Der Boden kann Landwirte vom Klimaschutz nicht verschonen

Der Boden speichert in Deutschland mehr Kohlenstoff als erwartet. Das ergibt sich aus dem erstmals erhobenen Bodenzustandsbericht, den Landwirtschaftsministerin Klöckner heute entgegen genommen hat. Grund zum Zurücklehnen beim Klimaschutz in der Landwirtschaft sieht Klöckner allerdings nicht.

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat heute die Bodenzustandserhebung vom Präsidenten des Thünen Instituts Prof. Dr. Folkhard Isermeyer und dessen Direktor Prof. Dr. Heinz Flessa vom Institut für Agrarklimaschutz entgegen genommen. (Bildquelle: BMEL/Thomas Trutschel/photothek.net)

Mehr als 2 Mrd. Tonnen Kohlenstoff sind in den landwirtschaftlichen Böden Deutschlands gespeichert. Die Wald- und Agrarökosysteme speichern damit zusammen so viel organischen Kohlenstoff wie Deutschland bei dem derzeitigen Emissionsniveau in 23 Jahren als CO2 emittiert, berichtete Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute in Berlin zum Weltbodentag bei der Präsentation des Bodenzustandsberichtes. Das sei mehr als vorher erwartet worden war, so Klöckner weiter. Sie wertet die Ergebnisse als Beleg dafür, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung des Klimawandels ist.

Zurücklehnen wäre der falsche Schluss

Die Bestätigung der enormen CO2-Senke im Boden interpretiert Klöckner jedoch nicht als Entlastung für die Landwirtschaft davor, auch Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen. „Zu sagen, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und lehnen uns zurück, wäre der falsche Schluss“, sagte Klöckner. Im kommenden Frühling will die Bundesregierung ihr Klimaschutzgesetz vorlegen, in dem auch Maßnahmen beschrieben werden sollen, mit denen die Landwirtschaft zu Treibhausgaseinsparungen beitragen muss. Von Seiten der Landwirtschaft wird immer wieder die Hoffnung artikuliert, auf Grund der Bereitstellung der großen CO2-Speicher im Boden von harten Einschnitten beim CO2-Ausstoß für den Sektor Landwirtschaft verschont zu bleiben.

Klimarelevant ist die Veränderung der Vorräte

Eine umfangreichere Aussagekraft werden die Daten aus dem Bodenzustandsbericht erst bekommen, wenn dieser, wie geplant, in 10 Jahren erneut durchgeführt wird. „Klimarelevant sind nicht die Kohlenstoffvorräte, sondern die Veränderung“, begründete Prof. Dr. Heinz Flessa, Direktor des Thünen Instituts für Agrarklimaschutz, welches die groß angelegte Bodenzustandserhebung durchgeführt hatte. Die Landwirtschaft trage die Verantwortung, die Kohlenstoffvorräte zu erhalten und zu bewahren. Flessa warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen. Das Thema Humusaufbau sei dafür zu komplex. Ein Humusaufbau könne positiv wie negativ sein, etwa dann, wenn dieser zu Nährstoffüberhängen führe.

Ergebnisse sollen in Ackerbaustrategie eingehen

Klöckner will die Erkenntnisse aus dem Bodenzustandsbericht in ihre geplanten Ackerbau- und Grünlandstrategien einfließen lassen und dann auch Fördertatbestände daraus definieren. „Guter und gesunder Boden ist die Grundlage für eine wohlhabende Gesellschaft“, sagte Klöckner. Die Versorgung von künftig 10 Mrd. Menschen auf der Erde sei nicht durch einen „Teilausstieg aus der Produktion“ zu erreichen, so Klöckner weiter. Es dürfe bei der Erhöhung der Effizienz jedoch auch nicht der Boden aus dem Blick fallen, erklärte sie.

Mehr als 120.000 Bodenproben genommen

Ein aktueller und einheitlicher Datensatz, der den Kohlenstoffgehalt der Böden für das gesamte Bundesgebiet misst, fehlte bislang. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Bodenzustandserhebung mit 3 Mio. € unterstützt. In enger Zusammenarbeit mit mehr als 3.100 Landwirten wurden dafür in sechs Jahren, zwischen 2012 und 2018, mehr als 120.000 Bodenproben genommen und analysiert. Die letzten Beprobungen erfolgten noch bis Herbst 2018. Die Analyse aller Proben fand im Thünen Institut in Braunschweig statt, so dass alle vergleichbar sind. Untersucht wurden die Kohlenstoffvorräte in den obersten 100 cm landwirtschaftlich genutzter Böden, gemessen wurden Sauerstoffversorgung, Humusbildung und organische Kohlenstoffvorräte.

