Kommentar

Deutschland braucht eine Ackerbaustrategie – dringend!

Wichtig ist, dass sich die Landwirte selber intensiv in die Diskussion um die Zukunft des Ackerbaus einbringen und präsenter werden, meint Dr. Schulze Pals.

Jeder Ackerbauer hasst Steine auf seinem Acker. Sie erschweren Bestellung und Ernte. Dagegen hilft nur eins: regelmäßiges Steinelesen! Aber was hilft gegen die gefühlten Steine, die heute auf jedem Acker liegen? Wie können die Landwirte

  • mit den bald noch strengeren Düngungsbeschränkungen umgehen,
  • auf die schrumpfende Anzahl an Pflanzenschutzmitteln reagieren,
  • die abnehmende Artenvielfalt in den Agrarlandschaften stoppen,
  • sich vor häufigerem Extremwetter schützen und
  • die Akzeptanz der Bürger und Verbraucher für den intensiven Ackerbau zurückgewinnen?

Mit einer Ackerbaustrategie, die verlässliche Ziele und tragfähige Leitplanken für die Zukunft des Ackerbaus vorgibt und dabei Ökologie und Ökonomie berücksichtigt. Das ist zumindest die Antwort der niedersächsischen CDU-Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast auf diese wichtigen Fragen (Mehr dazu hier).

Der Niedersächsin ist das aktuelle Arbeitstempo von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner viel zu langsam. Auch Klöckner muss laut Koalitionsvertrag bis Herbst dieses Jahres eine Ackerbaustrategie vorlegen. Bislang lässt die Bundesministerin allerdings nicht erkennen, was sie inhaltlich vorhat. Deshalb kann das Tempodribbling aus Hannover nicht schaden.

Otte-Kinasts Ansätze sind richtig: Sie will Landwirte und Nicht-Landwirte gleichermaßen in die Bearbeitung einbinden, sie will nicht im Hinterzimmer mauscheln, sondern jederzeit transparent machen, wo man sich schon einig ist und wo noch gestritten wird.

Ihre Strategie werde keine neue ordnungspolitische Zwangsjacke für die Ackerbauern, sondern eine Hilfestellung für die Umsetzung und praxisgerechte Weiterentwicklung des Ordnungsrechts, verspricht die CDU-Agrarfrau. Das klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein. Hoffentlich hält sie Wort. Wichtig ist, dass Otte-Kinast und Klöckner ihre Aktivitäten verzahnen – und es kein kleinkariertes Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern gibt. Das aktuelle Gezerre um mehr Tierwohl ist dafür ein abschreckendes Beispiel.

Wichtig ist aber auch, dass sich die Landwirte selber intensiv in die Diskussion um die Zukunft des Ackerbaus einbringen und präsenter werden. Dafür gibt es Chancen. Sie können den Bürgern und Verbrauchern zeigen, was der chemische Pflanzenschutz für die Kulturpflanzen leistet. Zudem gibt es Hacken und Striegel, die immer exakter arbeiten. Und jeder sollte aktiv zeigen, was er für die Biodiversität auf seinen Äckern tut. (Entsprechende Berichte jetzt in der aktuellen top agrar 6/2019)

Steinelesen hilft immer: Das gilt für echte und für gefühlte Steine.

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Diskussionen zum Artikel

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von Henrik Plaas-Beisemann

Lehrstück Kohlekompromiss

Selbst wenn ein Kompromiss mit harten Einschnitten für die Betroffenen gefunden wird, wie unlängst bei der Kohle, kommt eine Gruppe die unzufrieden mit diesem ist, sei es Friday for future oder Rezo oder Schwiegerkinder taugliche Politikpromis in Talkshows und schwups steht alles wieder in Frage. Damit sind mit der Ackerbaustrategie ,um im Bild zu bleiben, ein paar Steine am Vorgewende eingesammelt, der große Acker bleibt steinig und um weiter im Bild zu bleiben, man muss höllisch aufpassen, dass man Steine vom Acker auch weit genug wirft, nicht dass neue Steine auf dem Vorgewende landen. Mein Urteil: Eine Ackerbaustrategie ist grundsätzlich sinnvoll, aber erstens gerät diese sofort wieder in die gleiche Kritik, wie der Status quo und wir müssen aufpassen, dass hier nicht wie bei der DüVO alle Regionen einen Einheitsbrei vorgesetzt bekommen, nur damit man ein Ergebnis hat egal wie fachlich sinnvoll das für den Einzelfall ist.

von Thomas Müller

Was die Landwirtschaft braucht

Erstens auskömmliche Preise, von denen man auch langfristig und gesichert einen landwirtschaftlichen Betrieb führen und seine Familie ernähren kann, ohne immer am Subventionstropf des Staates zu hängen. Zweitens eine Berufsvertretung, die auch die Interessen der praktizierenden Ackerbauern und Tierhalter vertritt und auch mal die Vorteile der heutigen professionellen modernen Landwirtschaft wie z.B. Versorgungssicherheit zu für den Verbraucher günstigen Preisen mit hohen Standards klar herausstellt. Ebenso die Folgen für die landwirtschafttlichen Betriebe, aber auch langfristig den Verbraucher, durch fehlende Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, überzogene Düngevorschriften oder Haltungsauflagen für Tierhalter. Drittens viel mehr Unterstützung von vor- und nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft. Aber da hört man von vielen Unternehmen wie Baywa oder Agravis als große Handelsunternehmen, den chemischen Großunternehmen wie Bayer, BASF, Syngenta usw. oder auch den Landtechnikunternehmen herzlich wenig. Anscheinend sind dort ja keine Arbeitsplätze oder ganze Standorte gefährdet frei nach dem Motto an der Landwirtschaft läßt sich immer noch genug verdienen, auch wenn in der Landwirtschaft nichts mehr verdient wird. Viertens eine verlässliche und planungssichere Aussage der Politik oder Gesellschaft dahingehehend, wohin der Weg der Landwirtschaft führen soll. Will man noch eine professionelle moderne Landwirtschaft oder will man zurück zu einer Ökolandwirtschaft mit Arbeitsmethoden wie zu Großvaters Zeiten oder will man nur noch Landschaftsgärtner, die Blümchenwiesen pflegen? Wobei man dann auch sagen muss, wie man als Landwirt davon existieren kann, siehe auch erstens, und wie ggf. der Staat bei leeren öffentlichen Kassen gerade die letzten beiden Möglichkeiten langfristig für alle ausreichend finanzieren will.

