. 70% des Geldes für die Maßnahmen und 30% für den später messbaren Erfolg aus. Im Interreg-Projekt Carbon Farming untersucht das Thünen-Institut mit Partnern im Nordseeraum, wie Carbon Farming durchgeführt und von interessierten Parteien bezahlt und gefördert werden könnte.

Um das Klima wirksam zu entlasten, dürfen die Maßnahmen nicht anderenorts, z.B. durch verstärkten Einsatz von Diesel oder durch Humusabbau zu zusätzlichen, womöglich noch höheren, klimawirksamen Emissionen führen (Trade-off-Effekte).

Landwirtschaft neu denken

Weil mit der zusätzlichen Biomasse mehr Nährstoffe zirkulieren, ist bei Carbon Farming auch die bisherige Düngung anzupassen, um klimaschädliche Lachgasemissionen zu vermeiden. Auf der anderen Seite lassen sich durch den verbesserten Pflanzenbau auch Nährstoffe gewinnen (N-Fixierung) und vor Auswaschung und Erosion schützen. Das spart Mineraldünger und die Energie für deren Herstellung. Weiterhin eröffnet sich die Möglichkeit, durch die zusätzlich angebaute Biomasse Bioenergie zu gewinnen und damit fossile Brennstoffe zu ersetzen. Beides wirkt sich günstig auf die gesamte Treibhausgasbilanz aus (Win-Win-Effekte).

Ziel von Carbon Farming muss es also sein, bei guten Erträgen mit wenig zusätzlichem Primärenergieeinsatz und mit geringem N-Überschuss langfristig Humus aufzubauen und zu schützen.

Humusschutz sichert Bodenfruchtbarkeit

Mit zunehmendem Klimawandel sind Humusschutz und -aufbau auch für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit unbedingt notwendig. Unabhängig davon, ob, in welchem Umfang und von wem CO2-Zertifikate für Humusaufbau oder Zuschüsse für Maßnahmen des Carbon Farmings in Zukunft bezahlt werden, sollten Landwirte beginnen, die Produktion umzustellen. Denn mehr Grün, mehr Biomasse und auch die gezielte Bewirtschaftung von Rändern und Säumen fördert neben der Chance für mehr Klimaschutz auch die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität und sorgt für mehr Grundwasser- und Gewässerschutz.

Welche Maßnahmen sind geeignet?

Wie lässt sich im praktischen Betrieb zusätzlich Biomasse erzeugen, um Humus aufzubauen? Dies zeigen die folgenden Handlungsfelder. Die vorsichtigen Abschätzungen der C-Bindung basieren auf einer Literaturauswertung. Sie ermöglichen Rückschlüsse, welche Maßnahme zu welchen Kosten wie viel CO2 bindet. Die Übersicht 1, die Sie hier im pdf-Artikel finden, gibt einen Überblick über die Deckungsbeiträge und C-Bindung aller vorgestellten Maßnahmen.

1. Zwischenfrüchte und Untersaaten: Zwischenfrüchte und Untersaaten erzeugen vor allem durch ihre Wurzeln zusätzliche Biomasse. Eingearbeitete oberirdische Pflanzenteile werden dagegen schneller wieder umgesetzt. Daher ist es eine Überlegung, sie abzufahren statt einzuarbeiten und z.B. für die Bioenergieerzeugung zu nutzen. Ziel muss es sein, möglichst ganzjährig eine gute Durchwurzelung (und Begrünung) von Flächen zu erreichen. Insbesondere Artenmischungen gelten als effektiv, um Kohlenstoff im Boden zu mehren.

Da der Humusaufbau auch stets eine N-Zufuhr benötigt, sind auf Betrieben ohne Wirtschaftsdünger leguminosenhaltige Mischungen zu bevorzugen. Ist der Wirtschaftsdüngereinsatz hoch und die N-Bilanz ausgereizt, ist es dagegen eher sinnvoll, auf Leguminosen zu verzichten.

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