Ergebnisse und Details aus dem Bodenzustandsbericht gibt es auf der Homepage des BMEL zum Nachlesen.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Norbert Schulze-Darphorn

@ Paul Siewecke

Diese Passage mit dem ökologischen Landbau ist mir auch aufgefallen, ich Frage mich nur warum bezieht sich das auf den Globalen Durchschnitt. Diese Untersuchung fand in Deutschland statt, da sollten dann auch hiesige Ergebnisse beurteilt werden. Ich habe da auf die schnelle auch keine Daten in dem Bericht zum Humusgehalt unter ökologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland gefunden wobei das mit Sicherheit interessante Daten währen, egal in welche Richtung das Pendel dann ausschlagen würde.

von Paul Siewecke

Zitat aus dem Bodenzustandsbericht des BMEL...

"Im ökologischen Landbau wird ausschließlich organischer Dünger und kein mineralischer Dünger eingesetzt. Außerdem werden mehr Kleegras oder Luzernegras als stickstofffixieren- de und humusmehrende Kulturen angebaut. Zusammen ergibt sich dadurch im globalen Durchschnitt eine Erhöhung der Bodenkohlenstoffvorräte um etwa 3 bis 4 t je ha im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Böden (Gattinger et al. 2012). " Der Textabschnitt stammt aus der im Artikel angegebenen Quelle....

von Gerd Uken

Nur 3% der Erde ist mit Moir bedeckt

. Natürliche Moore, d.h. noch wachsende Moore, akkumulieren auf diese Weise 250 bis 350 kg Kohlenstoff pro Hektar im Jahr und entziehen so der Atmosphäre weltweit jährlich 150 – 250 Mio. Tonnen Kohlenstoffdioxid. Das ist der größte CO2 Speicher den wir haben, trotzdem wird er abgebaut aus wirtschaftlichen Zwängen. Wenn wir die größten CO2 Erzeuger noch still legen könnten..

von Josef Doll

Die Politik

und die Wirklichkeit liegt am Standpunkt den die jeweilige Meinung des Standpunktes der Partei die er vertritt. Mich Z. B. Verwundert es das obwohl es jetzt so trockem ist die Pegel der Flüsse stark ansteigen obwohl jetzt der Boden alles Wasser aufsaugt wie ein Schwamm . keinem der sogeannten "Experten " fällt das auf ?? Das Fragezeichen ist meiner Überzeugung geschuldet das wenn es noch 500 Liter die nächsten 4 Wochen regnen würde bestimmt es politischen Richtungen geben die die Überschwemmungen der (b....) Landwirtschaft geben weil der Boden kein Wasser aufnehmen kann. Würde wir der Landwirtschaft die Möglichkeit geben ihre Energie selbst zu erzeugen tritt sofort die Tank Teller diskusion auf aber nur wenn es an Nahrungsmittel fehlt . Mir streben hier nicht die Biogasanlagen vor die heute so könnte man es fast schreiben je größer um so effektiver . Sondern an keineren Formaten die die Abfallstoffe die in der Landwirtschaft sicher anfallen in Energie zu verwandeln . Hätte da die Politik durch die Bereitstellung von Musterpläne für 10 KW Anlagen Möglichkeiten ?? Zumindset in Entwicklungsländer soll es Kleinbiogasanlagen geben die das eigene Scheißhaus dazu nutzt das Gas zum Kochen bereitzustellen

von Norbert Schulze-Darphorn

Ich befürchte

Das durch die neue Düngerverordnung oder das Ende der Glyphosat Anwendung die Tage des Humusaufbaus gezählt sind. Auf jeden Fall ist das ein sehr schmaler Grad auf dem man sich bewegt. Humusaufbau ist über Generationen erfolgt ihm verdanken wir heute unsere Ertrags starken Böden, da sollten man dann auch nur wissenschaftliche Fakten zählen und einfließen lassen und sämtliche Idiologischen Gedanken-Spielereien in der untersten Schublade verschwinden lassen.

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