von Dr. Willi Billau

Wir haben über 30 Jahre Erfahrung,

haben Landwirtschaft studiert, kennen unsere Böden, Ansprüche unserer Sorten und unserer Tiere, können Kulturführung vom feinsten, nutzen schon digitalen Fortschritt, u.s.w. Wir sehen nicht ein, die arbeitserleichternden und produktionssichernden Errungenschaften der Wissenschaft auf dem Altar von Ideologie, Ignoranz, Dekadenz und Dilettantismus zu opfern. Gleichbedeutend mit Ausstieg aus dem Pflanzenschutz wäre Ersatz der Schulmedizin durch Homöopathie. Oder stellen Sie sich vor, sie gehen an den Direktor der Universitätsmedizin in Heidelberg und wollen als selbsternannter Chefideologe ihn von der Medizinwende hin zum WooDoo überzeugen. Das geht gar nicht. Wehrt Euch, wir von Bauernverband werden unser möglichstes tun, alle anderen bitte auch!

von Wilhelm Grimm

Noch einfacher !

Die Landwirtschaft gehört in die Hände des BMEL und schon gar nicht in die Hände des Nabu-Ministeriums. Das BMEL hat doch auch keinen Einfluss auf die Vorgaben und Leitlinien, die in Naturschutzgebieten gelten. Sie sind auch fachlich auf diesem Gebiet überfordert. Das Nabu-Ministerium ist mit landwirtschaftlichen Themen auch überfordert. Das führt zu ständigen Streitereien und falschen Entscheidungen. Auch Kompromisse sind nur halb richtig, also falsch. Damit können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr sicher stellen.

von Willy Toft

Jeder Landwirt kennt seinen Betrieb und die Bodenverhältnisse!

Wir brauchen keine Bevormundung, oder verordnete Handhabung! Wir haben gelernt, mit allen Situationen auf dem Betrieb zurecht zu kommen, und wollen nicht jeden Arbeitsschritt mit der Bevölkerung abklären, um das Für und Wider auszuloten! Wir werden gesetzliche Verpflichtungen erfüllen, können aber die Früchte nicht ganz verhungern lassen. Pflanzenschutz betreiben wir sowieso nur, um das Restrisiko auszuschalten, hier bringt der Satz; weniger ist mehr, oft den gewünschten Erfolg! Alles Andere liegt nicht in unserer Hand, und müssen wir als Gott gegeben hinnehmen!

von Albert Maier

Ganz einfach!

Wie können die Landwirte mit den bald noch strengeren Düngungsbeschränkungen umgehen, IN DEM MAN BEI DEN DÜNGNGSBSCHRÄNUNGEN WIEDER VERNUNFT UND SACHVERSTAND WALTEN LÄSST auf die schrumpfende Anzahl an Pflanzenschutzmitteln reagieren, INDEM MAN PFLANZENSCHUTZ WIEDER ALS FÜR DIE MENSCHEIT EXTENZIELL WAHRNIMMT die abnehmende Artenvielfalt in den Agrarlandschaften stoppen, DIE ARTENVIELFALT IN AGRARLNDSCHAFTEN HAT IN DEN LETZEN 30 JAHREN EHER ZU- ALS ABGENOMMEN sich vor häufigerem Extremwetter schützen und EXTREMWETTER WURDE NICHT HÄUFIGER die Akzeptanz der Bürger und Verbraucher für den intensiven Ackerbau zurückgewinnen? IN DEM DIE BÜRGER NICHT STÄNDIG GEGEN DIE BAUERN MIT HILFE VON UNWAHRHEITEN AUFGEHETZT WERDEN! WIR BRAUCHEN KEINE NEUE ACKERBAUSTRATEGIE, SONDERN FAKTEN UND VERNUNFT!

von Gerd Uken

Ich vermisse

Verlässliche Aussagen zum Grünland denn sie ist der größte CO2 Speicher..... Nicht das das so endet wie jetzt in NL und man erst eine Genehmigung einholen muss um in FFH Gebieten Tiere Weiden zu dürfen

von Harald Finzel

Herr Schulze-Pals, was veranlasst Sie, einer Ackerbaustrategie verlässliche Ziele und tragfähige Leitplanken für die Zukunft des Ackerbaus zuzutrauen?

Ich sehe nicht, wie eine Ackerbaustrategie auch nur eines der oben aufgelisteten Problemfelder lösen könnte, so wie das gerne suggeriert wird. Keine Partei und keine NGO wird wegen einer Ackerbaustrategie ihr Geschäftsmodell "Agrarwende" aufgeben. Die Bauern werden auch weiterhin die Getriebenen sein. Und die Politik wird sich weiterhin an den immer irrationaleren Forderungen irgendwelcher Alarmisten orientieren. Schließlich geht es um mehr Wählerstimmen als alle Bauern zusammen aufbieten können.

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